Anstarren ist unhöflich!

Dieses Wochenende war ich mit dem Nachwuchs schwimmen. Mit uns im Schwimmbad befand sich eine Familie mit einem körperlich stark behinderten Kind.

Ich musste mich für viele „Mitschwimmer“ richtig schämen, denn die Art und Weise wie dieses Kind beglotzt wurde war wirklich nicht mehr normal. Auch mein Filius fragte mich natürlich, warum das Kind so komisch aussieht. Ich habe es ihm erklärt – und gut war.

Auch dass man einmal genauer hinschaut ist normal finde ich – aber das wirklich teilweise minutenlange Anstarren dieses Kindes empfand ich wirklich als peinlich und befremdlich. Es würde mir niemals einfallen so etwas selbst zu tun, daher kann ich die Beweggründe dahinter nicht wirklich nachvollziehen. 

Möglicherweise sind das die selben Leute, die neugierig stehen bleiben, wenn sich jemand verletzt hat. Die Menschen wegen denen sich auf der Autobahn nach einem Unfall ein Stau bildet – auf der anderen Seite.

Geht gar nicht – wirklich wahr! Kann sich nicht jeder vorstellen, wie furchtbar es ist so angestarrt zu werden? Die ganze Familie blieb trotz der Zuschauer ganz ruhig und tat so, als wäre alles in bester Ordnung und normal. Vermutlich sind sie häufiger einer solchen Situation ausgesetzt…

Fremdschämen war jedenfalls bei mir angesagt. Fremdschämen und Verständnislosigkeit.

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PTA mit Leib und Seele.
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6 Antworten zu Anstarren ist unhöflich!

  1. ittagebuch schreibt:

    Immerhin hat keiner ein Handyvideo gemacht …

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  2. Julia schreibt:

    Das Ding ist: Meistens sind Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft nicht sichtbar. Es gibt eigene Schulen, Kindergärten, Werkstätten, Wohnheime usw. usf. Dazu noch eine Splitterung in geistige Behinderung, körperl. Behinderung, Hörbehinderung, Sehbehinderung, ASS usw. usf. Wieviele Menschen mit Behinderung sind bei deinem Kind in der Schule? Wieviele waren mit ihm im Kindergarten? Wie oft seht ihr Menschen mit Behinderung? Für das Starren mache ich Menschen keinen Vorwurf. Was man nicht kennt, wird angeschaut. Das ist einfach so. Aber die Ausgrenzung muss weg. Und dafür müssen beide Seiten bereit sein.
    Nur, um etwas zu sensibilisieren: Grob gesagt vergleichst du in dem einen Abschnitt Menschen mit Behinderung mit einem Unfall. Das ist unglücklich und sicher nicht so von dir gemeint. Es wäre schön, wenn du dir das vielleicht noch zu Herzen nehmen könntest.

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  3. Judi schreibt:

    Mit zwei behinderten Kindern im allerengsten Freundeskreis aufgewachsen (die Geschwister meiner beiden besten Freundinnen) kann ich sagen, dass man das Starren irgendwann in den allermeisten Situationen gar nicht mehr wahr nimmt. Das soll nicht hießen dass es gut ist zu starren und auch nicht, dass es keine Situationen gibt, wo es dann doch weh tut. Es ist nur eine Erklärung für das Verhalten der Familie, das Dich anscheinen etwas gewundert hat. Sie haben mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht „so getan“ als sei es normal angestarrt zu werden – es IST normal für sie. Leider. Genauso wie das andere „Phänomen“ normal ist – demonstratives Wegschauen/aus dem Weg gehen, weil man Angst hat beim kleinsten Blickkontakt als „Starrer“ zu gelten.
    Um das dicke Fell zu durchdringen, das beim Leben mit behinderten Kindern leider auch wachsen muss braucht es schon mehr. Z.B. Äußerungen wie „sowas muss es doch heute gar nicht mehr geben“ – eine Äußerung die eine Bekannte immer mal wieder hört (öfter als ich es mir in meinem naiven Glauben an das Gute im Menschen und unsere schöne bunteGesellschaft je hätte vorstellen können) , wenn sie mit ihrem Kind mit Down-Syndrom in der Öffentlichkeit bewegt.

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  4. Shark schreibt:

    Ich lese gerne in dem Blog von Jule mit, einer Querschnittsgelähmten jungen Frau (jule-stinkesocke.blogspot.de), die seit Jahren aus ihrem Leben erzählt.
    Ich habe keine behinderten Menschen in der Bekanntschaft oder Verwandtschaft und bin von dem Thema also völlig unbeleckt. Wohl darum bin immer wieder beim Lesen fassungslos, was Menschen alles für Vorurteile haben oder meinen sich herausnehmen zu dürfen. Oder was (aus Angst geborenem?) Hass Menschen entgegenschlägt, die „anders“ sind.

    Da ist Anstarren vielleicht für die Familie das geringste Übel, die werden vermutlich schon schlimmeres erlebt haben wenn man Jules Erfahrungen als Vergleichswert nimmt.

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  5. Kathi schreibt:

    Unser Mittlerer hat „nur“ eine Strabismus, er schielt also, ok recht stark. Wir sind natürlich in Behandlung seit er 4 Monate ist, Brille, Pflaster das volle Programm. Was uns in diesem Zusammenhang schon passiert ist, ich hätte mir das nie so vorgestellt, und wie gesagt er schielt „nur“, nicht schön aber im Gegensatz zu vielen anderen Erkrankungen fast nicht der Rede wert, wenn es erkannt und behandelt wird.

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