Warum Stühle Luxus sein können

Ich lese immer gerne in einem PTA Forum bei Facebook mit. Dort finde ich die Themen die viele Kolleginnen bei ihrer Arbeit belasten, die ich (glücklicherweise) nicht am eigenen Leib erfahren muss.

Ein Thema das nicht nur dort immer wieder auftaucht ist das Stühle- Thema. Es gibt offensichtlich Apotheken, in denen den Angestellten keine Sitzgelegenheit angeboten wird. Selbst bei der Einstellung zugesagte Sitze (absurd genug dass man über so etwas beim Einstellungsgespräch überhaupt reden muss!!!) werden bei Arbeitsantritt weggeschlossen.

In manchen Apotheken überwacht der Inhaber sogar die einzige Sitzgelegenheit während seiner Abwesenheit per Kamera und ruft an (!) wenn sich jemand erdreistet dort zu lange zu rasten.

Leute – ich bin ehrlich entsetzt. Es wundert mich dann wirklich nicht mehr, wenn viele PTA und PKA solchen Arbeitsplätzen den Rücken kehren. Sowas ist überdominant und in meinen Augen schon an der Grenze dazu einen ICD zuzuordnen.

Irgendwo bei F40- F48…

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9 Antworten zu Warum Stühle Luxus sein können

  1. ednong schreibt:

    Ja, es ist schon erstaunlich, über was alles man beim Einstellungsgespräch reden muss. Leider. Aber Stühle? Ernsthaft?

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  2. Xeres (PTA) schreibt:

    Wenig oder keine Sitzgelegenheiten ist tatsächlich noch immer sehr verbreitet. Dass diese weggeschlossen werden, habe ich selber zum Glück noch nie erlebt. Ich finde das definitiv ein Trauerspiel, zumal PTAs ja nunmal nicht nur im HV sind, sonder auch noch einiges anderes hinten machen.
    Ich war für eiin paar Jahre sogar reine Backoffice-PTA. Und es macht dort keinen Sinn nicht zu sitzen. Ich habe auch noch NIE von einem Kunden etwas negatives gehört wenn er reinkam und ich meinen Schriftkram unterbrochen habe, VOM STUHL AUFGESTANDEN bin und zu ihm hin. In 11 Jahren kam da noch NIE ein negativer Kommentar. In Apotheken ohne Sitzgelegenheiten, fällt das aber sogar den Kunden auf und da wird durchaus nachgefragt und der Gesichtsausdruck spricht Bände. Alte Schule schön und gut, wir sind aber nicht mehr in alten Zeiten in denen es ganz andere Anforderungen und Tätigkeiten waren. Ich kenne PTAs die 9 Stunden im HV stehen, mit ROWA, sich also nicht bewegen und daher Thrombosestrümpfe tragen… einige davon tragen noch etwas anderes, was sich mancher ggf denken kann. Das ließe ich mir aber nicht machen, dann lieber kein Job.

    Meine Erfahrungen:
    – Die erste Apo in der ich arbeitete, war relativ groß. Wir waren pro Schicht ca 14 Personen und es gab genau Stühle. Einen für die PKAs und einen für die Approbierten. Ansonsten gab es nur Stehtische. Allen PTAs war es ausdrücklich untersagt sich zu setzen, die Kollegin im 7. Monat einer Problem-Schwangerschaft nicht ausgenommen und wir arbeiteten dort die üblichen 9 Stunden am Tag. Gab einen Tisch bei der Umkleide als „Pausenraum“ mit Stühlen. Boden übrigens komplett Steinplatten.
    – Selbiges fand ich in einer Center-Apotheke, auch dort ein Stuhl für die PKA und einen für den anwesenden Apotheker, allerdings gab es da auch keinen Pausenraum und auch hier nur harter Boden überall. Kein Sitzverbot für PTAs, nur keine Möglichkeit…. Da es im Real aber auch nichts zu sitzen gab, blieb in der Pause nur das Auto oder der Boden auf dem Parkplatz.
    – Die erste von 2 Vertretungen hatte ich für 3 Monate in einer Apotheke, diese war erst ein Jahr alt, Gebäude neu gebaut und ebenso die EInrichtung komplett neu, hatte einen von diesen „Steh-Hockern“ für die PKA. Nach längerem Bitten und Betteln. Dummerweise war das aber kein Stehtisch, sondern eine niedrige Arbeitshöhe… zudem war es der einzige Arbeitsplatz der zur Verfügung stand (HV und Rezeptur ausgenommen). Aber einen kleinen Pausenraum mit 2 Sitzgelegenheiten. Aber auch hier, PTAs sitzen nicht.
    – Die zweite Vertretung für einen Monat. Bei Ankunft erklärte mir, dass sich dort (unter dem Müllhaufen) „mein“ PTA Schreibtisch befindet (ich war die einzige PTA). Ich hatte also einen Stuhl und die Approbierte auch ja und sogar 2 für 2 PKAs. Nachdem ich „meinen“ Schreibtisch dann aufgeräumt und entmüllt hatte, bekam ich dafür erstmal ärger, ich könne ja nicht wissen ob das Müll sei und da wäre ja auch eine QMS-Ablage…. Doch leider war das offensichtlich Müll und die Ablage auch noch vorhanden, incl aller Unterlagen. Anschließen wurde mir erklärt ich würde den eh nicht brauchen und muss immer im HV stehen und präsent sein und soll Rezepte kontrollieren, Protokolle schreiben etc., damit die Kunden sehen es ist offen.,,,,
    – die Apotheken in denen ich langjährig gearbeitet habe, 3 an der Zahl, hatten alle kein Problem damit. Da durfte jeder Sitzen der wollte oder musste, je nachdem was er gerade macht (Protokolle schreiben, Rechnungen, sonstwas.Niemand sitzt doof in der Gegend rum, die Frage ist lediglich ob das Sitzen die Arbeit beeinträchtigt, garantiert nicht, eher das Gegenteil. Wir haben sogar einen Stehhocker im HV, das jemand Rückenprobleme hat. Darf aber auch jeder benutzen der ihn vielleicht gerade mal braucht. Kommt eher selten vor, da wir ja sitzen dürfen.
    ……………………………..
    Ich hatte mich in einer Apo beworben und beim Probetag schon gesehen, dass absolut alles nur Stehtische waren. Es gab allerdings im PKA Bereich eine Eckbank mit großem Tisch, was ich ungewöhnlich fand. Ich fing nicht dort an, traf aber an meiner neuen Stelle eine Kollegin die wohl lange dort arbeitete und erfuhr etwas darüber. Die Bank ist wohl neu. Dort durfte auch generell niemand sitzen. Wenn CHef nicht da war, setzte sich schon mal jemand auf die Treppe (Apo über 2 Etagen), auch hier wurde vom Chef kontrolliert und dann kam er entweder reingestürmt oder rief an. Es ging so weit, bis die Kunden zum Chef gingen und ihm erklärten, er solle seinen Mitarbeitern doch bitte mal eine Sitzgelegenheit gönnen, dann müssten die auch nicht auf der Treppe sitzen. Niemand kann und sollte 9-10 Stunden stehen. Das gab umso mehr Anschiss fürs Team, denn nun hatten die Kunden das mit der Treppe bemerkt. Nach 5 Jahren gab es einen Stuhl, der aber nur von PKAs genutzt werden durfte und nur wenn diese in Vollzeit angestellt sind.
    Es hat 7 Jahre gedauert bis zum ersten „Steh-Hocker“ für die PKAs und 15 Jahre für die Bank. Stühle an Arbeitsplätzen gibt es weiterhin nicht.

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    • ptachen schreibt:

      Danke für die ausführliche Antwort! Ich bin ehrlich entsetzt dass das keine seltenen Ausnahmen zu sein scheinen, sondern tatsächlich häufiger vorkommt. Ich kenne auch mind. 3 Apotheken in denen Stühle nur den Approbierten vorbehalten sind. Und da wundert man sich dann, dass so wenige PTA im Job glücklich sind und sich wertgeschätzt fühlen…

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  3. aponettesplauderei schreibt:

    Ich bin immer fassungslos, wenn ich solche Storries höre. Ich musste zum Glück nie in so einer Apotheke arbeiten, wir durften immer sitzen und es gab genug Stühle.
    Die bodenlose Dummheit solcher Chefs lässt mich auch wortlos. Wie kann ich erwarten, dass mein Team sich für meine Apotheke einsetzt, wenn ich Ihnen nicht das Schwarze unter den Fingernägeln gönne? Bei solcher „Wertschätzung“ reißt sich doch keine Angestellte auch nur ein Haar für den Laden aus!

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  4. nickel schreibt:

    Unfassbar und unverantwortlich! Ich bin wirklich sehr entsetzt über sowas. Wenn der Chef schon keine Sitzgelegenheit gönnt, dann kann man sich ja vorstellen, wie es sonst noch so im Laden läuft. Das ist einfach nur ekelhaftes Machtgehabe. Steht Schwangeren nicht sogar laut Gesetz ein Sitzplatz zu?

    Wenn ich sowas mitkriege, wie die Mitarbeiter schlecht behandelt werden, dann gehe ich in solche Läden auch nicht mehr. Wir haben hier z.B. eine Apotheke in 1 min Entfernung, da aber die Chefin dort ein Hausdrache ist (und sogar zu mir schon sehr unfreundlich war und ihre Stimme erhoben hat) nehme ich lieber den etwas weiteren Weg zur nächsten Apotheke in Kauf, was dann auch nur 7 min sind. (Apotheken gibt es hier wie Sand am Meer…)

    Gibt es eine Gewerkschaft für PTAs und PKAs?

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    • Xeres (PTA) schreibt:

      Für Schwangerschaft und Stillzeit gilt nochmal etwas anderes. Denen muss während der Arbeit als Möglichkeit dass zugesichert sein, was allen anderen nur in den Pausenzeiten zugesichert sein muss. Aber DAS habe ich ernsthaft noch nie erlebt, zumal ich ja ohnehin nur einmal in einer Apo war die einen Pausenraum hatte und nur eine weitere kenne.

      Es gibt inzwischen eine Regelung in der Arbteitsstättenverordnung, welche besagt dass eine Sitzmöglichkeit bereit gestellt werden muss, wenn die Arbeit ganz oder teilweise sitzend verrichtet werden kann oder der Arbeitsablauf es zulässt. Stehhilfe ist aber auch möglich. Geht das Platztechnisch oder aus Sicherheitsgründen nicht, dann müssen Sitzmöglichkeiten in der Nähe des Arbeitsplatzes bereitgestellt sein.
      Hier ist es ein einfaches, sich auf den einzigen Stuhl der PKA als Möglichkeit zu berufen oder einen Stuhl im Büro beim Chef anzubieten, womit das erfüllt ist. Zudem weiß ich nicht ob sich das irgendwo mit der APBetrO überkreuzt.

      Ja, es gibt eine Gewerkschaft in die man eintreten kann. Die ist allerdings ungefähr so nützlich, wie es ist sich das Geld zu sparen. Nur wenn man keine Rechtsschutz hat, die auch die Arbeit mit abdeckt, hätte man dann zumindest eine anwaltliche Vertretung ohne zahlen zu müssen. Meistens wird einem aber geraten nicht gegen den Chef vorzugehen, da es anschließend schwer bis unmöglich wird, woanders wieder eine Anstellung zu finden.
      Ansonsten bewirkt ein Eintritt nur, dass der Tarifvertrag gilt, natürlich nur, sofern der Chef seinerseits im Apothekerverband ist….

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  5. ednong schreibt:

    Ich sitze hier und kann echt nur den Kopf schütteln. Unfassbar, was Chefs meinen sich erlauben zu dürfen …

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  6. scrooge schreibt:

    Das schockiert mich auch, aber so richtig. Falls ein paar stühleverweigernde Chefs hier reinstolpern sollten, hätte ich folgende Fragen: Warum machen Sie das? Welchen Gewinn meinen Sie daraus zu ziehen? Sie sind doch „vom Fach“, ist Ihnen dann nicht klar, dass stundenlanges Herumstehen nicht gesund sein kann? Die Antworten interessieren mich ehrlich.

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