Ungleich 

Heutzutage wird ja immer betont, wie gleich doch Jungs und Mädchen / Männer und Frauen seien. Ich erlebe das im Alltag anders, aber sei es drum.

Es wird viel über gender pay gap gesprochen und darüber wie schlecht die Frauen in der Gesellschaft behandelt werden (was zum Teil nicht ganz falsch ist). Aber was ist mit der neuen Generation?  Wie bewertet ein Schulsystem Jungs und Mädchen? Unterschiedlich? Ja.

Als Jungsmama  (ich habe drei davon unterschiedlichen Alters und nur teilweise mit meinen Genen) sehe ich, daß da durchaus Unterschiede gemacht werden, nur genau anders herum als früher. Die Mädchen zeigen in den Schulen meist per se das „richtige“ und gewünschte Verhalten. Sie werden gelobt und geliebt, Jungs haben dagegen oft den Eindruck nichts richtig machen zu können. Sie sind den Lehrerinnen (und zuvor den Erzieherinnen Kindergarten) zu laut, zu wild, zu hibbelig. Vor der Schule findet man die Mädchen daher häufig mit Bastelschere, Kleister und Malstiften am Tisch bei Projekten, während die Jungs der Gruppe sich meist im „Freispiel“ befinden. Da muss man sich nicht mit ihnen befassen.

Eine meiner Freundinnen mit der ich heute früh brunchen war ist Journalistin. Sie hat mir meinen Eindruck bestätigt. Um Magazin für das sie schreibt wurde ein Malwettbewerb ausgelobt, an dem einige (Grund)schulklassen teilnahmen. Sie sah sich die Collagen und Bilder an, und suchte die schönsten geraus. Meune Freundin konnte kaum qualitative Unterschiede zwischen den beiden besten Bildern von „Sarah“ und „Nico“ festmachen. Trotzdem hatte Sarah eine 1 plus mit Sternchen UND Smiley hinter ihrem Werk, wohingegen Nico nur mit einer 3- bewertet wurde. Wer jetzt sagt, meine Freundin könne das vielleicht nicht richtig festmachen – sie hat auch Kunst studiert.

Da Sarah ja nun schon von der Lehrerin belohnt wurde, kam das Bild von Nico auf die Titelseite. Vielleicht ein Trost für den Kleinen… nach der Grundschule wird es bewertungsmäßig erfahrungsgemäß besser für die Jungs – aber der Weg dorthin kann sehr, sehr lange sein…

Über ptachen

PTA mit Leib und Seele.
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13 Antworten zu Ungleich 

  1. Andre schreibt:

    Im Medizinstudium gibt es inzwischen einen deutlich größeren Frauenanteil (fast 70/30).

    Dass Frauen bessere Noten haben zieht sich bis zum Abitur durch – wäre es anders herum, hätte es sicherlich schon einen Aufschrei gegeben.

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  2. Viktoria schreibt:

    Liebes PTAchen,
    als Mama von zwei Jungen und zwei Mädchen kann ich Deinen Beobachtungen nicht zustimmen. Ich habe eher umgekehrt den Eindruck, dass von den Mädchen generell mehr erwartet wird als von den Jungs.
    Meine große Tochter hat in Kunst noch nie eine eins im Zeugnis bekommen, obwohl sie eine der besten in der Klasse im Zeichnen ist. Begründet wird das immer damit, dass sie sich zu viel Mühe gibt, viel Zeit benötigt und zu anspruchsvoll an sich selbst ist.
    Ihr erster Bruder dagegen hat schon in der ersten Klasse das erste Lob dafür bekommen, dass er so schön ausschneiden kann und den gezeichneten Menschen immer freundliche Gesichter malt. Er hatte auch im letzten Zeugnis (3. Klasse) eine eins.
    Wahrscheinlich kommt es immer auf die Einstellung desjenigen an, der die Leistung des Kindes bewertet und wie die Relation zu den anderen zu bewertenden Kindern ist.
    Kunst liegt ja schließlich im Auge des Betrachters.

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  3. eisapo@hotmail.com schreibt:

    Kann ich mit meinem Filius nur bestätigen. Auch die Statistik sagt das so. Jungs gehen häufiger zum Therapeuten (egal was für einer), weil sie lieber Lego bauen oder toben als „artig“ am Tisch zu sitzen und zu malen. Deshalb wird gleich gesagt: schlechte Feinmotorik, ab zum Therapeuten.

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  4. Shark schreibt:

    Was die Beurteilung von Kunst anbelangt, da sind Kunstlehrer glaube ich wirklich sehr subjektiv. Ich habe z.B. während meiner ganzen Schulzeit bis zum Abitur nur Einser in Kunst gehabt. Abgesehen von der 6 Klasse, da hatten wir eine Lehrerin, die meinte, meine Leistung wäre nur „befriedigend“. Und das, obwohl ich nichts anders gemacht habe als die Jahre davor und danach. Ich habe auch erlebt, dass einem im Kunstuntericht einem eigentlich nichts beigebracht wird, was die Praxis betrifft (Theorie schon). Entweder man hat Talent und das Wissen (und vor allem die Übung) irgendwo anders her, oder man hat es nicht. Das wird dann vielleicht auch der Nachteil für viele Jungs sein: Die haben meist keine Förderer, so sie denn nicht aus einer künstlerischen Familie kommen, nicht das Interesse, oder das Interesse in der Richtung wird nicht gefördert, da Malen und Basteln als Mädchenbeschäftigung angesehen wird. Jungs haben gefälligst Fußball zu spielen. Oder Ballerspiele am PC.

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    • Andre schreibt:

      „Ich habe auch erlebt, dass einem im Kunstuntericht einem eigentlich nichts beigebracht wird, was die Praxis betrifft“
      Das kann ich nur bestätigen, so grob 10 Minuten Erklärung und dann hat jeder mehrere Stunden vor sich hin gemalt. Didaktisch eigentlich eine Katastrophe…

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  5. Terri schreibt:

    Zum Thema Kunstunterricht:
    Wir haben manchmal das gleiche Kunstwerk von mehreren Leuten abgegeben.
    Unser Kunstlehrer hatte die Angewohnheit die Benotung wie folgt durchzuführen:
    Er saß an seinem Platz und nacheinander sind wir vorgegangen und haben ihm unser Werk gezeigt, er hat es angeschaut und eine Note vergeben.
    Vor allem beim Töpfern oder ähnlichem hat man dann „sein“ Stück einfach weiter hinten in der Reihe dem Nächsten gegeben, der das Gleiche vorgezeigt hat.
    Bester Fall:
    Eine getöpferte Schale wurde drei Mal vorgezeigt:
    Noten dann in der Reihenfolge: 3 – 2 – 4
    So viel zu gerechter Benotung…

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  6. TFH schreibt:

    Ein Unterschiedlicher Notenschnitt ist bis in die Universitäten hin feststellbar..
    Interessanter weise wird diese statistische Feststellung dazu herangezogen, zu belegen dass Frauen benachteiligt werden – sie bekommen die besseren Noten – und doch nicht die besser bezahlten Jobs.. Zumindest im Psychologiestudium.. welches jetzt auch nicht gerade eine Männerdomäne ist.. Klare Zahlen hab ich von der neu gegründeten Fakultät noch keine,
    im Kollegium 2:1 bei der Fachbereichsleitung, unter den Akademischen Mitarbeitern noch deutlicher… Das Sahnehäubchen hierbei – es gibt eine Gleichstellungsbeauftragte, und nein, das lässt sich nicht Gendern, denn die für die Gleichstellung beauftragte Person muss nicht nur weiblich sein, sie wird auch nur von den weiblichen Personen an der Fakultät gewählt.

    „The Red Pill“ ( https://vimeo.com/187431687 – hab ihn gekauft, falls jemand aus dem Bekanntenkreis Interesse hat) ist eine recht bewegende Dokumentation über unbeachtete Genderproblematiken.
    Was nicht bedeutet, dass diese wichtiger sind – sie sind in meinen Augen genauso bedeutend,
    und ihre Beachtung ist in meinen Augen bedeutend, wenn ein geselslchaftlicher Wandel gewünscht ist..
    Mit „Männer – ihr bekommt mehr Geld – hört damit auf, das ist unfair“ Werbung zu machen, ist irgendwie doof.. Mit „Männer – ihr werdet doppelt so oft wegen einer Berufskrankheit arbeitsunfähig – sucht Euch doch nen Job der Euch gefällt“ könnte vielleicht mehr erreicht werden, auch im Bezug auf die Unterschiede in der Bezahlung..

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    • gedankenknick schreibt:

      Vielleicht gefällt Männern / Jungs ja durchaus ein Job, der (leider) mit einer höheren Tendenz zu Berufserkrankungen / Berufsunfähigkeit einher geht. Und vielleicht haben Frauen / Mädchen dann eine durchschnittliche Tendenz zu anderen Berufen. Und Ich habe zumindest noch keine Beschwerde von Dachdeckern oder Hufschmieden gehört, man könne sich vor Bewerbungen durch weibliche Auszubildende nicht retten. Das ganze hat übrigens nicht unbedingt etwas mit „körperlich (un)anstrengend“ zu tun, zumindest wenn man sich die Berufsverteilung um Kranken- Altenpflegebereich anschaut.

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      • TFH schreibt:

        Ja.. ich bin auch kein Freund der Zwangsgleichschaltung..
        Grundlegend gibt es eben in den Geschlechterrollen die Traditionelle Aufteilung, dass Männer den Produktiven und Frauen den Reproduktiven Part übernehmen..
        Ein schöner Satz aus dem Ted-Talk:

        „Alles was Du hier siehst wurde von Männern gebaut“
        und
        „Jeden den Du hier siehst wurde von einer Frau geboren“

        Nun ist halt die Frage, welche Einflussfaktoren spielen noch so eine Rolle bei der Berufswahl, außer dem Gefallen am Beruf ?
        Und dann stellt sich die Frage, wollen wir an den Faktoren etwas ändern, um Menschen, denen etwas eher untypisches gefällt mehr Wahlfreiheit zu gewährleisten?

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      • gedankenknick schreibt:

        Ok…..? „Jeder zehnte, den Du hier siehst, wurde von einem Mann geboren.“ *dummschau* Realy? Klar, ein Gynäkologe (männlich) war bei der Geburt dabei? Eine „männliche Hebamme“ ist wohl ein „Geburtshelfer“. Ob der bei den Gebärenden wirklich so beliebt ist habe ich noch nicht herausfinden können. Man wird mit derzeitigen nichtinvasiven, invasiven oder geneischen Methoden die Frauen allerdings noch nicht von der reproduktiven Rolle…. entbinden können. (Sorry, der Gag musste sein.)

        Leider geht mit der reproduktiven Rolle aber auch einiges an Einschränkung(en) einher. Warum sind die meisten Starköche Männer? Weil man sich in so einer Rolle KEINE Auszeit leisten kann. Also entweder irgendwann ein Kind (und der Verlust / die Verminedrung des eigenen Rufs und damit des eigenen Geschäfts), oder Verzicht aufs Kind.

        Ist aber woanders kaum anders. Eine Apothekenleiterin (und damit -inhaberin) nimmt sich zumeist kein Jahr Babypause. 6 Wochen nach der Entbindung steht sie wieder in ihrem Laden, sie kann sich einfach kein Jahr Vertretung „leisten“, sowohl finanziell als auch im gesetzlichen Sinne.

        Dass der „produktive Part“ ausschließlich Männern zugedacht ist, ist doch aber auch Augenwischerei. Was war denn mit dem Trümmerfrauen nach dem WW2, da waren einfach keine Männer mehr übrig für den Wiederaufbau. Und die Männer, die noch übrig waren, waren meist kriegsversehrt und damit für diese Zwecke auch nur noch teilweise zu gebrauchen.

        Bleibt zu hinterfragen, warum so wenige Frauen einen „handwerklichen Beruf“ im Sinne von Bauhandwerk oder Technik-Handwerk ergreifen. Das geht aber über meine Kapazität, denn da würde es wahrscheinlich (auch) tiefenpsychologisch und gegebenenfalls auch gender-neurologisch werden. Es ist aber nicht so, dass es so etwas gar nicht gibt – ich kenne z.B. eine MalerlackiererIN.

        Wobei das „produzieren“ sich nur auf „Technik“ beziehen zu lassen, auch kontraproduktiv ist. Wieviele Frauen arbeiten in der Landwirtschaft in der Pflanzen- und Tier“produktion“, viele in den sich anschließenden verarbeitenden Gewerben (inklusive kochen). Ja, auch beim kochen wird etwas produziert: Essen. Noch erweiterbarer wird es, wenn ich soziale Aufgaben als „Produktion“ definiere. In Kindergärten und Schulen „produziert“ man (hoffentlich vernünftige) junge erwachsene Menschen. Hier überschneidet sich die Produktion und die Reproduktion. In letzterer steckt ja auch der Wortteil „produktion“ drin.

        Alles nicht schwarz-weiß, und deshalb nicht so einfach.

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  7. Shark schreibt:

    Was körperlich schwere Berufe betrifft, in denen keine Frauen anzutreffen sind: Die Gründe, die ich erlebt habe: Es gibt keine Toilette für die.
    Echt jetzt, lacht nicht – das ist ein großes Problem für viele Firmen, in denen das Vorschrift ist, dass es getrennte Klos/Waschräume geben muss. Die Chefs denken sich dann natürlich: „Ich bin doch nicht blöd und zahle viel Geld für einen Um-/Anbau, nur um Frauen, die jetzt hier arbeiten wollen, einzustellen!“

    Und die Klosache ist auch sonst ein Problem. Ich habe oft genug auf Außenstellen gearbeitet, wo es entweder überhaupt kein Klo gab (die Männer haben sich problemlos an den nächsten Baum gestellt, Frauen durften froh sein, wenn ein Graben Sichtschutz bot und der Graben so wenig Wasser enthielt, dass sie den Balanceakt schafften, weder Im Wasser zu hocken noch sich selbst bei der Verrenkung anzupinkeln. Das ist besonders toll, wenn es keine Möglichkeit zum Händewaschen gibt. Tampon wechseln mit versifften Händen? Lecker…)

    Ein anderer Aspekt ist Mobbing. In vielen Jobs, die traditionell als Männerdomaine angesehen werden, da da der Mann da noch zeigen kann, dass er ein ganzer Mann ist (Mechaniker, Bauarbeiter, etc.) wollen die oft keine Frauen, da das ihr Selbstbild untergräbt. Die Frauen, die da arbeiten, müssen ein verdammt dickes Fell haben und all die sexistischen Witze zu überhören und müssen ständig zu beweisen, dass sie nicht genauso gut, sondern besser arbeiten können, als die männlichen Kollegen. Denn jeder macht Fehler – nur wenn die Frau ein Fehler macht, dann natürlich, weil sie eine Frau ist, und Frauen XY nicht können, wie der Fehler beweist, nicht wahr?

    Also bitte nicht glauben, dass Frauen keine körperlich anstrengenden Jobs machen WOLLEN, es gibt nur mehr Hindernisse für sie als für Männer, diese Jobs zu ergreifen.

    P.S.: War schon mal jemand in skandinavischen Ländern? Da ist es auffällig, wie viele Frauen man da im Straßenbau sieht! Da gehört es auch zum Straßenbild, dass man wesentlich mehr Männer mit Kinderwagen sieht. Warum? Es ist akzeptabler in der Gesellschaft, dass die Männer „Frauenaufgaben“ erledigen und „papaledig“ (Elternzeit für Männer) nehmen. Eine Paygap gibts zwar auch da, aber dank des Umstandes, das jeder einsehen kann, wieviel die Kollegen verdienen, ist die geringer als anderswo in Europa. Darum wäre es nicht so verrückt wie hier, dass der Mehrverdiener der Familie die Elternzeit nimmt.
    Und last but not least: Es gibt viel mehr „genderneutrale“ Toiletten, die – wie zu Hause auch – von Männchen und Weibchen benutzt werden.

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