Sicherheit und Vertrauen

Wem kann man heutzutage schon vertrauen? Speziell wenn es um Geld geht wird die Luft sehr dünn… Früher gab es einmal den „Bankberater des Vertrauens“, der einem das erste Sparkonto eingerichtet hat als man Kind war, und bei dem man Bundesschatzbriefe gekauft hat. Inzwischen wird man in der gleichen Bank so schnell über den Tisch gezogen, dass man die Reibungshitze als Nestwärme empfindet… bis man merkt, dass man mehrere tausend Euro verloren hat, weil man aufgrund des erwähnten Vertrauens einfach den Aussagen des Beraters geglaubt, und das Kleingedruckte nicht aufmerksam genug gelesen hat.

Es sind immer die freundlichen, gutgläubigen, meist älteren Menschen die auf so etwas hereinfallen (auch auf die blumigen Aussagen von Versicherungsvertretern). Zuerst merkt man das gar nicht, und wenn der Ernstfall eintritt ist es dann zu spät. Diese Erfahrung musste auch schon so mancher Chroniker machen, der im guten Glauben war, eine sichere BU (Berufsunfähigkeitsversicherung) zu haben. Gesundheitsfragen wurden im Vorfeld gewissenhaft beantwortet, die Versicherung abgeschlossen, und innerhalb von 10 Jahren nach der Unterzeichnung der Police kam es dann zum Ernstfall (MS- Diagnose, Depression oder ähnliches). 

Die Berufsunfähigkeit wird festgestellt, die gesetzliche Versicherung zahlt auch (den fürs Überleben kaum ausreichenden Betrag von ca. 600€), doch die private BU die die Versorgungslücke eigentlich auffangen sollte weigert sich. 

Die Begründung lautet dann oft „arglistige Täuschung“, weil man aufgrund der schwammigen Formulierung in den Gesundheitsfragen vergessen hat zum Beispiel den Reizdarm zu erwähnen, den man vielleicht vor 20 Jahren einmal hatte und der irgendwann durch einen Arztbesuch aktenkundig wurde. Da das Problem damals nach einigen Wochen erledigt war und nie wieder auftrat hat man Jahre später beim Vertragsabschluss nicht mehr daran gedacht, doch ein durch die Versicherung bestelltes Institut hat die alte Diagnose wieder ausgegraben. 

Um juristisch gegen solche Haarspaltereien vorzugehen fehlen den Betroffenen dann oft das Geld und die Nerven – und sie müssen bis ins hohe Alter am Existenzminimum dahinvegetieren.

Nicht viel besser ergeht es Typ 1 Diabetikern oder anderen Personen mit erblichen Stoffwechselerkrankungen, die von vornherein keine BU zu halbwegs normalen Preisen abschließen können, da das Risiko den Versicherern einfach zu hoch ist. Wer in diesem Bereich trotzdem eine Versicherung angeboten bekommt ist gut beraten, gleichzeitig noch eine Rechtsschutz Versicherung mit abzuschließen, die ihn im Ernstfall gegen die Versicherer seiner BU vertritt.

Traurige Welt…

Über ptachen

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5 Antworten zu Sicherheit und Vertrauen

  1. ednong schreibt:

    Versicherer sind mMn immer mehr zu Ganoven mutiert. Beiträge müssen pünktlichst bezahlt werden, Angaben supergenau gemacht werden – und in Ernstfall suchen site dann nach einem Hintertürchen, um nicht zahlen zu müssen.

    Und Rechtsschutzversicherungen sind auch so eine Sache: nach dem ersten Rechtsstreit können Sie dir dann kündigen. Und dann hast du wieder keinen und hast ggf Schwierigkeiten, eine neue abzuschließen …

    Ganoven eben.

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  2. Shark schreibt:

    Das erinnert mich daran, als ich mal bei der Krankenkasse saß und das Gespräch beim benachbarten Sachbearbeiter mitbekam. Die Frau hat jahrzehntelang immer brav ihre Bonuskarte für den Zahnarzt abstempeln lassen, nur nicht in dem einen Jahr, da sie wegen einer schweren Krankheit im Krankenhaus lag und nicht so etwas unwichtiges wie Bonuskarte stempeln auf dem Schirm hatte.

    (Ich bin nicht mal sicher, ob sie oder ihr Mann überhaupt wussten, dass man einen Zahnarzt ans Krankenbett bestellen kann. Oder wenn, ob sie das getan hätten, da sie sicher einer Generation angehörten, die denkt, dass man mit so was den Herrn Doktor doch nicht belästigen sollte.

    Ich wäre auch nicht auf die Idee kommen, wenn ich gar nichts an den Zähnen hätte, dafür aber Schmerzen, Angst und Sorgen z.B. wegen einer Chemotherapie.

    Jedenfalls fehlte der Stempel und sie durfte die teure anstehende Zahnbehandlung gänzlich selbst bezahlen.

    Schön Scheiße!

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    • Christian schreibt:

      Und ich dachte bisher immer das die Bonuskarte nur den Unterschied zwischen 50% gesetzlicher Zuschuss (von der Basisversorgung) zu 65% ausmacht.

      Wieder was gelernt!

      Wie machen das eigendlich Krankenkassen die gar keine Bonuskarte haben?
      Zahlen die gar nichts? Schauen die nach wie oft man beim Zahnarzt war und was ist wenn ich erst vor zwei Jahren dahin gewechselt bin, haben die meine Daten von der AOK bekommen?
      Weiß das jemand?

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  3. nickel schreibt:

    Sehr wahre Worte.
    Da bin ich mit Fox Mulder: Vertraue niemandem.

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  4. Brigitte Novacek schreibt:

    Stimmt leider. Es gibt da noch einen Spruch: wenn man alle Versicherungsheinis (beiderlei Geschlechts natürlich) in einen Sack steckt und mit einem Knüppel draufhaut, erwischt man sicher keine/n Falsche/n.

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