Arzneimittel die sonnenempfindlich machen

Sobald sich die Sonne wieder so intensiv zeigt wie in den letzten Tagen ändert sich unsere Beratung ein wenig. In den Jahreszeiten Herbst, Winter und Frühling ist es meistens nicht nötig, die Kunden darauf aufmerksam zu machen sich nicht in die Sonne zu legen wenn sie gewisse Medikamente einnehmen. Im Sommer ist es dagegen wichtig das anzusprechen, denn viele Wirkstoffe haben die unangenehme Eigenschaft, die Haut sonnenempfindlich zu machen. Dass das nicht nur für Menschen gilt habe ich im letzten Jahr bei einer Fortbildung im tiermedizinischen Bereich erfahren.

Lichtempfindlichkeit oder Photosensitivität, was bedeutet das überhaupt? Bekommt man Pustel, Pickel oder Leberflecke? Einen Sonnenbrand oder gar Verbrennungen wenn man sich ungeschützt der UV- Strahlung aussetzt? Im Prinzip ist alles davon möglich, selbst Nagelverfärbungen, Einblutungen unter der Haut oder bestimmte Tumore können sich durch die arzneimittelinduzierte Photosensitivität entwickeln. Ein aktuelles Beispiel für die Entwicklung bestimmter Formen des weißen Hautkrebs ist HCT. Jene ach dem ob die Mittel topisch oder systemisch verwendet werden können sich die Auswirkungen der UV-Strahlung auf die obere oder tiefer gelegene Hautschichten erstrecken.

Aber es muss ja nicht gleich Krebs sein. Ein kräftiger Sonnenbrand samt Blasenbildung der Haut oder plötzlich vermehrtes Auftreten von Pigmentflecken die nicht wieder verschwinden sind Grund genug die Sonne zu meiden. Achtung: hier reicht es nicht aus, einfach nur leichte Kleidung zu tragen. Selbst hinter Glas kann die UV-A Strahlung dringen und stark genug sein um Schäden an der Haut zu verursachen. Bitte also bei der Einnahme von Medikamenten die photosensibel machen so gut wie möglich im Schatten bleiben und zusätzlich mit einem hohen Lichtschutzfaktor eincremen. Das Sonnenlicht ist zwischen 11 und 15 Uhr besonders intensiv und sollte genau wie ein Solarium gemieden werden.

Folgende Wirkstoffe können die Haut gegen UV- Strahlung sensibilisieren:
Acitretin, ätherische Öle, Amantadin
Amilorid, Amiodaron, Amlodipin, Amitriptylin, Azathioprin, Benzydamin
Bezafibrat, Bendroflumathiazid,
Captopril, Carbamazepin, Chlorprothixen, Chloroquin, Chinin,
Chinolone, Chlortalidon, Citalopram, Clomipramin, Corticosteroide Cotrimoxazol, Dacarbazin, Dapson, Diclofenac, Dienogest, Diltiazem Dimenhydrinat, Diphenhydramin, Doxepin, Doxylamin, Enalapril, Ethacrynsäure, Fenofibrat, Fluorouracil, Flucytosin,
Fluphenazin, Flutamid, Fosinopril, Furosemid, Glibenclamid, Glimepirid, Goldsalze, Griseofulvin, Haloperidol, Hydralazin, Hydrochlorothiazid, Hypericin, Ibuprofen, Imipramin, Indometacin, Isoniazid, Isotretinoin Itraconazol, Ketoprofen, Lamotrigin, Levomepromazin, Lisinopril, Loratadin, Maprotilin, Mefloquin, Meloxicam
Methoxalen, Metoprolol, Methotrexat,
Nabumeton, Naproxen, Nifedipin, Nitrofurantoin, Nortriptylin, Östrogene
Olanzapin, Omalizumab, Omeprazol, Paroxetin, Perazin, Perphenazin, Phenobarbital, Phenylbutazon, Phenytoin, Piroxicam, Porfimer, Promethazin Pyrazinamid, Ramipril, Simvastatin, Spironolacton, Steinkohlenteer, Sulfadiazin, Sulfasalazin, Temeporfin, Terbinafin, Terfenadin, Tetracycline, Thioridazin, Tiaprofensäure, Topiramat, Torasemid,
Tretinoin, Triamteren, Trimipramin, Valaciclovir, Valproinsäure, Verapamil, Verteporfin, Vinblastin, Voriconazol, Xipamid

Wie man sieht ist die Liste sehr lang, und viele der aufgeführten Wirkstoffe werden auch häufig verordnet. Einiges ist auch ohne Rezept zu haben, da ist eine umfassende Beratung besonders wichtig. Das kommt erfahrungsgemäß oft zu kurz, und auch ich mache mich nicht frei davon das bei Diclofenac oder Ibuprofen häufig zu vergessen. Durch diesen Artikel erinnere ich mich dann sicher öfter mal daran die betreffenden Kunden zu warnen.

Dass selbst Tiere nicht vor den unangenehmen Begleiterscheinungen nicht gefeit sind habe ich im letzten Jahr anhand eines einprägsamen Beispiels aus der Praxis einer Tierärztin erfahren. Sie war zu einem Milchbauern gerufen worden der Probleme mit dem Euter einer seiner Kühe hatte. Es war rot, heiß, geschwollen und äußerst schmerzempfindlich als sie das Tier untersuchte. Der Bauer erzählte ihr, dass die Kuh bereits seit ein paar Tagen eine leichte Entzündung mit sich herumschleppte, sich die Symptome allerdings im Laufe des (heißen und sonnigen) Tages deutlich verschlechtert hätten.

Der Tierärztin stieg auf einmal ein eigentümlicher Geruch in die Nase den sie aus ihrer Kindheit kannte. Sie roch an ihren Händen mit denen sie das Euter untersucht hatte und tatsächlich: der Bauer hatte das gleiche Heilmittel angewandt, das ihre Großmutter auch immer bei allen Arten von Entzündungen, Verletzungen und Hautreaktionen genutzt hatte: Rotöl.

Rötöl ist ein öliger Auszug aus Johanniskraut mit dem Wirkstoff Hypericin (siehe Liste). Das unterstützt zwar tatsächlich die Haut beim Heilungsprozess, macht sie aber auch photosensibel. Die Kuh hatte dadurch einen heftigen Sonnenbrand auf dem Euter erlitten.

Das Beispiel zeigt eindringlich, wie wichtig eine gute Beratung hinsichtlich der unerwünschten Arzneimittelwirkung ist. Und jeder der auf der Liste (die sicher nicht vollständig ist) einen Wirkstoff findet den er/sie gerade einnehmen, injizieren oder auftragen muss achtet bitte auf den richtigen Sonnenschutz. Nicht, dass ihr euch noch das Euter verbrennt 😉

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Eine Antwort zu Arzneimittel die sonnenempfindlich machen

  1. Benni schreibt:

    Danke für diesen tollen Blog. Macht weiter so.

    Gefällt 1 Person

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