Blau blau blau blüht der…

… Faulenzer?

Ich bin immer wieder fassungslos wenn ich sowas lese. Warum? Weil ich ein solches unkollegiales Verhalten einfach unter aller Kanone finde.

Einmal ist sowas natürlich dem Arbeitgeber gegenüber unfair. Man möchte sich doch auch gerne selbst darauf verlassen können, dass der Monatslohn pünktlich und in voller Höhe auf dem Konto eintrifft.

Zum anderen ist das blaumachen den Kollegen gegenüber unfair, die ein mehrfaches an Arbeit zusätzlich stemmen müssen, damit sich der Faulenzer entspannen kann. In meiner beruflichen Laufbahn habe ich schon ein- zwei solcher Typen kennengelernt, und ich muss sagen, dass solch ein Verhalten früher oder später massiv den ganzen Arbeitsablauf durcheinander bringt.

Die Kollegen werden stinkig und unzufrieden, fühlen sich benachteiligt und die Stimmung kippt. Die betroffene Person selbst sieht das jedoch als „Kavaliersdelikt“ an. Macht doch jeder mal, oder?

Nö. Macht eben NICHT jeder mal. Dieser Personenkreis versucht dann gerne mal, ein solches Fehlverhalten bei anderen ebenfalls hervorzurufen, damit sie nicht alleine „sündigen“.

„Ach komm. Mach doch auch mal blau. Dann können wir zusammen frühstücken gehen oder so! Ich meine – Du bist ja auch zur Arbeit gegangen als Du erkältet warst letzte Woche, da hättest Du Dich ja auch krankschreiben lassen können!“

Das sind die gleichen Typen, die früher versucht haben andere dazu zu überreden irgendwelche Schulstunden zu schwänzen. Der Unterschied zu heute ist aber, dass andere unter der Abwesenheit leiden müssen, zu Schulzeiten war man einfach selbst schuld wenn man mit dem verpassten Stoff nicht klar kam.

Wer krank ist, der gehört nach Hause, schon um die Kollegen nicht anzustecken (was ebenfalls unfair ist). Aber wer gesund ist sollte arbeiten gehen – schon alleine der Kollegen zuliebe!

Über ptachen

PTA mit Leib und Seele.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

11 Antworten zu Blau blau blau blüht der…

  1. ednong schreibt:

    Nun ja,
    viel interessanter wäre es, zu erfahren, warum diese 27 % blau gemacht haben. Erst dann kann man mMn Maßnahmen dagegen entwickeln.

    Gefällt mir

    • ptachen schreibt:

      Blau machen heißt für mich ohne „Not“ der Arbeit fern bleiben auf Kosten anderer. Wenn jemand erschöpft ist, dann kann er Urlaub nehmen – dafür ist der nämlich da. Wird er gemobbt oder ist ausgebrannt, dann muss es andere Konsequenzen geben als einfach zuhause zu bleiben.

      Gefällt mir

      • nickel schreibt:

        Puh, das finde ich ein bisschen naiv. Wenn jemand ausgebrannt ist, sollte er definitiv zuhause bleiben und ausruhen, um Schlimmeres zu vermeiden. Wenn jemand ständig gemobbt wird, geht das genauso auf die Psyche und macht krank.

        Ganz ehrlich, bei manchen Arbeitgebern hat man keine andere Chance als blau zu machen, um mal ausruhen zu können. Und manche Arbeitgeber nutzen einen regelrecht aus, da kann man gar nicht loyal sein.

        Ich sage nicht, dass es ein gutes Mittel ist. Manchmal ist es aber die einzige Möglichkeit.
        (Verweise dabei mal ganz frech auf meinen Artikel zum Ersten Mai. Es gibt richtig, richtig schlimme Arbeitsbedingungen…)

        Gefällt mir

      • ptachen schreibt:

        Ich spreche ganz ausdrücklich NICHT von den Leuten die ausgebrannt sind, oder die gemobbt werden. Das würde ich auch nicht als „blau machen“ betrachten. Vielleicht ist das wirklich zunächst mal eine Definitionsfrage…
        Ich dachte tatsächlich an „ohne Not sich eine Ausrede einfallen zu lassen nicht hinzugehen aus bloßer Unlust“.
        Toller Text übrigens zum 1. Mai!

        Gefällt 1 Person

      • nickel schreibt:

        Dankesehr 🙂

        Okay, da habe ich Dich falsch verstanden.
        Ich stimme Dir übrigens zu mit der Unkollegialität. Dann lieber keinen weiteren Kollegen als so einen. Ich weiß wie es ist, wenn einem ständig der Plan geändert wird und man deswegen kein Privatleben mehr hat.

        Gefällt mir

      • ednong schreibt:

        Also,
        28 % sind ein gutes Viertel.
        Und ja, blau machen fasse ich so auf, dass jemand einfach so – ggf auf gelben Schein – zu Hause bleibt. Ob das nun berechtigt oder unberechtigt ist, ergibt sich mMn nicht aus dem Pressetext. Daher meine Aussage zum genauer Aufsplitten.

        Gefällt mir

      • Xeres (PTA) schreibt:

        Also für die genannten Sachen wie zB Mobbing, „ausgebrannt sein“ etc., gibt es durchaus die Möglichkeit sich beim Hausarzt eine AU zu holen. Hier geht es um die Gesundheit und es gibt auch entsprechende Diagnosen welche hier zum Tragen kommen. Mit „blau machen“ hat das nicht wirklich etwas zu tun.

        Gefällt mir

  2. Judi schreibt:

    Blau machen ist unkollegial und rücksichtslos, keine Frage.
    Aber solchen Umfragen begegne ich dennoch mit Mißtrauen. Fängt ja schon damit an, dass es keine klare Definition von „blau machen“ gibt.
    Da kann (z.B. für mich, wenn ich auf andere schaue) die Definition von „blau machen“ wirklich die Krankmeldung sein, um geplant was schöneres als Arbeiten zu machen.
    Da kann (z.B. auch für mich, wenn ich auf mich selbst schaue) aber auch das im-Bett-bleiben mit Kopfweh oder totaler Erschöpfung im Nachhinein als „blau machen“ empfunden werden. Weil „ich bin ja eigentlich nicht richtig krank“. Da bleibt man dann zwar vielleicht einen Tag zuhause, hat aber hinterher ein mega schlechtes Gewissen.
    Und dann gibts auch noch die verschiedenen Arbeitsplätze und damit quasi die unterschiedlichen Einstufungen von unkollegial. In meinem alten Job war es ein großes Problem wenn jemand ausfiel. Da gab es Arbeiten, die MUSSTEN gemacht werden, jeden Tag mehr oder weniger zur gleichen Zeit, 7 Tage die Woche, 365 Tage im Jahr. Ich bin sehr sicher, dass da keine meiner Mitarbeiterinnen jemals „blau gemacht“ hat. Aber wenn wäre es sehr unkollegial gewesen, weil es halt einen erheblichen Merhaufwand für eine Kollegin (in dem Fall mich) bedeutete und die Tagesarbeitszeit mal eben vom 8 auf 12 Stunden hochschraubte. Da kamen die Leute eher auf dem letzten Loch pfeifend noch arbeiten und mussten dann von mir überzeugt werden, dass sie jetzt bitte zum Arzt gehen/heimgehen und sich ins Bett legen.
    In dem Job den ich heute machen ist es sch***egal ob ich da bin oder nicht. Fernbleiben bedeutet eine prozentual geringe Umsatzeinbuße für die „Firma“ (Stadt), aber es muss niemand für mich einspringen oder mehr arbeiten weil ich nicht da bin. Ich bleibe trotzdem nur daheim wenn ich krank bin, muss aber zugeben, dass das „ich krieche auch mit Fieber/gebrochenen Zehen/heftigsten Schmerzen/whatever noch zur Arbeit“ immer mehr nachlässt. Und ich hoffe, dass auch das schlechte Gewissen irgendwann nachlässt, wenn ich „mit dem Kopp unterm Arm“ mal zuhause geblieben bin.

    Gefällt mir

    • ptachen schreibt:

      Judi, Du hast Recht – ich habe es auch schon bei Nickel geschrieben. Es ist Definitionssache!
      Das mit dem „Kopf unterm Arm im Bett bleiben mit totaler Erschöpfung“ würde ich gar nicht als blau machen werten. Es gibt definitiv Arbeitsplätze, da kann und sollte man SO nicht arbeiten gehen, weil man sich und andere gefährdet.
      Ich bezog mich da auf mich und meinen blöden Hörsturz. Ich konnte definitiv arbeiten, war nicht ansteckend und habe niemanden gefährdet. Trotzdem haben einige Leute mich quasi „ausgelacht“ dass ich zur Arbeit gegangen bin. „Du bist ja schön blöd! Ich hätte mich erst mal krank schreiben lassen.“
      Wozu? Und wie lange? Ein paar Tage? Wochen? Bis ich wieder normal höre? Und was hat das mit der Apotheke zu tun? Wird es zuhause denn schneller besser? Und was wenn nicht? Nochmal 14 Tage fehlen? Das ist doch Blödsinn. Nachdem ich bestimmt zum 5. Mal gehört hatte „lass dich doch krank schreiben“ dachte ich darüber nach, was das für die Kolleginnen bedeutet hätte: Lea hatte gerade Urlaub, und Bergen ist (richtig echt) krank geschrieben. Hätte ich jetzt noch „blau gemacht“, dann hätte die Hütte gebrannt. Ich bin froh, dass so ein Verhalten bei uns im Team nicht vorkommt – und nicht vorkommen muss.

      Gefällt mir

  3. Xeres (PTA) schreibt:

    Wie verlässlich diese Zahl ist, lasse ich mal dahingestellt, was hier aber fehlt, bzw nicht klar zum Ausdruck kommt, ist die Unterscheidung von „AU = arbeitsunfähig“ und „krank“. Das wird häufig in einen Topf geworfen, obwohl der Unterschied kaum größer sein könnte. Das kann miteinander einhergehen, tut es auch oft, muss es aber keineswegs.

    Eine Krankschreibung aka AU vom Arzt, besagt dass die Person derzeit auf Grund des Gesundheitszustandes, einem gesundheitlichen Risiko, physischen oder psychischen Gründen etc pp, nicht dazu in der Lage ist ihre berufliche Tätigkeit wahrzunehmen.
    Beispiel: für einen ambulanten Eingriff am Vormittag wurde eine Beruhigung oder Kurznarkose verwendet und die Person ist für den kompletten Tag „AU“ geschrieben. Die Person ist gesund aber trotzdem arubeitsunfähig, da ein Risiko besteht dass die Narkose noch nicht vollständig wieder abgeklungen ist.
    Jemand der krank ist, ist deshalb noch lange nicht arbeitsunfähig. Chronisch kranke würden demnach dann grundlegend Zuhause sitzen, von Menschen mit einer Schwerbehinderung die auf gesundheitlichen Problemen besteht, ganz zu schweigen.
    Die Frage, bezogen auf eine ärztliche AU-Bescheinigung, ist also immer um welche Gegebenheit UND/ODER um welchen Beruf es sich dabei handelt.
    Beispiel: Jemand mit einem gebrochenen Bein, wird gewöhnlich nicht bis zur Ausheilung „AU“ geschrieben, wenn er in einem Büro arbeitet oder in Heimarbeit. Ein Busfahrer hingegen ganz bestimmt. Deshalb ist dein Beispiel, trotz Hörsturz weiterzuarbeiten auch völlig korrekt, sofern du entsprechend fit genug bist

    Der AG ist natürlich auch nur bei „AU“-Bescheinigungen zur Lohnfortzahlung verpflichtet, bei denen es sich um gesundheitlich notwendige Sachen handelt. Findet die Narkose im obigen Beispiel zB im Rahmen einer Schönheits-OP oder dem Einsetzen eines Verhütungsmittels statt (Spirale, Gynefix etc), muss der Arbeitnehmer trotz ärztl. bescheinigter AU dafür Urlaub nehmen. Denn es handelt sich dabei um eine private Sache und nicht um den Schutz, die Erhaltung oder Wiederherstellung der Gesundheit.

    Eine „AU“ ist zudem am ersten Tag grundlegend verpflichtend, hier darf der AG auch einen arbeitswilligen AN nicht annehmen. Ist der Grund der AU, vor dem ärztlich geschätzten, attestierten Datum bereits wieder weg, ist der Arbeitnehmer hingegen dazu verpflichtet(!!) wieder arbeiten zu gehen. Ist jemand also zB wegen einer Erkältung eine Woche krankgeschrieben aber bereits nach 3 Tagen wieder arbeitsfähig, MUSS er wieder auf der Arbeit erscheinen. In diesem Moment erlischt dann auch die Gültigkeit der AU. Man bräuchte also eine neue, falls es unerwartet doch noch nicht wieder so funktioniert wie erwartet.
    Mal abgesehen von dem verbreiteten Märchen das man angeblich während einer AU gar nicht arbeiten gehen dürfe und erst eine „Gesundschreibung“ bräuchte (die es nicht gibt), macht das fast niemand. Jeder der das nicht tut, bricht damit allerdings automatisch die Gesetze und den Arbeitsvertrag und „macht blau“. Deshalb ist die Zahl garantiert höher als die, die von den AN bei der Frage angegeben wird.
    Das ist, ganz nebenbei, auch der Grund dafür, dass Arbeitgeber die auch bei akuten Sachen ab Tag 1 eine AU verlangen, nahezu immer den kürzeren ziehen und sich selber einen Nachteil verschaffen. Da der AN ohne AU nur 1-2 Tage gefehlt hätte, mit dieser aber den vollen Zeitraum der AU ausschöpft und eine halbe bis ganze Woche fehlt. Zudem es bei akuten Erkrankungen wie zB einem Magen-Darm-Virus, Erkältung mit hohem Fieber etc, für niemanden hilfreich ist wenn der Erkrankte sich damit zum Arzt und im Wartezimmer quält.
    Sieht man auch eindeutig an Ländern in denen es diese Regelung nicht gibt und die AN selber entscheiden ob sie arbeitsfähig sind oder die ärztliche Bescheinigung der AU erst ab einer Anzahl von X Tagen erbracht werden muss. Die Anzahl an Krankheitstagen ist dort um ein vielfaches geringer (die Rede ist von mehreren Wochen).

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.