Tu Gutes und sprich darüber

Viele ApothekerInnen und PTA haben angefangen, über die Dinge zu schreiben, die unsere Arbeit zu etwas ganz Besonderem machen. Etwas, das tatsächlich nur wir leisten (können oder wollen). Etwas, auf das man nicht verzichten will. Dazu möchte ich nun auch etwas beisteuern.

Letzte Woche kam eine unserer Kundinnen um Medikamente für sich zu holen. Sie hatte ein Candesartan verordnet bekommen, das von dieser Firma wieder einmal nicht lieferbar war. Ich erklärte ihr die Situation, und suchte ein Ersatzpräparat heraus. Sie schimpfte ein wenig über die Lieferengpässe, und ich riet ihr, sich mit ihren Sorgen an die Politik zu wenden, und ihrem Abgeordneten dazu ein paar Zeilen zu schreiben. Sie schaute mich einen Moment lang traurig an, und sagte, dass sie zur Zeit ganz andere Sorgen quälen was Medikamente betrifft.

Ihr Mann litt seit ein paar Jahren an einer chronischen Erkrankung, für die er lange Zeit keine adäquate Therapie erhalten konnte. Nun endlich fand eine Klinik ein Medikament, das ihm helfen konnte. Dieses schlug wunderbar an, und er war endlich nach Jahren wieder symptomfrei. Sein Hausarzt verschrieb ihm die Tabletten zunächst weiter, teilte ihm nun aber mit, dass die 600€ monatlich sein Budget zu stark belasten würden.

Er bot an, sie weiter aufzuschreiben, aber nur auf Privatrezept. Das kann sich das Paar aber finanziell nicht erlauben. Auch ein Gespräch mit einem „Vermittler“ zwischen Arzt und Patient brachte keine Einigung. Sie sagte, ihnen stünde nun ein trauriges Weihnachtsfest bevor wenn die Symptome wieder auftauchen.

Als sie gegangen war dachte ich lange über die Situation nach. Da musste doch etwas zu machen sein! In unserer Datenbank startete ich eine Wirkstoffsuche und fand zusammen mit meinem Chef ein anderes Medikament mit gleichen Inhaltsstoffen. Höher dosiert für eine andere Erkrankung, aber dosisgleich teilbar in die Menge, die unser Patient benötigt. Für einen monatlichen Betrag von unter 30 Euro. Und lieferbar!

Ich rief die Kundin Zuhause an, und teilte ihr den Namen und die Pharmazentralnummer mit. Sie rief bei ihrem Arzt an, und er schreibt es nun zum Off-label-Use für sie auf.

Die Freude und Dankbarkeit kann ich nicht beschreiben- und genau dafür stehe ich in einer Apotheke vor Ort.

Eine schöne Adventszeit wünsche ich!

Über ptachen

PTA mit Leib und Seele.
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8 Antworten zu Tu Gutes und sprich darüber

  1. Alexander schreibt:

    Da kann ich unbekannterweise nur sagen: DANKE, DANKE, DANKE! Das ist so toll von Dir. Und das würde sicher keine Versandapotheke leisten. Du bist quasi der lebendige Beweis dafür, dass die Apothekte vor Ort wichtig ist.

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  2. Fachärztin schreibt:

    Ihr habt das wunderbar geregelt für den Patienten und seine Ehefrau. Aber mir geht trotzdem der Hut hoch, wenn ich so etwas höre. Der hausärztliche Kollege darf gar nicht einfach verordnungsfähige und von der Kasse zu bezahlende Medikamente auf Privatrezept verordnen. (Bundesmantelvertrag §13: „Hat der Vertragsarzt die Behandlung übernommen, ist er auch verpflichtet, die in diesem Rahmen notwendigen Verordnungen zu treffen, soweit die zu verordnenden Leistungen in die Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenversicherung fallen.“ § 18: „Vertragsärzte, die Versicherte zur Inanspruchnahme einer privatärztlichen Versorgung an Stelle der ihnen zustehenden Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung beeinflussen, verstoßen gegen ihre vertragsärztlichen Pflichten.“) Anders wäre es, wenn auch die erste Verordnung Off-Label gewesen wäre. Aber dann hättest Du das Off-Label beim zweiten Medikament sicher nicht so betont, oder?

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    • ptachen schreibt:

      Genau. Das hat mich auch furchtbar aufgeregt. Das erste war nicht Off-label, und die Kasse hat sogar schriftlich eine Kostenübernahme versichert. Reichte ihm trotzdem nicht. Ein Arztwechsel (den ich direkt nahegelegt habe) kam für den Patienten trotzdem nicht in Frage…

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  3. Pharmama schreibt:

    Super von Dir!
    Aber seltsam, wenn die Kasse die Übernahme versichert und der Arzt das dann trotzdem nicht weiter aufschreiben will. Liegt das wieder daran, dass pro Arzt (so als „Krankenkassenangestellter“ der er in Deutschland ist) pro Patient nur eine feste Pauschale pro Monat bezahlt wird und wenn die aufgebraucht ist er den Rest entweder für lau behandeln / anschauen muss und Minus macht? Dass sein Budget, das ihm die Kasse auferlegt auch mit Kostenübernahme des Medikaments aufgebraucht wird?

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    • ptachen schreibt:

      Ich denke, das ist der Grund. Immer wieder die Kosten, es ist zum heulen…

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    • Fachärztin schreibt:

      Nein, das sind zwei unterschiedliche Ebenen. Die Einkünfte des Arztes, die Quartalspauschale, das Budget im engeren Sinne, das hat damit nichts zu tun. Aber es werden auch unsere Arzneimittelverordnungen „auf Wirtschaftlichkeit“ geprüft, und zwar nicht von den Krankenkassen, sondern von unserer eigenen Selbstverwaltung. Ein Indikator für unwirtschaftliche Verordnung ist, wenn man mehr Geld dafür im Quartal „ausgibt“ als der Durchschnitt der Kollegen im gleichen Fach. Also versuchen alle, da von vornherein nicht auffällig zu werden, was natürlich wieder den Durchschnitt drückt usw. Das Prüfverfahren ist zu komplex, um es erschöpfend zu behandeln und auch noch von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich, aber dieser allgemeine Kostendruck ist überall da. Das betrifft aber nur das Verhältnis des Arztes zu seinem Aufsichtsgremium und berührt nicht das Versicherungsverhältnis zur Krankenkasse des Patienten. Die darf dem Patienten versichern, dass sie natürlich für alles die Kosten übernimmt, was der Arzt verordnet, dafür nimmt aber schlechtestenfalls die Kassenärztliche Vereinigung den Arzt in Regress, d. h. er muss die Kosten selbst tragen. Mit seinem Privatvermögen.

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  4. gedankenknick schreibt:

    Habe erst heute wieder 2 Rezepte gehabt…

    1x Zytostatikum Fertigspritze 850€ Kühlware („Bitte lösen Sie das Rezept erst direkt vor dem Termin ein, damit die Kühlware auch frisch ist!“)…. Ausstellungsdatum vor 6 Wochen. Haltbarkeit des Rezepts: 30 Tage. Das Spiel spielen wir alle 2 Monate seit 2 Jahren. Im Zweifelsfall wird dann das Datum ohne Gegenzeichnung vom verordnenden Arzt „handverbessert“, dass es aussieht wie gefälscht…

    1x Olaparib (gegen Ovarcarzinom) – Rezeptwert 4500-6500€… weiß man nicht genau, da keine Stärke verordnet und dazu eine nicht vorhandene Packungsgröße. Verordnung sah so aus: „Olaparib N1 2x täglich XXX mg“. Es gibt keine N1, Kapseln zu 50mg sind nicht austauschbar zu Tabletten zu 100mg… und die Apotheke ist mit dem Mist alleine gelassen. Notwendigkeit: Morgen. Telefonische Erreichbarkeit der Praxis: 0. Glücklicher Weise war beim Hinfahren zur Praxis (2km hin + 2 zurück) noch wer da, ansonsten wäre es wohl Essig gewesen mit den Weihnachtsfeiertagen.

    So ein Unsinn wird NIRGENDS in der Vergütungsstruktur abgebildet. Genausowenig wie die tägliche Jagd nach Venlafaxin oder Indapamid… oder L-Thyrox-Jod-Kombis oder oder oder. Oft genug bin ich dann nicht mal mehr der „Retter in der Not“, sondern der „garstige Bürokratie-Durchsetzer, der wegen Nichtigkeiten (wie seiner eigenen Bezahlung!) die Therape gefährdet“.Es ist echt zum heulen!

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