Apotheken im Ausnahmezustand

Apotheken im Ausnahmezustand lautet eine aktuelle Überschrift der IKZ- online. Es geht um den gewaltigen Andrang im Notdienst während der Weihnachtsfeiertage. Teilweise waren bis zu 300 Menschen vor den Apotheken erschienen und die notdiensthabenden Apotheker mussten Personal aus dem Weihnachtsurlaub zurückrufen.

Sinnvollerweise stand offenbar bei einer der Apotheken das Plakat „Das Internet macht keinen Notdienst“ vor der Türe… besser hätte es nicht platziert werden können! Die räumlichen Abstände zwischen den versorgenden Apotheken werden eben immer größer, und das wird sicher nicht besser, wenn noch mehr Inhaber schließen müssen.

Angeprangert wurden im Bericht viele Patienten aus den ärztlichen Notaufnahmen (in denen es nicht besser aussah), die wegen Beschwerden kamen, die sie bereits viel früher hätten hausärztlich abklären lassen können. Ich werde es nie verstehen warum man wegen zum Teil seit Monaten andauernden Beschwerden an solchen Tagen in die Notaufnahme gehen muss.

Das sind wahrscheinlich die gleichen Leute, die Zuhause keine Hausapotheke mit den gängigsten Präparaten vorrätig halten… 

In meiner alten Apotheke gab es dazu einmal eine Situation, die zu einer typischen Replik meines damaligen Chefs führte. Ein Ehepaar kam an Heilig Abend in den Notdienst und verlangte ein spezielles Babymilchpulver, das wir nicht führten. Wir hatten zwar ein hypoallergenes Pulver vorrätig, aber eben nicht von der gewünschten Firma. Der Vater des Kindes beschwerte sich ziemlich lautstark über unseren „kleinen Saftladen“, da meinte mein Chef: 

„Aber an ihren Weihnachtsbraten haben sie rechtzeitig gedacht, oder? Das sagt ja auch was aus.“

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10 Antworten zu Apotheken im Ausnahmezustand

  1. landapotheker schreibt:

    Das mit dem Babymilchpulver hat der Seniorchef meiner Lehrapotheke, in der ich mein PJ gemacht habe, exakt auch so formuliert. Die Unverschämtheit der Kundschaft nimmt leider immer weiter zu. Das liegt aber auch daran, dass viele Kollegen den Kunden immer noch in den Allerwertesten kriechen. Es gibt den Spruch „Was nichts kostet ist nichts wert“. Wir Apotheker sind so blöd und bieten permanent kostenlose Leistungen an, die der Kunde dann kaum wertschätzt. Hätten mehr Kollegen den „Arsch in der Hose“ wären wir weniger jämmerlich. Aber das ist so wie immer „Hätte hätte Fahrradkette“.

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  2. aponettesplauderei schreibt:

    Ein anderer Kollege sagte bei sowas gerne: warten Sie, ich habe noch eine Dosa Ravioli hinten, denn Essen für sich selber haben Sie sicher auch nicht daheim.
    Ich hatte am 25. selber Dienst und es war tatsächlich eine Mutter da, die keine Pampers mehr hatte. Was war die froh, daß ich – weil wir noch Inkoversorgung machen – zumindest eine Packung mit irgendeiner Größe da hatte.
    Wobei ich sagen muss, daß meine Kunden alle, bis auf einen der Insulinspritzen wollte, höflich und vor allem dankbar waren.

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  3. Sylana schreibt:

    Es ist für mich trotzdem nicht nachvollziehbar.
    Ich hab ein Kind, das auf spezielle Nahrungsmittel angewiesen ist, und ich sorge nicht vor? Vor allem, weil man das ja Wochen vorher weiß, das mal 3 Tage alles dicht ist, wurde ja in allen Medien breitgetreten. Kann ja auch im Normalbetrieb mal Schnee, Glatteis, Auto kaputt, Mutti am kränkeln sein, so das man mal eben nicht schnell losfahren kann.
    Ebenso der Typ mit dem Insulin….. Da kann man nicht drauf achten, das man, während der eigne Arzt im Urlaub ist, versorgt ist? Da muss noch ein Notdienst, und dann noch ein Apothekennotdienst, und dann noch (Entschuldigung!) das große Maul? Ich wär ja dafür, das der komplett selber bezahlt, da tut die Dummheit wenigstens im Portemonee weh.

    Windeln auch Klasse! Vorratshaltung? Mensch, ich weiß doch wie viel mein Zwerg pro Woche vollmacht. Wenigstens wusste sie, was sie an Euch hatte.
    Gut, ich stamme auch aus einer Zeit, wo sämtliche Läden 18.00Uhr zu hatten, und Samstags sowieso…..
    Übrigens das mit den Windeln hatten wir auch schon. Besuch mit Baby bekommen, die Tasche mit dem Windelzubehör wahrscheinlich auf der Raststätte stehenlassen. Pfingstsonntag, ist klar.
    Während die Neu – Family schon leicht panisch wurde, hab ich ganz pragmatisch überlegt: „Wer im Ort hat denn relativ neu ein Kind?“ Hingegangen, mit rotem Kopf höflich Problem geschildert, mit passender Packung und dem Spruch: „Das kennen wir doch irgendwoher!“ wieder zurück.
    Der Vorteil des Landlebens…..

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    • marion schreibt:

      Naja ich hatte es letztens ähnlich. Normalerweise nutze ich Stoffwindeln, im Urlaub aber Wegwerfwindeln. Ich hatte 1 Packung dabei, 40 Stück, reichte eigentlich für 1 Woche. Blöd nur, dass Sohnemann am Samstagabend meinte mit Durchfall anfangen zu müssen, 20 Windeln am Tag. Ähm ja, meine Freundin half mir aus, aber ohne sie wäre ich blöd dagestanden….Ausnahmen gibt es immer. Mir wäre die Marke allerdings wurscht gewesen…

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    • aponettesplauderei schreibt:

      Also ich kann schon verstehen, daß man beim Einpacken oder in dem Weihnachtsstress mal was vergisst – mein Mann hat seinen Anzug und alle Hemden zu Hause hängen lassen, dieses Jahr. Und daß ich dann in der Apotheke aushelfen kann freut mich. Ärgerlich ist es erst, wenn sich die Leute dann nicht etwa freuen, weil ihnen geholfen wurde, sondern sich noch obendrein beschweren und pampig werden, weil ich eben nur eine passable Lösung für sie habe und nicht die 150% passende für SIE maßgeschneiderte nicht nachdenken müssen Lösung habe.

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      • Sylana schreibt:

        Genau das ist der Punkt.
        Statt mal dazu zu stehen, das man das selber vergeigt hat, und sich mit was halbwegs passenden zufrieden zu geben, werden die noch unflätig.
        Da vergeht einem ja die Hilfswilligkeit!

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  4. Shark schreibt:

    Oh, der Spruch des Chefs erinnerte mich an ein Erlebnis im Sommer beim Picknick. Meine Gruppe war in den Augen der „Nachbarn“ komisch gekleidet, die haben sich darum so hingesetzt, dass sie uns begaffen konnten als seien wir Tiere im Zoo, haben dabei laut über uns abgelästert. Proleten mit Kettensäge, mit der sie im nahen Wäldchen illegal einen Baum gefällt haben für ihr Lagerfeuer (brannte natürlich nicht mit dem grünen Holz) und zwei Kasten Bier dabei. Aber nichts zu trinken für ihre drei kleinen Kinder. Nach dem ganzen Gelästern kam dann einer scheißfreundlich und frage, ob wir eine Flasche Wasser für die Kinder übrig hätten. Nee, klar.
    Aber Hauptsache an die zwei Kasten Bier und ’ne Kettensäge gedacht, ist ja wichtiger als was zu trinken für die Kinder…

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