Das Kamingespräch – Teil 1

Es war weniger ein Interview, als vielmehr ein Gespräch mit zwei hochinteressanten wenn auch sehr gegensätzlichen Menschen auf einer ruhigen und freundlichen Basis (auch wenn es zu Beginn erst einmal etwas holprig war). Wir saßen rund um einen großen Holztisch auf Holzbänken mit hübschen bunten Sitzkissen – die Experten nebeneinander, und wir Fragenden im Kreis darum.

Als unsere DocCheck Moderatorin Mira fragte, ob wir uns zunächst einmal alle vorstellen sollen, verlangte Herr Dr. Wodarg zunächst zu erfahren wer uns bezahlt. Jan (war es glaube ich) konterte gleich: „Das wollen wir auch von ihnen wissen!“. Ich empfand den Einstieg daher etwas schroff, habe aber im Verlauf der Diskussion verstanden, warum genau diese Frage der Dreh- und Angelpunkt des Abends ist. Wir antworteten also alle brav und wahrheitsgemäß, dass wir nur uns selbst vertreten und wenn überhaupt, dann ausschließlich von DocCheck ein Handgeld für die im Newsletter veröffentlichten Artikel erhalten.

Das hat zur allgemeinen Entspannung beigetragen, und auch Herr Dr. Wodarg berichtete uns anschließend ausführlich welchen Gremien er vorsteht bzw. einmal vorstand.

Die erste für mich relevante Frage war die, wann Korruption beginnt. Schon mit einer Einladung zum Abendessen oder erst mit einer gesponsorten Reise nach Mallorca? Die Antwort war klug und interessant: im Grunde beginnt Korruption bereits mit einem Lächeln und einem netten Wort, denn der Mensch ist einfach strukturiert. Er verhält sich normalerweise reziprok. Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.

Freundschaften sind wichtig, in der Politik für die Lobbyisten vor allem die Freundschaften zu den Mitarbeitern der Abgeordneten. Diese sind nämlich die Experten für bestimmte Themen, die die Abgeordneten selbst gar nicht in der Tiefe eruieren können da ihnen dazu die Zeit fehlt. Herr Dr. Wodarg erzählte uns, dass er immer wechselnde Mitarbeiter über Zeitverträge eingestellt hat (z.B. während der BSE- Krise einen Tierarzt), aber manche auch 10 Jahre um sich hatte.

Wichtig ist also nicht nur per „Abgeordnetenwatch“ nachzusehen bei wem die gewählten Vertreter des Volkes Beraterverträge etc. haben, sondern auch von wem deren Mitarbeiter eventuell noch Gelder erhalten.

Dr. Florian Eckert erzählte von der Wichtigkeit der „Stammtische“ zu diversen Themenbereichen von denen er allwöchentlich 3- 4 Stück abends besucht, und davon dass deren Umfang zugenommen hat seitdem die Meinungsmache innerhalb der Bevölkerung zusätzlich noch durch Influencer (wie z.B. Blogger) und nicht nur durch die großen Medien stattfindet. Auch der Unterschied zwischen den Cafés „Einstein“ und dem „Augustiner“ wurde herausgearbeitet. In den Kneipen würden die wirklich wichtigen Entscheidungen getroffen – kommt ein Thema im Bundestag auf die Tagesordnung dann ist im Grunde eigentlich bereits alles entschieden.

Grundsätzlich bedeutet das mehr Arbeit, aber auch mehr Input für diejenigen, die Einfluss auf bestimmte Gruppen nehmen möchten. Dass Influencer grundsätzlich ihre Leser oder Zuschauer für ein Thema sensibilisieren oder auf eine Marke oder ein Produkt aufmerksam machen sei ja kein Problem meinte Dr. Wodarg, nur müsse immer zweifelsfrei klar sein, in dessen Auftrag gehandelt wird. Er führte ein Beispiel aus der Seefahrt an: „Es darf nicht unter falscher Flagge gesegelt werden“ – auch nicht von Bloggern die Werbung machen.

…wird morgen fortgesetzt…

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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3 Antworten zu Das Kamingespräch – Teil 1

  1. bombjack schreibt:

    Yep…deckt sich mit dem was in einem Schreiben stand, was ich bei der Arbeit in Deutschland an einem wissenschaftlichen Institut bekommen habe….wo erwähnt wurde, dass schon das Pfund Kaffee, die Flasche Wein aus der Sicht kritisch zu sehen ist….nur wenn der Level wirklich so niedrig liegt wie ist es dann zu vereinbaren, dass aktive d.h. an der Gesetzgebung beteiligte Politiker

    a) Nebenjobs haben
    b) später zu Firmen wechseln (und davor an netten Gesetzen mitgewirkt haben, die oh Wunder gerade die Tätigkeit der Firma betreffen und gravierender
    c) Mitglied in Aufsichtsräten bei diversen Firmen oder auch Banken usw. u.U. sind?

    bombjack

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    • gedankenknick schreibt:

      a) Die Nebenjobs (in just den Firmen, die das eigene Politikresort betreffen) sind wichtig, damit als Politiker überhaupt einen Einblick hat, was man mit seiner Politik so verursacht. Außerdem schützen sie vor weiteren Diätenerhöhungen, denn nur so kann ein Spitzenpolitiker ein auskömmliches Leben führen…

      b) und c) Die späteren Firmenwechsel sind gar kein Problem und hängen NIE mit der politischen Tätigkeit, sondern immer nur mit dem Fachwissen, welches der ExPolitiker ja schon in seiner Politikzeit genutzt hat, zusammen. Schon Gerhard Schröder hat, 3 Tage nachdem er vorzeitig seinen Bundeskanzlerjob gekündigt hat und Gasableser bei Putins NordStream geworden ist, festgestellt: Zwischen diesem Aufsichtsratsposten bei dem Pipeline-Konsortion und meinem politischen Kampf über 15 Jahre gegen alle Widerstände für diese Pipeline kann ich GAR KEINEN Zusammenhang erkennen! Ha ha ha…

      Noch Fragen, Kienzle? 😉

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  2. bombjack schreibt:

    Kleine Ergänzung:

    und der Nebenjpb kollidiert nie und nimmer mit den 100% Jog des Abgeordneten nur komisch dass ich als kleine Laborratte (TA, die PTA gelernt hat) mit einer 100% Stelle so gut wie keine Nebenjobs machen kann/darf…weil ja schon 100% angestellt…..

    bombjack

    PS: Als Besteller hatte ich einen Etat von um die 1000 DM bzw. Euro, pro Bestellung, gings drüber musste der PI zustimmen, gings noch höher waren drei Angebote nötig….d.h. die Missbrauchs-Möglichkeiten waren da sehr begrenzt…
    Ferner…..zumindest bei Geräten hatte es durchaus einen Grund warum genau und exakt Gerät xyz bestellt wurde….z.B. 12-Kanal-Pipetten….andere waren in der Handhabung nicht so gut oder hatten Probleme dass alle Spitzen dicht waren, beim aufziehen und das nervt bzw. schießt zu der Zeit (und jetzt auch noch) sehr teuere Experimente schlicht ab…..

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