Neues Jahr – hoffentlich etwas glaubwürdiger

Für mich persönlich war 2018 ein denkwürdig gutes Jahr. Ich habe viel Anerkennung und Freundlichkeit erfahren und einige neue Bekanntschaften geknüpft, die mich hoffentlich noch länger begleiten. Ich hatte Familie, Beruf, Freundschaften und vor allem: positive und gute Aussichten auf die kommende Zeit trotz des ein- oder anderen Wermutstropfens der jedoch mich selbst nur mittelbar betraf. Ich lasse das Jahr dankbar ziehen und hoffe, daß das neue hält, was es zu versprechen scheint.

Ich hoffe nur auf etwas mehr Glaubwürdigkeit.

Speziell die Medien haben sich da leider nicht mit Ruhm bekleckert wenn ich nur an den Fall Relotius denke. Für mich ist es schwer zu ertragen, daß das nun Wasser auf den Mühlen derer ist, die das Wort „Lügenpresse“ in die Welt getragen haben. Daß die „Fake-news“- Rufer nun breit grinsend nur noch einen Namen zu nennen brauchen um ihr krudes Weltbild aufrecht zu erhalten. Claas Relotius hat leider mehr getan, als sich nur ein paar Geschichten einfallen zu lassen. Leute wie er treten die Aufgabe der Medien als vierte Gewalt im Staate mit Füßen, und das sollte starke Konsequenzen haben.

Und damit meine ich nicht, daß irgendein Bauernopfer gebracht wird, und alle danach zur Tagesordnung übergehen. Ich möchte ausschließen können, daß so etwas wieder passiert. Dazu müsste man verstehen, wie es überhaupt dazu kam.

Ist der Druck für Journalisten zu groß, daß sie das Gefühl haben alles schnell veröffentlichen zu müssen ohne es korrekt prüfen zu können? Kam Relotius so auf den Geschmack? Vielleicht hat er irgendeine Story veröffentlicht die er nicht mehr prüfen konnte weil es zu schnell gehen musste. Und hat dann gemerkt, daß das auch niemand mehr hinterfragt und er sich so die Mühe des Faktencheckens sparen kann?

Wie auch immer es kam, es ist beschämend. Und daß selten richtig geprüft und hinterfragt wird merkt jeder, wenn er einen Artikel in einer Tageszeitung über ein Thema liest, in dem er sich auskennt. Halbwahrheiten, grobe Fehler, Unsinn. Da rege ich mich dann drüber auf, aber den nächsten Artikel zwei Seiten weiter bei dem es über Politik geht, den glaube ich dann eben doch.

Weil ich es einfach glauben WILL, daß die Berichterstattung in diesem Land weitestgehend unabhängig ist. Genau so wie ich glauben wollte, daß die Arzneimittelsicherheit in diesem Land geprüft und überwacht wird. Bis zum Valsartan- Skandal im Juli, seither glaube ich auch daran nicht mehr.

Mehr Glaubwürdigkeit ist also das, was ich mir für das nächste Jahr wünschen würde wenn ich könnte. Danke.

Über ptachen

PTA mit Leib und Seele.
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4 Antworten zu Neues Jahr – hoffentlich etwas glaubwürdiger

  1. gedankenknick schreibt:

    Wes Brot ich ess, des Lied ich sing. Um am besten bezahlt werden Lieder, die das zahlende Publikum hören MÖCHTE, die es erwartet. Man denke auch an Tom Kummer, oder die gefälschten Hitler-Tagebücher mit initialen „FH“ von Konrad Kujau, oder auch an Andreas Holst mit seinen komplett erfundenen Berichterstattungen. Alles hochbezahlt, alle haben sich damals drum gerissen. Ich würde auch erstaunt schauen, wenn ich eine Karte der Toten Hosen kaufe und ne richtig geile Punkrock-Scession erwarte, und Campino spielt dann die schönsten klassischen Melodien auf der Geige von André Rieu…

    Außerdem sollte man nicht vergessen, dass auch die ach so „freie“ Presse letzthin auch nur käuflich ist. Wieviel Apotheken-Bashing gab es in den letzten Jahren durch die gesamte Medienwelt? Und WER schaltet(e) im Umfeld immer die dicksten seiten- oder gar doppelseitenfüllenden Werbeanzeigen in ebenjenen (oder konzernzugehörigen) Druckerzeugnissen? Die kleine Apotheke von nebenan war und ist es sicher nicht, denn eine Seite Werbung im Stern oder Spiegel dürfte das Betriebsergebnis einer „kleinen Bude“ locker tilgen – also das Jahresbetriebsergebnis.

    Lustig in diesem Zusammenhang: Der Spiegel wollte mal – es muss schon über ein Jahrzehnt her sein – ein Interwiev mit einem Ex-Chef von mir führen. Der war einer der letzten 14 privaten Apotheker in der DDR gewesen, bis zur Wende. Dafür sollte mein Ex-Chef übrigends dann Geld an den Spiegel bezahlen. Und ob die Sache je in Druck gegangen wäre stand noch auf einem anderen Zettel. Er hat dann dankend abgelehnt…

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    • gedankenknick schreibt:

      Nachtrag: Mit „Andreas Holst“ meine ich den Typen, der Berichterstattung für „Panomara“, „Zapp“ und andere Medien getürkt hat. NIcht den Songwriter der Toten Hosen „Andreas von Holst genannt Kuddel“. Nur, damit das keine Verwirrung gibt.

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  2. Shark schreibt:

    Was manche Journalisten manchmal reitet, das weiß ich auch nicht.

    Nachdem letztens wieder ein kleiner Artikel über mich und meine Arbeitsstelle erschienen ist, habe ich mir überlegt – sollte es so eine Gelegenheit noch mal geben – zu bitten, dass ich den erst einmal lesen (und korrigieren!) darf, bevor da etwas veröffentlicht wird.
    Wie man trotz „Mitschnitt“ des Gesagten da mehrere Fehler einbauen kann und warum der Journalist meine, da zusätzliche Informationen aus dem Internet einbauen zu müssen (obwohl ich ihm genug Infos geliefert habe und er das, was er aus der Wikipedia her hatte den Fakt nicht verdeutlichte) verstehe ich auch nicht.

    Zu Faktencheck sollte doch wohl immer Zeit sein. Und es sollte im Interesse aller sein.

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    • aponettesplauderei schreibt:

      Es gibt eine Folge der TV- Serie Babylon 5 (IMHO einer der besten Si-Fi Serien überhaupt), in der ein Kamerateam auf die Station kommt und auch mit dem Argument: Jetzt können Sie selber Ihre Seite erzählen, da Filmen darf. Das was da am Ende rauskommt ist die Realität um 180 Grad verdreht. Brillant gemacht.
      Als das damals lief, wollt ich nicht glauben, dass das heute noch passieren würde…..

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