Das unsägliche Gutachten

2HM ist in den Apothekenmedien zur Zeit in aller Munde. Ihr Horror… ähem… Verzeihung… Ihr Honorar- Gutachten für das Bundeswirtschaftsministerium wird wohl angeblich aufzeigen, dass die Apotheken deutschlandweit etwa 1,7 Milliarden Euro zu viel „verdienen“. Wird wohl aufzeigen? Jawohl- es ist noch nicht veröffentlicht, und trotzdem dringt scheibchenweise immer mehr vom brisanten „content“ über diverse Printmedien an die Öffentlichkeit. 

Eigentlich ein Unding, denn das Gutachten sollte eigentlich im September, dann im Herbst vorgestellt werden. Der Grund warum es im Hintergrund gehalten wird ist noch unklar. Wird nochmals gegengerechnet? Stimmt irgendetwas damit nicht? Warum wird dann überhaupt mit gegacker die Öffentlichkeit gesucht?

Ich habe den Eindruck, man will erst einmal schauen, welche Wellen das Gutachten aufwerfen wird, um sich Strategien herauszusuchen. Andreas May- der Vorsitzende der ADEXA (Apothekengewekschaft) findet jedenfalls sehr deutliche Worte für die bekannt gewordenen angeblichen Inhalte des Gutachtens

„Liebe BILD-Zeitung, liebes 2hm-Team, liebes Wirtschaftsministerium,

habt Ihr eigentlich mal recherchiert, was Angestellte in öffentlichen Apotheken – also PTA, PKA und angestellte ApothekerInnen – nach Tarifvertrag verdienen? Und habt Ihr das auch mal mit den Verdiensten von vergleichbaren Berufen außerhalb des Gesundheitsbereiches verglichen – z. B. anderen Akademikern oder auch den Angestellten in einem Drogeriemarkt?

Und glaubt Ihr ernsthaft, die Gehälter wären trotz der anspruchsvollen Arbeit so niedrig, weil sich unsere Chefs heimlich die Taschen vollstopfen, die sie dann in Steuerparadiesen wieder ausleeren?

Seid Ihr wirklich so naiv?

Denn das glauben nicht einmal wir als Gewerkschaft. Obwohl wir uns gerne und oft mit den Arbeitgebern über das Gehaltsniveau streiten.

Aber wir kennen die Lage der Apotheken aus eigener Anschauung. Offenbar besser als Ihr nach Eurem Gutachten, liebes 2HM-Team.

Ja, es gibt natürlich auch übertarifliche Bezahlung. Aber nicht flächendeckend. Das liegt daran, dass sich nicht alle Apotheken höhere Gehälter leisten können. Zum Beispiel die kleineren in den Stadtrandlagen und auf dem Lande, da, wo sie besonders gebraucht werden.

Liebes Wirtschaftsministerium, ist Dir eigentlich klar, was es für unsere Arbeitsplätze bedeutet, wenn das Honorar tatsächlich um vermeintlich zu viel gezahlte 1-2 Mrd. Euro gesenkt würde?

Dass zu den Apotheken auch Arbeitnehmer und Arbeitsplätze gehören, sollte doch zumindest einer geschäftsführenden Ministerin der SPD bekannt sein. Sind wir in der falschen Branche? Oder haben wir mehrheitlich das falsche Geschlecht? Bekämen wir mehr Aufmerksamkeit, wenn wir (männliche) Angestellte von Autozulieferern wären?

Ein Gutachten, das die Realität in der Apotheke und ihrer Arbeitsverhältnisse nicht widerspiegelt, darf nicht Grundlage für die künftige Honorierung der Apothekenteams sein. Dass das Gutachten noch nicht veröffentlich ist, lässt einen Funken Hoffnung zu, dass hier nochmal Experten nachrechnen.

Im Übrigen: Es wäre schön, wenn wir es – als für diesen Bereich zuständige Gewerkschaft – vor der Veröffentlichung auch zur Stellungnahme einsehen könnten!

Viele Grüße

ADEXA – Die Apothekengewerkschaft”

Mir persönlich reicht ein Blick auf die Homepage von 2HM, wo ich unter anderem Namen wie „Leif Steinbrinker“ lese, die beim Aufbau von Amazon.de geholfen haben. Dass so jemand kein Interesse am täglichen „klein klein“ deutscher Apotheken hat, sondern vielmehr einen RX- Versand befürworten dürfte ist auch klar. Zudem zählen „Rossmann“ und „REWE“ zu den zufriedenen Kunden des Unternehmens. Dass diese mit DoMo eng zusammenarbeiten ist sicherlich Zufall, oder? Lobbyisten als Wissenschaftler getarnt – wundert uns das wirklich?

Über ptachen

PTA mit Leib und Seele.
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9 Antworten zu Das unsägliche Gutachten

  1. ednong schreibt:

    Der Grund fürs Zurückhalten ist doch klar: erst die Wahlen, dann die fehlende Regierung. Dass da jemand gegenrechnet,glaube ich zumindest nicht. Und dass solcherlei Experten oft Lobbyisten der anderen Seite sind, gab es leider auch schon oft genug. Letztlich suchen die in der Regierung nur nach einer fundierten Begründung für eine Gesetzesänderung, die nichts weiter ist als Sand in den Augen. Alles wie immer. Und die Scheibchen dienen nur der Gewöhnung des Volles an die zu erwartenden Mehrkosten. Oder zur Vertuschung ebendieser.

    Hoffentlich gibt es bald Neuwahlen. ..

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    • nickel schreibt:

      Neuwahlen würden meiner Meinung nach das Problem nur verschlimmern, da ich davon ausgehe, dass eine nicht unbeträchtliche Anzahl an Wählern extremer wählen würde als beim ersten Wahlgang. Oder nur die überhaupt wählen gehen, die potenziell eher in die Extreme wählen. Neuwahlen haben noch nie etwas Gutes gebracht.

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  2. Alexander schreibt:

    Sei mir nicht bös, aber ich kann Deine Kritik aktuell nicht ernstnehmen. Wie Du selbst schreibst, ist das Gutachten noch nicht veröffentlicht. Also weißt Du abgesehen von den paar Auszügen, die an die Öffentlichkeit gelangt sind, auch noch nicht, was drinsteht. Insofern ist Deine Kritik aktuell eben auch nicht wirklich fundiert. Vielleicht solltest Du einfach mal abwarten, bis es veröffentlicht ist. Dann bin ich gespannt auf Deine fundierte, fachfrauliche Kritik.

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    • ptachen schreibt:

      Ich bin Dir nicht bös 😉
      Als die ersten Gerüchte in der Fachpresse auftauchten habe ich dazu auch noch nichts geschrieben, weil ich unsicher war, ob das durchgesickerte denn auch so stimmt. Nachdem die BILD Zeitung und diverse andere Printmedien die mit Apotheken eigentlich wenig bis gar nichts zu tun hatten jetzt aber in regelmäßigen Abständen Artikel darüber bringen darf man wohl recht sicher sein, dass der Bericht genau dieses Fazit wohl auch enthalten wird: die Apotheken verdienen (mal wieder) zu viel. Ich finde es einfach seltsam, dass man immer versucht bei uns zu beschneiden, während die Krankenkassen ungeschoren davon kommen… da scheint die Lobbyarbeit besser zu funktionieren habe ich den Eindruck…

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  3. -thh schreibt:

    Das Gutachten kommt wohl zu dem Schluss, dass knapp die Hälfte der Apotheken ohnehin nicht lebesfähig ist und daher schließen muss. DIejenigen davon, die sich auf dem Land befinden, seien durch einen Fonds zu stützen, die in den Städten seien entbehrlich.

    Die Einsparungen sollen im Kern durch eine Senkung des Abgabezuschlags von 8,35 EUR auf 5,80 EUR entstehen.

    Vgl. die Zusammenfassung bei der FAZ: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/apotheke-in-der-krise-jeder-zweiten-droht-das-aus-15334408.html

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