Frauen in den Apotheken

Es gibt immer wieder eine Frage in meinem Bekanntenkreis: „Warum hast Du eigentlich immer nur Kolleginnen und keine Kollegen?“

Die Frage ist berechtigt aber schnell beantwortet: die Bezahlung in den meisten Apotheken ist zu schlecht für Männer und Aufstiegschancen gibt es auch keine. Und daran wird sich vermutlich auch in der nächsten Zukunft nichts ändern. Zumindest wenn man sich anschaut, was bei den Tarifverhandlungen so herauskommt zur Zeit.

Auch wenn man als Angestellter natürlich versteht, dass sich viele ApothekenleiterInnen 5,6% mehr Lohn nicht leisten können ist das Gegenangebot der Arbeitgeberseite ein Witz. PTA die wie ich am Ende der Fahnenstange (sprich mehr als 15 Berufsjahre) angekommen sind hätten 8€ mehr im Monat, die PTA in den BJen von 3- 5 sogar weniger als 3€ mehr im Monat erhalten. Bei solchen Angeboten fühlt man sich schon verarscht um es mal ganz deutlich auszudrücken.

In den (Un)Sozialen Medien lese ich seither von immer mehr wechselwilligen PTA. Vor einem Arbeitsplatz in der öffentlichen Apotheke wird von einigen PTA regelrecht gewarnt. Viele monieren, dass wir trotz der umfangreichen Ausbildung und dem verantwortungsvollen Beruf zum Teil schlechter bezahlt werden als eine Kassiererin bei ALDI. Aber ganz ehrlich? Ich würde deren Job auch nicht machen wollen.

Wenn man eine gewisse Erfahrung mitbringt, fortbildungs- und arbeitswillig ist, dann muss man sich bei den Gehaltsverhandlungen besser verkaufen. Dann ist auch übertariflich oft noch was drin.

Ich verstehe auch die Lage der Leiter kleinerer Apotheken. Sie müssen mit der Politik kämpfen, verlieren immer mehr vom Reinerlös und sollen nun auch noch mehr Lohn zahlen? Von was denn bitte? Diese Brocken sind für viele zu schwer zu stemmen.

Letztlich muss man sich als angestellte Apotheker, PTA oder PKA fragen: „Was ist mir wichtig?“

Ist es die Teilzeitarbeit nur an Vormittagen um Kind und Beruf unter einen Hut zu bringen? Will ich kurze Arbeitswege um mir ein Auto zu sparen? Will ich einen (relativ) entspannten Arbeitsplatz ohne die Hektik einer Apotheke in Innenstadtlage? Will ich bezahlbare Mieten? Dann gehe ich in eine kleine Dorfapotheke und muss auch einen geringen (Tarif)Lohn in Kauf nehmen weil mehr oft einfach nicht drin ist.

Die größeren Apotheken in der City oder in einem Einkaufszentrum gehören meist keinem Arbeitgeber, der die Cents im Portemonnaie zählen muss. Dort wird man aber auch abends deutlich längere Arbeitszeiten in Kauf nehmen müssen, mehr Hektik hinnehmen und auch öfter mal rauere Töne zu hören bekommen. Dafür würde ich dort aber auch nur mit einer deutlich besseren Gehaltsklasse arbeiten… oder eben gar nicht erst dort anfangen.

Es ist ja glücklicherweise für uns PTA so, dass wir (noch) zu einem gesuchten Beruf gehören und uns nicht unter Wert verkaufen sollten. Wer das trotzdem macht, der muss sich einmal selbst überdenken und nicht die Schuld auf andere schieben. Die, die online am lautesten über schlechte Löhne schimpfen sind sicherlich oft weder gewerkschaftlich engagiert, noch bekommen sie bei Verhandlungen mit dem Chef die Zähne auseinander.

Wer als Arbeitgeber seine Angestellten finanziell ausbluten lässt und sich selbst über Gebühr die Taschen vollstopft, der sollte mit Mitarbeitermangel bestraft werden bis er umdenkt. Ohne Verkäufer kann man nichts verkaufen. Aber ich hoffe, dass das eher die Ausnahmen sind und nicht die Regel.

So… eigentlich wollte ich ja über „Frauen in der Apotheke“ schreiben, und nicht über die neuesten Tarifverhandlungen… Aber manchmal verselbständigen sich die Themen während man schreibt ;-). Vielleicht klappt es ja morgen?

Über ptachen

PTA mit Leib und Seele.
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4 Antworten zu Frauen in den Apotheken

  1. ednong schreibt:

    Und wenn man dann noch bedenkt, dass es 12.63 € (oder waren es 12.93 €?) bei 45 Berufsjahren und einer 40-h-Woche notwendig sind, um knapp über der Grundrente zu liegen , wird doch offensichtlich, wie gut das System funktioniert …

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  2. aponettesplauderei schreibt:

    Ich erinnere mich noch gut, dass es DAS Argument meiner „Schwiegermutter“ damals für Pharmazie war, daß es ein Beruf sei, der sich so gut wie keiner mit Familie vereinbaren ließe – für eine Frau…..

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  3. Andre schreibt:

    Allerdings könnte man auch anders herum fragen, warum Frauen nicht anderen ggf. besser bezahlten Berufen nachgehen…

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