Tag der offenen Tür in der Hölle

Gestern war auf einem kleinen Bauernhof in der Nähe „Tag der offenen Tür“. Nette Sache – so dachte ich – speziell für die Kinder. Also nix wie hin.

Ganz ehrlich? Wenn ich für mich noch irgendeine Überzeugung benötigt hätte kein Fleisch mehr zu essen – hier hätte ich sie definitiv bekommen. Was einem da präsentiert wurde war unter aller Kanone.

Und das Übelste? Die Besucher saßen fröhlich im Hof vor ihrer Schlachtplatte und haben die Tiere gegessen, deren Quälerei sie sich gerade live betrachten konnten. Das Fleischvieh stand beinahe knietief in der eigenen Scheiße, bei abartig hohen Temperaturen. Einer der 14 (!) Stiere die auf einer Fläche von vielleicht 10x5m zusammengepfercht waren lag die ganze Zeit schwer atmend auf der Seite. Ein anderer lief humpelnd auf und ab – offenbar war die Hüfte stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Er war jedenfalls extrem mager und sah auch ansonsten alles andere als gesund aus.

Die hunderte Milchkühe stanken im Stall bestialisch und standen ebenso in reinem Schmodder, von Stroh zum hinlegen war nichts mehr zu sehen.

Ich stand kurz davor in Tränen auszubrechen bei all dem Leid, da kam auch noch so ein Arsch aus der Besuchermenge, kicherte und rief „Hallo Rumpsteak, Hallo Leckerli! Wo sind denn hier die Bratwürste untergebracht, weiß das jemand?“

Überall wird sich zu Tode reglementiert verdammt noch mal, für jeden Scheißdreck muss ich in der Apotheke irgendwelche Formulare unterschreiben und Regeln einhalten. Und hier?

Sind ja nur Tiere. Die haben keine Rechte.

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PTA mit Leib und Seele.
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8 Antworten zu Tag der offenen Tür in der Hölle

  1. Naya schreibt:

    Doch, auch da gibt es Regeln, und man kann sowas auf jeden Fall mal an den Amtstierarzt melden.
    Daß die Regeln nicht immer eingehalten werden, ist ein anderes Thema, kann an zu laschen Kontrollen liegen, kann teils auch an der leider doch recht starken Bauernlobby oder einer teils recht engen Verquickung mit manchen Kontrollorganen oder Politikern liegen (wie man ja zB in NRW gerade gesehen hatte – wobei man dort auch gut gesehen hat, daß Öffentlichkeit und Druck schon etwas bewirken kann)
    Was mich aber sehr irritiert, ist daß so ein Betrieb einen Tag der offenen Tür macht und solche Zustände so offen zeigt. Spricht nicht für die örtlichen Kontrollorgane. Und schockierend finde ich, daß das ja wohl vielen Besuchern total egal war.

    Dabei gibt es auch die positiven Gegenbeispiele: bei mir in der Gegend war zB gerade vor kurzem ein Tag der offenen Tür bei einer Geflügelzucht, wo ich zwar selber keine Zeit hatte, aber einige Berichte darüber aus verschiedenen Quellen gelesen und die Fotos dazu gesehen hab: sauber, ordentlich, gesund wirkende neugierige Tiere, viel Platz, … eben so, wie man sich das erhofft.

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    • ptachen schreibt:

      So – ich habe mal nachgelesen: offenbar ist das alles rechtlich in Ordnung. Es gibt für Milch/Fleischrind- Haltung kaum sinnvolle Vorschriften. Nur für Kälber, aber diese Tiere sind älter. Die Haltung der 14 Bullen auf 10x5m ist auch vollkommen okay. 2 Quadratmeter pro Tier ist da rechtlich machbar. Und sich dass sie im eigenen Dreck liegen passt so. Ich werde mich trotzdem beim Veterinäramt melden. Wer weiß – die ein oder andere Kontrolle schadet sicher nicht.
      Einzig logische Konsequenz um sowas nicht zu unterstützen ist der Verzicht auf Milchprodukte. Wollte ich sowieso mal angehen…

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      • Naya schreibt:

        Da ist ja der Beitrag! Hab ihn nicht gesehen und dachte, der wäre weg, sonst hätte ich früher geantwortet 🙂

        Ich würd eher nicht auf Milchprodukte verzichten, sondern schauen, wo man welche herbekommt, wo man die Ställe angucken kann, und ob die dann tatsächlich besser aussehen. Da gibt es bei mir in der Ecke zB einen Milchbetrieb, der groß genug ist, um regionale Supermärkte zu beliefern, aber trotzdem einen recht guten Eindruck macht (und den man zb auch recht regelmäßig besichtigen kann, auch ohne Tag der offenen Tür)
        Wenn man die besseren Betriebe unterstützt und die schlechten boykottiert, sollte das meiner Meinung nach effektiver sein als alle abzustrafen, weil einige echt schlecht sind.

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  2. nickel schreibt:

    Ich schließe mich Naya an.
    Bitte melde sowas, wenn Du sowas siehst. Das geht auch jetzt noch. Nur so kann etwas getan werden.

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