Deutliche Worte bei PTAdigital

Der PTA Jan Sajfutdinow fällt im Facebook Forum durch klare Worte Richtung Homöopathie auf. Er ist dabei nicht zimperlich und teilt – zum Teil sehr deutlich – gegen „Geschwurbel“ aus. Das gefällt naturgemäß nicht jedem, aber ich sag mal so: er vertritt seine ehrliche Meinung.

Nun hat er einen eigenen Artikel im Magazin PTAdigital veröffentlicht, der stark polarisiert. Das Thema sind Schlafstörungen, und in einem „Kommentar des Autors“ steht:

Wenn unsere Patienten an „echten“ Problemen leiden, sollte diesen auch echte Hilfe zuteilwerden. Und da kommen wir ins Spiel. Uns steht es nicht zu, ihnen unwirksame „Medikamente“ zu verkaufen und zu hoffen, dass der Placebo-Effekt in Kraft tritt. Diese Menschen gehen in die Apotheke um wirksame Medizin zu erwerben. Sie wissen oftmals gar nicht, dass es in Apotheken auch nachgewiesenermaßen unwirksame „Medizin“ in verschiedenen Formen gibt, die nur über den Placebo-Effekt bzw. Placebo-by-Proxy-Effect wirken können und keine Zulassung im Sinne der evidenzbasierten Pharmazeutika besitzen. Und wenn jemand wirklich „richtige“ Angst- oder Schlafprobleme hat, dann gehört er zum Arzt und nicht durch „sanfte, natürliche oder ganzheitliche“ Notfalltropfen oder Zuckerperlen abgespeist. Denn das verzögert die Inanspruchnahme einer wirksamen Therapie enorm.

In der Zusammenfassung des Artikels findet sich außerdem der Satz:

  • Placebos sind unethisch und keine Alternative

Klar, dass er nicht die ungeteilte Begeisterung der PTA Welt hervorruft – aber ich finde es gut, dass sich jemand mit einer so starken Meinung (die er auch begründen kann) an die Öffentlichkeit traut. Ob man sie nun teilt oder nicht- es verdient auch seitens der Redaktion Respekt, das so abzudrucken. Gibt es nicht oft in Zeiten der Political Correctness…

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9 Antworten zu Deutliche Worte bei PTAdigital

  1. nickel schreibt:

    Aber das hat doch bei Tante Bärbel auch geholfen, also MUSS das gut sein!1!!1!

    Genau deswegen meide ich eine bestimmte Apotheke, wenn ich nicht gerade ein Rezept habe. Eben weil sie mir immer versuchen, etwas homöopathisches aufzuschwatzen und das eine oder andere Mal bin ich schon mit sowas heim gekommen, weil ich dachte, das wäre etwas „richtiges“ um dann festzustellen, dass dem eben nicht so ist. Ich habe ihnen trotzdem wieder eine Chance gegeben, weil ich dachte, ich habe mich vielleicht nicht richtig ausgedrückt oder es läge an mir. Dem war aber nicht so. Als ich angefangen habe, mich ein wenig mit den Mittelchen auseinander zu setzen, ist mir die Werbung in und um die Apotheke aufgefallen.
    Das ist nämlich auch so eine Sache. Homöopathie sollte deutlich als solche gekennzeichnet sein, auch und vor allem auf Werbeplakaten.
    Sonst kann ich nämlich auch in den Lebensmittelladen nebenan gehen und mir eine Flasche Tequila kaufen. Macht’s auch nicht besser, macht aber mehr Spaß.

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    • OtaconHC schreibt:

      Oh das ist mir auch einmal passiert.

      Ich dachte es wäre einfach nur irgendwas dass halt von Pflanzen stammt, wie so einige wirksame Medikamente. Am Ende war es aber Homöopathisch. Ich war soetwas von angefressen.
      Ja eine deutliche Kennzeichnung wäre gut.

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      • TFH schreibt:

        Stimmt,
        das würde auch das ständige Verwechseln von Phytopharmaka und potenzierten Homöopathika in der Öffentlichkeit vermeiden.

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  2. TFH schreibt:

    Also die Wendung: „mit einer so starken Meinung (die er auch belegen kann)“
    versteh ich nicht..
    Meinung ist eine Entscheidung, und zu glauben, die eigene Meinung sei „belegt“ zeigt lediglich die Ignoranz gegenüber anderen Meinungen.

    Die Aussage „Placebos sind unethisch und keine Alternative“ ist eben eine Meinung,
    ziemlich generalisiert, und etwas, wozu sich der Herr halt entschlossen hat.
    Darf er gerne haben – hat aber eben nicht mit „belegt“ zu tun – den belegt sind Fakten, nicht etwa Meinungen.

    Die Aussage: „wenn jemand wirklich „richtige“ Angst- oder Schlafprobleme hat, dann gehört er zum Arzt “ zeigt mir eine weitere Meinungsverschiedenheit auf,
    da ich der Auffassung bin, dass jemand mit diesen Psychischen Problemen möglichst von einem Psychologen betreut werden sollte,
    und jemand der im Zusammenhang von Psychischen Problemen von „wirklich, richtig“ spricht,
    und damit von „unwirklichen, falschen“ Problemen abgrenzt zeigt in meinen Augen da auch wenig Einfühlungsvermögen..

    Placebos können auch beim Aufgeklärten Patienten eine Wirkung entfalten,
    und sind alles andere als unethisch,
    sondern eine Form der Hilfe, für die sich ein Patient entscheiden kann..

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    • ptachen schreibt:

      Nur kurz dazu (morgen mehr) – dazu sollte der Patient aber auch wissen, dass es ein Placebo ist. Oder wissen, was „homöopathisch“ bedeutet um eine Entscheidung darüber treffen zu können ob er das probieren möchte. Er darf in meinen Augen etwas aus diesem Formenkreis nicht ohne Aufklärung erhalten wenn er zu uns kommt um sich medizinische Hilfe zu suchen.

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    • ptachen schreibt:

      So… nun mit etwas mehr Zeit. „Belegen“ war wirklich ein unglücklich gewählter Ausdruck. „Begründen“ oder „erklären“ wäre besser gewesen. Ich habe es geändert.
      „Echte“ Probleme habe ich etwas anders gelesen. Das mag daran liegen, dass wir in der Apotheke allzu häufig mit Schlafproblemen konfrontiert werden, die eigentlich keine „echten“ sind. Ältere Semester verlangen gerne mal Schlaftabletten, weil sie es nicht mehr schaffen 8h am Stück zu schlafen (wie früher). Da es aber ein völlig normaler Vorgang ist im Alter weniger Schlaf zu brauchen, wird das von uns nicht als „echtes“ Schlafproblem eingeordnet. Speziell dann nicht, wenn sowieso die Schlafhygiene nicht stimmt und das erst einmal behoben werden sollte bevor man anfängt irgendwas einzunehmen.
      Weißt Du außerdem wie laaaaange es dauert einen Termin bei einem Psychologen zu erhalten? Außerdem ist die Hemmschwelle da in der Allgemeinbevölkerung noch sehr hoch. Sage ich jemandem der Einschlafprobleme hat er möge einen Termin beim Psychologen machen, dann kommt der nicht mehr in die Apotheke. Sage ich „gehen sie mit dem Problem zu ihrem Hausarzt“, so kann der entscheiden, ob ein körperliches Problem vorliegt (Herz/Kreislauf Erkrankung, Hormonprobleme, Hyperthyreose usw.) oder ob er ihn zum Psychologen weiter überweist. Da sind wir auch einfach sicherer, dass keine schwerwiegende Grunderkrankung übersehen wird bevor wir zu „Placebos“ greifen.

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      • TFH schreibt:

        Ja – da sind wir sehr nah beieinander.
        In meinen Augen ist es eben durchaus ein „echtes Problem“,
        wenn ältere Menschen sich schlecht fühlen, weil sie nicht so lange schlafen, wie sie glauben, sie müssten es,
        und ebenso, wenn Menschen nicht schlafen, weil sie gegen grundlegende Prinzipien der Schlafhygiene verstoßen.
        Hier kann eben – mit den Kenntnissen die Du ja hier zeigst, auch in der Apotheke eine wertvolle psychoedukative Intervention geleistet werden.
        Das halte ich in jedem Falle auch für sinnvoll, wenn jemand gezielt nach homöopathischen Mitteln oder anderen Placebos verlangt.
        Hier lässt sich stets gut mit der „Sanftheit“ der Mittel argumentieren, dass diese ja lediglich den Körper und den geist unterstützen, die eigenen Kräfte zu entfalten, und es deshalb wichtig ist, diese nicht zu boykottieren.. zwanghafte „Aufklärung“ – also den Menschen zu sagen, dass sie doof sind, weil sie sich Zuckerperlen kaufen – zerstört lediglich das Vertrauensverhältnis.

        Wie lange es dauert einen Termin bei einem Psychotherapeuten zu erhalten weiß ich sehr gut, und das ist ein bedeutendes Problem, welches eben auch dadurch verstärkt wird,
        dass die Haltung besteht, dass psychologische Probleme von Ärzten gelöst werden sollten. Deshalb weise ich da gerne auf diese Differenzierung hin.
        Dass jemandem mit einer Erkrankung grundlegend zur Ärztlichen Abklärung geraten werden sollte, ist klar.

        Dass bei Homöopathika sowohl aufgeklärt werden sollte, was „homöopathisch“ bedeutet
        (also gleiches mit gleichem zu bekämpfen – ein wichtiges Prinzip – kennen wir beim Impfen 😉 ) und was eine Potenzierung ist (eine Verdünnung, die meist zur kompletten WIrkstofffreiheit führt) – ist vollkommen richtig und wichtig.
        Allerdings kann eben eine Aufklärung über den Placebocharakter so passieren:
        „Das ist eh nur ein Placebo – das wirkt nicht“
        oder so:
        „Also bei Homöopathika ist es so, dass diese in der Potenz soweit verdünnt sind, dass kein Wirkstoff mehr enthalten ist. Homöopathen sagen, dass hier lediglich die Information wirke. Wissenschaftlich nennt man so etwas ein Placebo. Vielen Kunden hat das schon sehr geholfen, weil sie wissen, dass sie etwas einnehmen, dass schon vielen anderen geholfen hat, und wenn sie ihre eigene Schlafkompetenz nicht dadurch stören, dass sie ihre Schlafhygiene missachten, dann können auch sie eine positive Erfahrung damit machen. Bevor Sie sich aber für ein Produkt entscheiden, sollten sie am besten zu ihrem Hausarzt gehen, und mit ihm abklären, ob nicht irgendeine Krankheit sie vom Schlafen abhält – weil es ist wichtig auf seinen Körper zu hören – und wenn der einem ein solches Signal gibt, dann will er einen ja ggf auch auf etwas hinweisen, was man so alleine gar nicht erkennt – und da ist es viel besser einen Arzt zu fragen, bevor der Körper deutlicher werden muss.“
        Ich finde letzteres eben sinnvoller,
        insbesondere, wenn jemand gezielt danach fragt,
        und eben ein entsprechendes Weltbild schon mitbringt.

        Da würde mich die Alltagsrealität in der Apotheke auch einmal interessieren:
        Wie viele Menschen sind da wirklich ambivalent,
        und bei wie vielen ist es klar, dass sie ein Angebot mit beispielsweise
        „Lassen Sie mich mit dieser Chemikeule in Ruhe“ oder eben „Nee – das Geschwurbsle brauch ich nicht – ich hätt gern was richtiges“ beantworten ?

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  3. Sabine schreibt:

    Ich sehe ein großes Problem in der Homöopathie darin, dass man Alltagsbeschwerden mit „Medikamenten“ behandelt, nach dem Motto – Ich nehm was, dann geht’s mir besser. Dazu zählen die Schlafstörungen, aber auch die Mütter, die ihre Kinder gleich mit Arnica D 12 behandeln, weil sie hingefallen sind und anderes. Ist ja auch ohne Nebenwirkungen. Für mich eine Erziehung zum Medikamentenmissbrauch, egal ob wirksam oder nicht.

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    • TFH schreibt:

      Das ist ein recht weitreichendes Problem – leider auch nicht Homöopathiespezifisch,
      sondern bei allen frei verfügbaren Medikamenten zu finden.
      Ganz besonders Problematisch in dem Umfeld finde ich z.B. Bachblüten bei Kindern, die gerne auch ihren Einsatz bei emotionalen Problemen finden. (das kann ein einfacher Weg sein, um eine Gesprächsführung über emotionale Probleme zu führen – auch bei Personen, die dem gegenüber wenig offen sind)
      Allerdings bleibt eben die Lehre, dass unangenehme Emotionen durch die Einnahme von Substanzen zu regulieren sind..

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