Apothekenschließungen

Nicht nur in Gaiberg, auch im Bremer Umland und überall sonst in Deutschland hat ein Apothekensterben eingesetzt – auch wenn die KrankenKassen das anders sehen. Sie liegen genau so falsch wie der Wirtschaftskorrespondent der FAZ, der meint das müsse niemandem Angst machen wenn im Schnitt täglich eine Apotheke in Deutschland verschwindet.

Der Tenor der meisten Kommentatoren ist leider auch der, dass es ohnehin zu viele Apotheken gäbe, und man offenbar auf 3/4 von ihnen gut verzichten könne. Das tut weh und kann eigentlich auch nur von gesunden, mobilen WLAN Besitzern kommen. Weh tut es im übrigen auch, wenn uns ein zufällig hereingeschneiter Laufkunde ob unserer (sogar noch ein klein bisschen unter dem UVP liegenden) Preis für ein OTC Produkt beschimpft. Ein „kein Wunder dass alle nur im Internet bestellen“ ist nach einem langen Arbeitstag wie ein Schlag ins Gesicht muss ich sagen.

Zum Glück hat Birgit sehr schlagfertig reagiert mit „die Internet Apotheke aus den Niederlanden kann ihnen aber nicht am Freitag nachmittag innerhalb von wenigen Minuten ihr Medikament rausgeben“.

Schön, dass wenigstens die Schreiber bei der „Medical Tribune“ auf unserer Seite stehen. Es gibt so Tage, da ist man einfach müde sich immer und immer wieder zu rechtfertigen, warum man eigentlich noch hinterm HV steht und seinen Beruf als wichtig für die Gesellschaft empfindet. Ehrlich wahr!

Über ptachen

PTA mit Leib und Seele.
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15 Antworten zu Apothekenschließungen

  1. Die Kommentatoren haben ja auch recht: man kann gut und gerne 3/4 (oder von mir aus auch nur 2/3 oder 1/2) der Apotheken schließen. Ohne jede Auswirkung. Allerdings gilt dies natürlich nur für größere Städte oder Ballungszentren. 3 Apotheken auf 500m sind nicht nötig.

    Allerdings geht es beim Apothekensterben vermutlich eher um die einzige Apotheke im Dorf … Und das ist natürlich schlecht. Sprich wir haben es hier wohl mit extremen Aneinandervorbeireden zu tun.

    PS: Sorry aber damit zu kokettieren, daß der Preis immerhin unter UVP ist, das halte ich für … ungünstig.

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    • ptachen schreibt:

      Ich kokettiere sicher nicht damit, er war auch „nur“ nach unten abgerundet. Aber in einer dörflich gelegenen Apotheke sollen wir ja laut Gutachten von 2HM zukünftig auf den UVP noch das doppelte draufschlagen um die Abstriche bei den RX Produkten die empfohlen werden zu kompensieren. Ist ja auch sooo einfach umsetzbar, nicht wahr?

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    • landapotheker schreibt:

      DAS möchte ich sehen. Selbst wenn nur die Hälfte der Apotheken geschlossen wird bezweifle ich, dass man damit eine Versorgung in der FLÄCHE, die wir derzeit noch haben, aufrecht halten kann.

      Ein Kollege hat mal den Cree-Spruch abgeändert und meinte: „…und erst, wenn die letzte Apotheke geschlossen hat, wird der Mensch merken, dass ihn niemand mehr vor Arzneimitteln schützt.“.

      Natürlich ist es für jemanden, der mobil ist und noch mit dem Auto fahren kann, kein Problem die 6,5 Kilometer nach Bammental wo es ja „drei Apotheken“ gibt, zu fahren. Aber wie viele der älteren Mitbürger können (oder wollen) noch Auto fahren? Ist der Versand dann eine Lösung? Ich glaube nicht, denn ein Antibiotikum oder ein Asthmaspray braucht man so schnell wie möglich und nicht erst in drei Tagen!

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    • aponettesplauderei schreibt:

      Deine Aussage ist so einfach nur falsch, sorry, aber so was von zu kurz gedacht! Wir sind eine von diesen „3 Apotheken auf 500m“ – und wir rennen uns im Moment aber so was die Hacken ab! Und wir sind nicht die einzige Apotheke, mindestens eine der zwei anderen Apotheken ist genau so dran.
      Hast Du schon mal nachgesehen, wie viele ÄRZTE es im Umkreis dieser ominösen „3 Apotheken auf 500m“ gibt? Und wo und in welcher Entfernung es dann wieder die nächste Apotheke gibt?
      Und überhaupt: was soll BESSER werden, wenn es weniger Apotheken gibt? Die verbleibenden müssen dann noch mehr Patienten versorgen (wir liegen jetzt schon mit 4000 Einwohnern/Apotheke ÜBER! dem EU-Schnitt von 3300 Einwohnern/Apotheke), bei vermutlich WENIGER Geld (denn wir haben ja mehr Packungen und deswegen mehr Umsatz – finde den Fehler!).

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  2. Andre schreibt:

    Ich schließe mich den Vorkommentierenden an, dass es ein Verteilungsproblem ist. Wenn sich in der Großstadt Apotheken fast näher liegen als Supermärkte muss man schon hinterfragen ob das tatsächlich notwendig ist oder es hier Einsparmöglichkeiten für das Gesundheitswesen gibt.
    Dass man Landapotheken im Gegensatz dazu vielleicht mit höherer Vergütung als Stadtapotheken fördern sollte, ist ja allerdings ein Vorschlag der nicht mal von den Apothekern kommt. Denn die Stadtapotheker wollen ihre Existenz halt nicht gefährden.

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    • aponettesplauderei schreibt:

      Ob 10 Apotheken 100.000 Rezepte beliefern oder 5 Apotheken ist für die entstehenden Kosten absolut komplett IRRELEVANT. Aber ob ich in meiner Apotheke pro Tag 250 Kunden habe oder dann mal 400 durchschleusen muß, das verbessert die Beratung und Versorgung ganz sicher nicht.
      Daß die Landapotheken alle hops gehen liegt vor allem auch daran, daß die Landärzte verschwinden und ein Satz wird immer gelten: ohne verschreibende Ärzte gibt es nun mal keine Apotheken.

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    • ptachen schreibt:

      Ich möchte auch mal gerne wissen woran dann im Gesundheitswesen gespart wird wenn es weniger Apotheken gibt. Die Medikamente werden doch trotzdem gebraucht. Ist ja nicht so als würden die Apothekenmitarbeiter vom Gesundheitministerium bezahlt werden. Ich verstehe da Deine Logik nicht ganz Andre.

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      • Andre schreibt:

        Bei weniger Apotheken entstehen auch weniger Kosten, auch wenn diese dann mehr Patienten versorgen. Jede Apotheke braucht schließlich nur ein Labor, nur ein Lager und in Randzeiten ggf. nur einen Apotheker.
        Da die verbleibenden Apotheken dann aber mehr Kunden haben, kann die Vergütung je Packung gesenkt werden und die Apotheke ist aufgrund der gestiegenen Kundenanzahl dennoch weiterhin wirtschaftlich.
        Letztlich ist es genau das, was bereits jetzt passiert, nur dass die Vergütung nicht gesenkt sondern einfach über Jahre nicht erhöht wird.

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  3. aponettesplauderei schreibt:

    „Bei weniger Apotheken entstehen auch weniger Kosten, auch wenn diese dann mehr Patienten versorgen. Jede Apotheke braucht schließlich nur ein Labor, nur ein Lager und in Randzeiten ggf. nur einen Apotheker.
    Da die verbleibenden Apotheken dann aber mehr Kunden haben, kann die Vergütung je Packung gesenkt werden und die Apotheke ist aufgrund der gestiegenen Kundenanzahl dennoch weiterhin wirtschaftlich.“
    Aua! AUA!!! Der dickste, größte Posten in den Kosten einer Apotheke ist das Personal – nicht das Labor etc. Die Personalkosten einer durchschnittlichen Apotheke fressen fast die Hälfte des Rohgewinns, was das ist, was übrig bleibt, wenn vom Gesamtumsatz die Kosten des Wareneinkaufs abgezogen wurden.
    Wenn ich in Zukunft statt 250 Kunden Pro Tag 500 Kunden habe, brauchte ich dafür nicht auch mehr Personal? Selbst wenn ich „nur“ 75% mehr Personal habe, dann haben sich meine Personalkosten schon 3/4 meines Rohgewinns gefressen, da ich aber nach Deiner Logik pro Packung weniger Aufschlag habe, habe ich natürlich auch einen geringeren Rohgewinn. Ergo: die Apotheke läßt sich noch viel weniger wirtschaftlich führen.
    Bessere Personalplanung? Klar, jede PTA ist wild drauf Montags von 10:00 bis 13:00 zu kommen, dann wieder nachmittags für drei Stunden – und eventuell bei Bedarf auch länger oder kürzer zu arbeiten.

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    • Andre schreibt:

      „Selbst wenn ich „nur“ 75% mehr Personal habe, dann haben sich meine Personalkosten schon 3/4 meines Rohgewinns gefressen, da ich aber nach Deiner Logik pro Packung weniger Aufschlag habe, habe ich natürlich auch einen geringeren Rohgewinn. Ergo: die Apotheke läßt sich noch viel weniger wirtschaftlich führen.“
      Zunächst mal verdoppelt sich der Rohgewinn durch die Verdopplung der Kundenanzahl. Wenn man annimmt, dass sich die Personalkosten nur um 75 % erhöhen würden, sinkt also der Personalkostenanteil und der Reingewinn steigt.
      Wenn der Packungsaufschlag dann etwas gesenkt wird (es ist ja nicht die Rede davon, dass er halbiert wird), ist der Reingewinn wieder im selben Bereich wie zuvor aber die Kosten haben sich reduziert…
      Dass eine Apotheke mit höheren Umsatz auch mehr Gewinn macht braucht man ja wohl kaum in Abrede zu stellen? Und das eröffnet eben die Möglichkeit die Apothekenvergütung zu reduzieren um diesen Zusatzgewinn zugunsten der Beitragszahler abzuschöpfen…

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      • Eve schreibt:

        Wo soll denn bei 8.50€ noch gekürzt werden? Medikamente müssen eingekauft werden, bei teuren Medis (ja, es gibt so ein paar Sachen, da bezahlt die Apotheke erst mal 12.000€ im Voraus und sieht irgendwann das Geld) muss vielleicht noch ein Kredit aufgenommen werden.
        Klar, da bekommt man ja 3% Aufschlag… Aber das sind im Endeffekt ~360€. Die sind das finanzielle Risiko aber so gar nicht wert. Und decken nicht den Aufwand den so eine teure Bestellung mit sich zieht.

        Und mal abgesehen davon. Wenn eine Apotheke noch weniger Geld abwirft, denn auch der Chef will leben und muss sich davon seinen Lebensunterhalt abzweigen, dann werden noch mehr schließen.

        Ach ja, von den 8,50€ behält ja die GKV eh 1,70€ ca ein. Und eine Anpassung an die Inflation hat jedenfalls noch nie stattgefunden, seitdem ich in einer Apotheke arbeite.

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      • aponettesplauderei schreibt:

        Bei einzelnen Verkauf machen wir Verlust, aber die Menge bringt es dann ….

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  4. Pingback: Man kann ja gut 3/4 aller Apotheken schließen… | aponettesplauderei

  5. kmueller schreibt:

    Der Ausgleichsfond zwischen Stadt- und Landpotheken ist bei genauer Betrachtung unrealistisch.
    Die einzige Dorfapotheke und die in der Innenstadt einer Großstadt sind ja noch klar. Was ist mit Stadtrandlagen und den vielen Kleinstädten? Wer legt fest, welche bleibt und welche zumacht?
    Seit 1958 gibt es die Niederlassungsfreiheit für Apotheken, die zu mehr Wettbewerb geführt hat.
    Mehr Wettbewerb mit weniger Apotheken? Also mehr Wettbewerb mit weniger Auswahl? Finde den Fehler.

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  6. kmueller schreibt:

    In Apotheken wird noch querfinanziert mit dem Rx-Packungsaufschlag, besonders die Rezeptur. Deshalb wehren wir uns auch so vehement gegen eine Kürzung.
    Der Apothekenabschlag an die GKV von 1,77 € bei 8,50 Packungshonorar sind etwas über 20%.
    Wo soll da noch gekürzt werden? Die Firma mit „20% auf alles“ ist übrigens pleite gegangen.

    Wenn 50-75% der Apotheken weg sollen, wer macht dann die Nacht-und Notdienste?
    Im Notdienst muss zwingend ein Apotheker anwesend sein, also Personalkosten über 24h.
    Eine Apotheke kann nur eine gewisse Anzahl von Diensten im Monat machen, wegen Ruhezeiten, Überstunden etc.
    Die Dienstkreise werden also größer, die Wege weiter. Gewisse Seniorenberäte schreien jetzt schon in der Presse auf, wenn der Dienst im Nachbarort ist.

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