Kassen wollen den „totalen Krieg“

So benannte es ein Apotheker in einem Kommentar zum Thema „Neuordnung der Apothekenstrukturen und -vergütung“. Und er hat Recht.

Heute wurde vom GKV- Spitzenverband einstimmig beschlossen, dass man „historisch gewachsene Strukturen“ nicht mehr unterstützen möchte. Apotheken- sowie Großhändler sollen künftig durch drastische Einschnitte bei der Vergütung über 1 Milliarde Euro einsparen. Bezug genommen wird dabei auf das unsägliche Honorargutachten, das die ABDA damals nicht weiter kommentieren wollteum keine schlafenden Riesen zu wecken. Er ist nun wach und wir haben NICHTS in der Hand um uns zu verteidigen. Super Strategie muss ich sagen, Daumen hoch!

Die GKV geht davon aus, dass die flächendeckende Arzneimittelversorgung nicht gefährdet ist, wenn künftig das Fremd- und Mehrbesitzverbot fällt (wir also Apothekenketten in Deutschland bekommen), eine „Apotheke light“ zugelassen wird indem Filialapotheken bürokratisch entlastet werden, der Tele- Pharmazie größere Bedeutung zugemessen wird, der Versandhandel ausgebaut und ländliche Gebiete mittels Apothekenbussen versorgt werden. Das ist KEIN Witz. Leider.

Selbst wenn die Lobbyisten nur die Hälfte davon durchgesetzt bekommen wäre das eine Horrorvorstellung. Ich habe fertig für heute 😦

Über ptachen

PTA mit Leib und Seele.
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10 Antworten zu Kassen wollen den „totalen Krieg“

  1. ednong schreibt:

    Apothekenbus – erinnert mich irgendwie an den früheren Büchereibus. Gibt es heute auch nicht mehr – wer liest denn noch Bücher …

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  2. gedankenkarrussel schreibt:

    Es ist immer wieder erstaunlich, mit wie wenig logischem Denkvermögen und Verstand man es in Spitzenpositionen schaffen kann :-/
    Wobei man das hier ja noch nicht mal bräuchte, ein Blick ins Ausland würde doch auch reichen…

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    • ednong schreibt:

      Verstand? Logisches Denken? Und Politiker in einem Satz? Du stellst aber Ansprüche. .. 🙂

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    • gedankenknick schreibt:

      Unsere Politiker arbeiten schon seit zwei Jahrzehnten ab der Abschaffung der inhabergeführten Apotheke.
      Offensiv – z.b. unnötige vorauseilende Zulassung des Versandhandels mit Arzneimitteln gemäß des zu erwartenden EU-Urteils, welches damals (2005) dann gar nicht kam.
      Verdeckt – z.B. schlechende Enteignung der Apothekeninhaber via Nichtanpassung des Honorars an die Inflation und Geldentwicklung.

      Beides dient dazu, den Markt zu bereinigen, und die Übernahme für Großkonzerne langfristig besonders preiswert zu gestalten, damit diese armen Konzerne nicht so viel Geld rüberwachsen lassen müssen wie z.B. in Schweden.

      Eine Verflechtung der der Politik mit der Wirtschaft ist dabei natürlich NICHT vorhanden – so war der erste Betreiber von MocDorris der CDU-nahe Bertelsmann-Konzern; GEHE-Celesio als weiterer Betreiber von MocDorris hat NIE „Weiterbildungen“ für Politiker zum Thema Versandapotheken in Brasilien durchgeführt; Herr Spahn kennt Herrn Max Müller nicht – und hatte auch nie einen Consultion-Betrieb in passendem Umfeld; MocDorris als AUSLAND-Unternehmen hat NIE irgendwelche Parteitreffen oder Spargeldampfer-Ausflüge DEUTSCHER Parteien gesponsort… usw. usw.

      Ein Schelm, wer da „Absicht“ oder gar „Berechnung“ unterstellt…

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  3. Judi schreibt:

    Blöde Frage einer Unkundigen – was spricht gegen Apothekenketten vor Ort?.
    Klar, irgendwo „oben“ sitzt einer dem der Gewinn am wichtigsten ist. Aber die Regeln die für Apotheken gelten würden ja auch für die Filialen gelten.
    Aber wenn es doch immer weniger Pharmazeuten gibt die sich eine eigene Apotheke wegen der geringen Gewinnspannen und der doofen Arbeitszeitenj nicht mehr antun wollen wäre die Sicherheit eines Arbeitsvertrages mit festem Gehalt doch eine Alternative?

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    • nickel schreibt:

      Wobei ich mich frage, ob man ihnen den Notdienst „nicht antun“ wollen würde.

      Da für mich flächendeckende Versorgung und Notfallversorgung für mich oberste Priorität haben, wäre persönlich eine Apothekenkette theoretisch jetzt keine schöne, aber mögliche Alternative.
      Praktisch weiß ich aber auch, wie unumsichtige Politiker wichtige, grundlegende Dinge versauen können. Und zwar massiv.

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  4. nickel schreibt:

    Apothekenbus? Wie funktioniert das denn?

    Und wenn er gerade nicht das richtige dabei hat, hat Opa Günther eben Pech gehabt und muss bis nächste Woche warten, wenn der Bus wiederkommt, oder wie?

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    • aponettesplauderei schreibt:

      Da gibt es eben nur noch eine Firma, eine Packungsgröße und pro Krankheit zwei Wirkstoffe – der verordnende Arzt sitzt gleich mit im Bus und stellt die Rezepte aus…..

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    • gedankenknick schreibt:

      Das funktioniert genau so wie die von Walter Ulbricht proklamierten sozialistischen Versandhäuser, die „den DDR-Bürger bis in den letzten Wikel der Republik schell und komfortabel mit den erlesensten Konsumgütern versorgen werden“… Die waren schon 1950 politisch da, aber bis 1990 hatten sie irgendwie ihre Arbeit noch nicht so recht aufgenommen.

      Lustig werden schon die 127m² Mindestfläche im Apothekenbus, die die Apothekenbetriebsordnung für eine Apotheke fordert. Die Apotheken hatten sich damals schon länger über das Konzept lustig gemacht. Beim niederländischen Teil lief es letzthin darauf hinaus, dass es eine rollende Bestellkabine war, und die Auslieferung über den Versand erfolgen sollte. Das lustige dabei ist, dass in genau den ländlichen Regionen, wo es eingesetzt werden sollte, immer wieder Funklöcher bestehen. Weshalb man den Demonstrator lieber in Innenstädten demonstrierte – mit Vorliebe direkt vor einer bestehenden niedergelassenen Apotheke.

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  5. Sabine schreibt:

    Alles heute passiert: Schmerzmittel falsch verordnet, Rabattvertrag und verordnete Tablette nicht teilbar, Tablette ohne Alternative außer Handel, Rezeptur mit unklarer Anwendung, Wirkstoff vom Arzt verwechselt, Wirkstärke nicht im Handel, Patient verwechselt, BtM ganz dringend liefern, Impfstoff nicht lieferbar, falsche Stärke verordnet, Impfstoff muss in der Apotheke für den Patienten gelagert werden, Kunde hat kein Behältnis für Kühltransport dabei, falscher Gebührenstatus usw. Manches davon mehrmals. Ob Apotheken diese Zwischenfälle dann auch weiterhin kosten- und problemlos lösen?

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