Alternatives bei Krebs…? – Teil 1

Ich bin bekanntlicherweise kein großer Freund der sogenannten Alternativmedizin. Als Ergänzung zur Schulmedizin habe ich sie aber bisher als recht harmlos eingestuft. Gerade wenn ein Patient eine schwerwiegende Erkrankung hat konnte ich auch nachvollziehen, dass er sich zum Beispiel zusätzlich zur Chemotherapie noch an etwas anderem festhalten möchte. Das ist ja nicht gefährlich… oder?

Die Ergebnisse einer offenbar als seriös einzustufenden Studie lässt einen anderen Schluss zu. In dieser Studie wurden Menschen in ähnlichen Situationen miteinander verglichen. Die spezielle Krebserkrankung, das Alter, das Geschlecht und der Bildungsstand wurde gegenübergestellt. Ausgeschlossen war der Personenkreis, deren Krebserkrankung sich bereits im fortgeschrittenen Stadium befand.

Die eine Gruppe entschied sich zu Beginn ihrer Behandlung für die „klassische“ Schulmedizin mit OP, Bestrahlung und Chemotherapie, die andere Gruppe zumindest zu Beginn ihrer Behandlung für die Schulmedizin und zusätzlich noch zu einer alternativen Methode. Das könnte Ayurveda, TCM, Homöopathie oder ähnliches sein. Wie gesagt ZUSÄTZLICH zur Schulmedizinischen Erstbehandlung.

Diese Gruppen wurden nun 5 Jahre begleitet, und ihre Überlebensrate bestimmt.

In Gruppe 1 starben in dieser Zeit 13,4% der Teilnehmer.

In Gruppe 2 starben 17,8%.

Der Spiegel schreibt zu den Gründen:
Wer Alternativmedizin nutzte, lehnte viel häufiger eine weitere
medizinische Therapie ab, verzichtete also auf von Ärzten
empfohlene Maßnahmen. Wenn die Hinwendung zur Alternativmedizin
also zum Ablehnen wirksamer Medizin führt, wird es gefährlich

Ich habe in der Apotheke ähnliche Erfahrungen gemacht. Wer auf alternative Medizin setzt – und sei es auch nur in Teilbereichen während der klassischen Behandlung – ist einer nachfolgenden Chemotherapie oder Bestrahlung gegenüber oft negativ eingestellt. Ist somit die alternative Zusatztherapie schon im Ansatz schädlich und abzulehnen? Was ich dazu denke kommt im nächsten Blogpost, was mich bis dahin interessiert wäre eure Meinung bzw. Eure Eistufung dieser Studie und des Artikels beim Spiegel. Kann man das so stehen lassen, dass Alternativen gefährlich sind?

Über ptachen

PTA mit Leib und Seele.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten zu Alternatives bei Krebs…? – Teil 1

  1. ednong schreibt:

    Nun ja,
    ich habe den Spiegel nicht gelesen – mobil ist das eher Qual – philosophiere ich mal so vor mich hin.
    Das „zusätzlich“ haken viele vielleicht als „weitere Möglichkeit“ im Sinne von“entweder. ..oder“ aufgefasst. Priosierung bzw. Gewichtig von Erfolgschancen oder Wirksamkeit wird da wohl nicht vorgenommen.
    Also wird diese Alternativmedizin als echte Alternative zur Schulmedizin gesehen und nicht als unterstützender Zusatz. Und das dürft dann zu dem Verhalten geführt haben und die Sterberate erhöht haben. Ist ja auch einfacher zu ertragen, ein paar Globulin zu schlucken als ein paar Tabletten, von denen man weiß, dass sie der totale Hammer sind.

    Gefällt mir

  2. TFH schreibt:

    Also grundlegend sehe ich die Studie aufgrund ihres Auswahlverfahrens der Stichprobe ein wenig kritisch, da das Ganze ein wenig nach cherry-picking aussieht..
    Was nicht zu Vergessen ist, ist, dass Korrelation und Kausalität etwas anderes ist.

    Menschen die Pharmazeutika und der „Schulmedizin“ mit Vorbehalten, z.T. mit Angst gegenüberstehen haben eine höhere Affinität zu irgendwelchen „Alternativen“.
    Das ist irgendwie wenig überraschend, allerdings kann hier nicht differenziert werden, ob die gleichzeitige Anwendung dieser Methoden die Compliance dieser Menschen zu einer medizinischen Behandlung erhöht hat, oder verringert. Zum Teil werden solche Zusatzbehandlungen zur Stärkung der Compliance eingesetzt, und zur Senkung von Noceboeffekten.
    Auf der Anderen Seite gibt es im Umfeld dieser Methoden auch einiges an Verschwörungstheorien, die wirksame Behandlungen ablehnen.
    Dies kann ebenso zur Ablehnung und zur Angst vor Behandlungen beitragen.
    Evident ist allerdings lediglich eine Korrelation zwischen Zweifel an medizinisch evidenten Verfahren, und die Präferenz von „Alternativen“ – und keine Kausalität.

    Gefällt 1 Person

  3. Nadine schreibt:

    Ich habe den Artikel nicht gelesen, aber ich denke, dass ist doch ein grundlegendes Problem. Es wäre vieles einfacher (v.a. für die Patienten*innen), wenn nicht jede Partei der Meinung wäre, sie hätte die Weißheit mit dem Löffel gespachtelt. Wenn die Schulmedizin sich mal ein bisschen der Alternativmedizin öffnen würde und die Alternativmedizin aufhören würde, alles Schulmedizinische zu verteufeln, wäre schon viel gewonnen. Oder ist es echt zu viel verlangt, wenn der Arzt beim Verschreiben von Antibiotika, den Tipp gibt, mal in der Apotheke zu fragen, womit man seinen Körper während der Einnahme unterstützen kann, damit die Darmflora hinterher nicht total flöten geht? Oder als Heilpraktiker zuzugeben, dass man jetzt zwar die Symptome behandeln könnte, aber die Ursache von einem Arzt abgeklärt werden muss?

    Ansonsten stimmte ich TFH bei und sehe solchen Studien und erstrecht den Berichterstattungen darüber sehr kritisch. Nur weil man auf dem Papier einen Zusammenhang erkannt hast, heißt das nicht, dass es dafür einen gemeinsamen Grund gibt…

    Schöne Grüße,
    Nadine

    Gefällt 2 Personen

    • TFH schreibt:

      Also hier würde ich erst einmal Fragen was ist „Schulmedizin“ und was ist „Alternativmedizin“ ?
      Ist die Schulmedizin der Stand der Wissenschaftlichen Forschung,
      das, was an Universitäten gelehrt wird,
      oder das, was es so alles zu erleben gibt, in der kassenärztlichen Realversorgung ?
      Ist Alternativmedizin das, was keine Kassenleistung ist,
      Naturheilkunde, oder irgendwas, das sich „Medizin“ nennt, allerdings keinen wissenschaftlichen Nachweis aufweist?
      („Darmflora“ fällt da in den Bereich, wissenschaftlich aber nicht Kassenregelleistung,
      „Globuli“ fällt in den Bereich, nicht wissesnchaftlich und Kassensonderleistung)

      Gefällt mir

      • Nadine schreibt:

        Es ist ein weites Feld… ;o)

        Die Felder klar zu trennen ist auch für mich schwierig. Ich habe auch keinen Überblick, wie groß die Differenz zwischen aktuellem Stand der Forschung und praktizierender Realität ist. Wahrscheinlich wäre schon viel gewonnen, wenn die Differenz gegen Null geht, aber das ist bei dem Arbeitspensum und dem Ärztemangel wohl kaum erreichbar…

        Es ist halt eine verzwickte Kiste. Ich bin auch kein Freund von „Globuli“ und dem ganzen Konzept dahinter, allerdings gibt es meines Wissens durchaus Studien zum Placebo-Effekt… Da kommt dieses „selbst aktiv werden“ zum Tragen, was das PTAchen hier 2 Posts später auch schon anspricht…

        Den großen Vorteil, den „Alternativmediziner“ weiterhin haben, ist, dass sie sich Zeit für den Patienten nehmen (können) und in oft auch ganzheitlich betrachten. Das fehlt in der „klassischen“ Medizin oft. Mir sind die Hintergründe bewußt und ich verurteile da auch nicht die „Schulmedizin“.

        Ein gutes Beispiel wie ich das Ganze meine, ist mein Zahnarzt: Mein Gebiss muss durch divese Gründe generalüberholt werden und es sind einige Kronen geplant. Aber bevor die ganze Behandlung starten konnte, wurde meine Körperhaltung analysiert. Denn z.B. eine fehlerhafte Fußhaltung führt zum Schiefstand im kompletten Körper, was natürlich Auswirkungen auf den Kiefer und damit das Gebiss hat. Nach der Analyse gab es die Empfehlung, das Ganze mit einem Physiotherapeuten zu besprechen und behandeln zu lassen. Was ich mit der Empfehlung mache, ist mir überlassen, die zahnärztliche Behandlung ist nicht abhängig davon, ob ich der Empfehlung folge oder nicht!
        Im Zuge dessen musste ich mich einer Zahn-OP unterziehen und habe dazu vorab ein Info-Blatt bekommen, wie ich mich da am besten vorbereite und was ich nach der OP zur Wundheilung tun kann. Dort stand zum Beispiel, dass man gegen Schwellungen nicht nur kühlen soll, sondern auch Quarkwickel auftragen kann. Quark entzieht nämlich Wasser und sorgt auch dafür, dass nicht so viele Blutergüße entstehen. Ich kannte diesen Tipp schon, fand es aber sehr positiv, dass so was auf diesem OP-Zettel vermerkt war…

        Ansonsten gebe ich PTAchen vollkommen recht, dass es wichtig ist, dass der Patient selbstwirksam mithelfen kann bei der Therapie und nicht nur behandelt wird…

        Gefällt 1 Person

  4. Tim schreibt:

    „Ich bin bekanntlicherweise kein großer Freund der sogenannten Alternativmedizin.“
    Und genau deswegen bewirbst du eine Ausbildung zum (hochseriösen, lel.) Tierheilpraktiker beim BTB? Ich würde mich schämen, Leuten so einen Trödel anzudrehen, wenn du doch „kein großer Freund“ von Alternativem bist!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.