Straf-Bares

Im Moment erleben wir beinahe wöchentlich das gleiche Phänomen: Kunden möchten Medikamente ohne Rezept haben. Die Gründe dafür sind so verschieden wie unnötig:

1. Der Hausarzt hat Urlaub. Lösung: man geht einfach zur angegebenen Vertretung

2. Medikament ist leer, aber man hat keine Zeit/Möglichkeit zum Arzt zu gehen. Lösung: ein Anruf in der Praxis mit der Bitte ein Rezept fertig zu machen, das wir entweder abholen oder das uns zugeschickt wird

3. Man möchte grundsätzlich nicht „nur“ wegen der Pille zum Arzt gehen. Lösung: man benutzt Kondome

4. Es ist Samstag und die Ärzte sind nicht da. Lösung: man sucht eine Notfallpraxis/ein Ärztezentrum auf.

Die Lösung kann und darf niemals sein: man setzt seiner Hausapotheke das Messer auf die Brust, und verlangt die Herausgabe ohne Verschreibung mit der Drohung ansonsten nie mehr irgendwelche Rezepte hier einzulösen.

Das ist Nötigung, denn bereits die Herausgabe nur eines Blisters ohne gültige Verschreibung stellt einen Straftatbestand dar und wird mit teils drastischen Strafen belegt. Und ja: wir wissen es, dass andere Apotheken das teilweise trotzdem machen (leider in unserem Einzugsgebiet relativ viele). Verschreibungspflichtige Medikamente gegen Bares – das ist etwas straf-Bares! Es gibt für uns keinen Grund, es ihnen gleich zu tun. Zwei mal Minus ergeben hier kein Plus, und ich würde beispielsweise auch dann nicht klauen, wenn es mein Umfeld macht.

Ich würde mir wünschen, hier auf mehr Verständnis zu treffen – wir tun wirklich alles mögliche (und teilweise auch aufwendige) um unseren Kunden weiterzuhelfen. Uns ist kein Gespräch zu viel, kein Telefonat und kein Gang – aber die Grenze ist erreicht wenn der Gesetzesverstoß beginnt. Es wäre einfach schön, wenn das respektiert werden würde.

Über ptachen

PTA mit Leib und Seele.
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3 Antworten zu Straf-Bares

  1. Aponette schreibt:

    Genau das hatte ich im Letzten Notdienst. Mädel kam und wollte ihre Pille, die sie heute Abend wieder nehmen muß – ich sage : Notdienstpraxis in XX. Eine Stunde später ein aufgeplusterter empörter Papa, der mir befiehlt seinem Töchterchen die Pille auszuhändigen. Er war überhaupt nicht Willens zuzuhören, sonder begann Mich der unterlassenen Hilfeleistung anzuklagen! Wegen der Pille!
    Das Mädel hatte vier Wochen Zeit sich um ein Rezept zu kümmern, seit sie denletzten Blister Aus der Packung genommen hatte.
    Aber wie Du schreibst: die von mir angebotene Lösung – Notdienstpraxis – war zu unbequem, da soll ich gefälligst eine Straftat begehen.

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  2. apopfote schreibt:

    Und dann gibt es da leider noch die inkonsequenten Chefs. Nachdem man als kleine PTA tausendmal gesagt hat : „tut mir leid, geht nicht usw.“, kommt der Chef um die Ecke und auf einmal geht es doch. Auch wenn ich Recht habe, fühlt sich das echt beschissen an.

    Gefällt 1 Person

  3. stuttgarterapothekerin schreibt:

    Ich biete der Person dann an, dass sie gerne für die Zukunft mein monatliches Gehalt und die entsprechende Geldstrafe dafür zahlen darf… in Baden-Württemberg liegt die Geldstrafe bei mind. 1500 €.
    Das Ganze ist den meisten dann doch zu teuer.
    In Zukunft werd ich aber vermutlich nur noch die Kurzform von mir geben: Ok, hier Ihr Medikament, ich bekomme bitte 1785 € (Mehrwertsteuer nicht vergessen!) 😂🤣 Bei Nachfrage erkläre ich dann, wie der Preis zustande komnt…

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