Iberogast

Es gehört zu den Dingen, die ich nicht verstehen kann. Die Iberogast Tropfen sind so lange wie nur wenige andere Arzneimittel auf dem Markt. Sie werden auch viel gekauft weil sie wirklich gut funktionieren und üblicherweise auch perfekt vertragen werden. Nun ist in den Tropfen Schöllkraut enthalten, das offenbar bei einigen wenigen Menschen zu leider schwerwiegenden Nebenwirkungen die Leber betreffend gesorgt hat. Die Firma Bayer, die das Iberogast vom ursprünglichen Hersteller Steigerwald aufgekauft hat weigert sich nun diese Nebenwirkungen in den Beipackzettel mit aufzunehmen. Würden sie es nämlich tun, so wären diese Tropfen wohl nicht mehr bereits ab 3 Jahren zugelassen, und auch bei Schwangerschaft oder der Stillzeit wäre künftig ein Warnhinweis zu lesen.

Bayer befürchtete wohl damit eine Umsatzrückgang und hat dagegen geklagt (wohlgemerkt nur in Deutschland – in der Schweiz steht der Hinweis inzwischen bei den UAW aufgeführt). Dieses Hin- und Her führt nun dazu, dass sei etwa 10 Jahren das ganze Verfahren in der Schwebe ist und quasi gar nichts passiert – weder wurde die Rezeptur geändert, noch wurde ein Warnhinweis verfasst.

Ich verstehe den Grund nicht! Müsste Bayer nicht Angst vor Klagen haben falls doch jemandem etwas zustößt? Normalerweise wird doch aus diesem Grund jeder Pups in einen Beipackzettel aufgenommen. Kinder, Schwangere und Stillende wären außerdem sowieso nicht unbedingt das typische Zielpublikum wenn ich meine eigenen Kundenempfehlungen Revue passieren lasse – schon aufgrund des unangenehmen Geschmacks und des Alkoholgehaltes der die meisten Mütter für die lieben Kleinen ohnehin abschreckt. Das Schöllkraut steht außerde. im Verdacht Wehen auslösen zu können, Pfefferminze sorgt für einen Rückgang der Milchproduktion.

Für ein anderes Zielpublikum ist Iberogast aber Mittel der Wahl und nicht zu ersetzen, daher hoffe ich, dass an der Rezeptur an sich nicht herumgebastelt wird. Aber vielleicht hat Bayer auch genau davor Angst? Dass ein Warnhinweis nicht ausreichen wird, und sobald „zugegeben“ wurde, dass an der Rezeptur irgendetwas problematisch ist vielleicht sogar ein Nachzulassungsverfahren droht? Das wäre zumindest der einzige Grund den ich mir vorstellen kann sich derart zu sträuben.

So eine Aufnahme von UAW interessiert ohnehin die meisten Anwender nicht die Bohne. Ich denke dem Hauptteil der Patienten ist klar, dass etwas das eine Wirkung hat auch Nebenwirkungen hervorrufen kann. Bin mal gespannt wie das weitergeht…

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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7 Antworten zu Iberogast

  1. ednong schreibt:

    10 Jahre? Und dann in der Schweiz schon aufgenommen? Das zeigt doch mal wieder, wie profitorientiert und verantwortungslos die Firmen arbeiten …

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  2. Regina Gropp schreibt:

    Liebes ptachen,
    mit Interesse haben wir Ihren Artikel verfolgt. Wir freuen uns sehr, dass Sie Iberogast schätzen
    und genau aus diesem Grund möchten wir Ihnen gerne mehr Informationen dazu anbieten. Folgen Sie dazu diesem Link https://www.gesundheit.bayer.de/de/presse/stellungnahme-iberogast/index.php
    Herzliche Grüße
    Ihr Bayer Vital-Team
    Regina Gropp

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    • ptachen schreibt:

      Lieben Dank für den Link, das ist dich schon sehr aufschlussreich!

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    • ptachen schreibt:

      Ich verstehe durchaus warum die sich weigern, die Warnhinweise einzutragen. Was ich jedoch immer noch nicht nachvollziehen kann, ist die Frage warum sie es in der Schweiz dann doch eingetragen haben. Müsste man sich dann nivht einfach grundsätzlich weigern? Überall?

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      • Regina Gropp schreibt:

        Liebes ptachen, die regulatorischen Vorgänge zu Arzneimittel sind in den europäischen Ländern unterschiedlich. In Deutschland ist es möglich durch einen Widerspruch eine aufschiebende Wirkung zu erzielen, so dass die Aufnahme von Warnhinweisen derzeit nicht erforderlich ist.
        Die jüngst erfolgte Anpassung der Arzneimittelinformation in der Schweiz ist vorübergehend auf Antrag der Schweizer Behörden im Rahmen des vorläufigen Rechtsschutzes erfolgt. Eine endgültige Bewertung zu Iberogast steht noch aus und erfolgt in einem weiteren Verfahren. Die Gesetzgebung verlangt dennoch die Umsetzung der Warnhinweise.

        Herzliche Grüße
        Ihr Bayer Vital Team
        Regina Gropp

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      • ptachen schreibt:

        Vielen Dank Frau Gropp, das ist sehr erhellend!

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      • Regina Gropp schreibt:

        Gerne 🙂

        Herzliche Grüße
        Regina Gropp

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