Der Homo webicus in der Apotheke 

Im neuesten Blogbeitrag des Edikt von Cupertino wird er ausführlich besprochen, der netzaffine Homo webicus. Es ist eine Herausforderung sinnvoll mit ihm umzugehen, das gebe ich zu.

Wenn die Kunden mit Diabetes oder anderen chronischen Erkrankungen zu uns kommen, und etwas über eine „Wunderpille“ gelesen haben die im Internet beworben wird ist es noch vergleichsweise einfach dem zu begegnen. Wir haben die Fachkompetenz in der Apotheke zu beurteilen, ob eine bestimmte Sache einen Versuch wert ist sie zu testen, oder ob wir abraten und versuchen die Kunden auf etwas anderes, sinnvolleres umzustellen.

Möchte sich eine Kundin selbst ein neues Fettschmelzwundermittel unter die Haut spritzen und fragt zuerst nach unserem Rat, dann wird wie ihn bekommen. Genau denselben wie zu Wumderpillen oder Vitamintabletten gegen Krebs. 

Wir sind mehr als ausführende Organe, die nach dem Klick des gutgläubigen Konsumenten einfach Präparate in den Warenkorb legt. Wir helfen. Gerne. Das ist unser Job. Und wenn bei uns alte Menschen Medikamente zur Lieferung bestellen, dann werfen wir das Paket nicht einfach in den Hausflur wenn es mal länger dauert bis die Türe aufgeht. Wir geben auch das Prostatamedikament oder die Pilzcreme nicht beim Nachbarn ab. 

Persönliches wird auch persönlich übergeben, und wir beraten nicht nur beim Kauf, sondern immer dann, wenn wir um Rat gebeten werden. Auch wenn es mal schwer wird, wenn jemand zu uns kommt und triumphierend mit einem Blatt Papier wedelt. Darauf stehen die Angebote von DoMo, und wir werden gefragt warum wir so teuer sind. In solchen Momenten fällt es schwer ruhig und höflich zu bleiben – aber es geht. Und auch der Homo webicus ist Sachargumenten gegenüber zugänglich. Noch. Und so lange er noch zu uns kommt und mit uns darüber redet, so lange ist auch noch nicht alles verloren!

Advertisements

Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Der Homo webicus in der Apotheke 

  1. gedankenknick schreibt:

    Ich sehe da zwei Schwierigkeiten:
    1) Gemäß des Schlechtachtens von 2hm dürfen wir die Mischkalkulation streichen (mit der ja die kauffreie Beratung und auch die Abratung auch mitfinanziert wird), und erhöhen einfach die Preise auf OTC und Freiverkauf. Das hat dann genau drei Auswirkungen:
    1a) Die Bude läuft noch defizitärer, weil ja gemäß Preiserhöhung OTC & Freiwahl weniger gekauft wird gegenüber Onlinehandel.
    1b) Die Patienten kommen noch mehr zum „nur fragen/betaren und dann woanders preiswerter kaufen“.
    1c) Wenn man für Beratung ohne Verkauf eine Gebühr erhebt, werden die Leute auch nicht mehr fragen / sich beraten lassen.

    2) Wenn der Homo webicus dann nicht mehr kommt, wird er auf das freundliche (Online-)Beratungsangebot seiner Kasse zugreifen. Wenn überhaupt. Was dann die Kasse macht, und wie weit das unabhängig bzw. mit Eigeninteresse ist, steht dann auf einem anderen Blatt…

    Gefällt mir

  2. Beate schreibt:

    Und direkt unter dem Text steht Werbung für die Versandap*theke „Zur R*se“.

    Ich hab zwar einen Screenshot gemacht, krieg den aber hier leider nicht reinkopiert.

    Gefällt mir

  3. ptachen schreibt:

    Unter meinem Text???

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.