Wohin mit der Altarznei?

Ach wie war das vor Jahren noch so kompliziert mit der Altarznei – Entsorgung! Die älteren unter uns erinnern sich vielleicht noch: die Kunden haben nach dem Tod eines Familienmitgliedes noch die nicht mehr gebrauchten Medikamente in die Apotheken gebracht, und dann ging das fröhliche entsorgen los. Es gab drei Säcke – einen für Tabletten, einen für leere Blister, Umverpackungen und Beipackzettel und einen für Glasmüll.

War einmal Zeit schickte man den Praktikanten in den Keller um mühselig jede einzelne Tablette oder jedes Zäpfchen rauszudrücken und die Flaschen aus den Verpackungen zu nehmen und getrennt vom Papier zu entsorgen. Das alles aber bitte mit 3 Paar Handschuhen, da sich in den versifften und klebrigen unübersichtlichen Beuteln die von der treusorgende Familie abgegeben wurden auch gerne mal noch ungesicherte Bauchspritzen oder alte Kanülen befanden.

Wie einfach ist das heutzutage hier und auch in anderen Städten Deutschlands! Alles in den Hausmüll und fertig. Früher wurde das ganze Zeug ja noch deponiert, da hatte das „in die Apotheke bringen“ ja noch einen Sinn. Heutzutage wird der Hausmüll verbrannt, und die Medikamente gleich mit.

Hamburger Apotheken informieren darüber nun ihre Kundschaft, denn offenbar ist der „neue“ Entsorgungsweg (wie bei uns auch) noch nicht bei den Bürgern angekommen. Wichtig ist dabei vor allem, dass Medikamente keinesfalls in den Toiletten heruntergespült werden sollten!

Das hat nun wieder der DAZ Herausgeber in den falschen Hals bekommen und darüber gewettert. Viele Kunden hätten Angst, dass die Mülleimer gezielt nach Medikamenten durchwühlt würden. Mal ehrlich: wo würde ich als „Müllsammler“ so etwas eher suchen? In einer x beliebigen Tonne vor einem Mehrfamilienhaus oder vor einer Apotheke? Unsere Tonne ist jedenfalls nicht abschließbar.

Der „logische Ort“ zur Entsorgung von Altarznei sei die Apotheke – weil Glühbirnen, Batterien und alte Haushaltsgeräte ja auch von den Geschäften zurückgenommen werden, die sie verkauft haben. Das liegt allerdings vor allem daran, dass ja die HERSTELLER die Kosten für die Entsorgung übernehmen. Die HÄNDLER zahlen da nichts dafür. Im Falle dessen was der DAZ Herausgeber verlangt würden natürlich die Apotheken für die Entsorgungskosten aufkommen müssen. Also ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen.

Ich finde es völlig richtig, und die Aktion der Hamburger Apotheken kommt auch sympathisch rüber und ohne einen mahnenden Zeigefinger daher. Das ist unterstützenswert!

Es lohnt sich ein Blick auf die Seite arzneimittelentsorgung.de , denn dort finden sich alle regionalen Unterschiede!

By the way: in unserer Apotheke schicken wir natürlich niemanden einfach wieder weg wenn er mit einer Tüte voller Alt- Arzneimittel vor dem HV steht. Wir nehmen diese lächelnd als Kundenservice entgegen, erklären dem Menschen vor uns aber, dass er künftig anfallende Altmedis gerne selbst wegwerfen darf und diese nicht bis zum nächsten Apothekenbesuch sammeln muss. Das ist nämlich auch umständlich…

Über ptachen

PTA mit Leib und Seele.
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5 Antworten zu Wohin mit der Altarznei?

  1. nickel schreibt:

    Das wusste ich gar nicht, vielen Dank für die Info!
    Ich bin dann mal aussortieren… 😉

    Gefällt 2 Personen

  2. Seemädel schreibt:

    Hallo PTAchen,

    Da muss ich dir leider widersprechen – laut der Seite  http://www.arzneimittelentsorgung.de ist das nicht einheitlich.
    Es stimmt, dass man Medikamente mittlerweile in vielen Orten über den Hausmüll entsorgen kann, aber das ist nicht überall so.
    Geht man zum Beispiel auf der genannten Website auf Schleswig-Holstein -> Lübeck kommt der Link zu unseren Entsorgungsbetrieben. Dort steht als erstes „Bitte nicht in die Restabfalltonne oder gar in die Toilette werfen!“
    Dann wird aufgezählt, wo man sie kostenlos los wird (Wertstoffhöfe, Schadstoffmobil, Liste von 50 Apotheken), und der Grund genannt:
    „Die Abfälle aus den Restabfalltonnen werden in unserer Hansestadt nicht, wie in einigen Kommunen und Kreisen, einer Müllverbrennungsanlage zugeführt. Die Lübecker Abfälle werden in der Mechanisch-Biologischen Abfallbehandlungsanlage (MBA) weiterbehandelt. Teile des dort eingesetzten Prozesswassers wird dem Lübecker Abwassersystem zugeführt.“

    Auf der genannten Seite kann man für jeden Ort nachsehen.

    LG vom Lübecker Seemädel

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  3. Arno.Nyhm schreibt:

    Ich hatte letztens auch noch unbenutzte Thrombosespritzen wo ich nicht wusste wohin damit. Ne google suche hat nicht so recht auskunft gegeben. Habs dann mit schlechten gewissen aber intuitiv richtig gemacht: in den Hausmüll gegenen.

    Schade dass man das nicht sofort die info seite findet….

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