Die Corona-Chroniken Teil 1

Ich könnte mir vorstellen, dass das hier eine kleine Serie werden wird, also dürft ihr gespannt sein, wie lange sie andauert.

Bis Aschermittwoch war die Lage für uns Apothekenmitarbeiter noch entspannt. Doch direkt nach den Karnevalssitzungen (honi soit…) warnte die Bundesregierung auf einmal in deutlicheren Worten vor dem Coronavirus. Das zog einige Konsequenzen nach sich.

Mit dem Stichtag Aschermittwoch also wurde die gefühlte Gefährdungslage innerhalb der Bevölkerung deutlich bedrohlicher. Hamsterkäufe bei Mundschutz, sowie Hand- und Flächendesinfektionsmitteln waren die Folge. Vielen Menschen fiel nun zum ersten Mal auf, dass das desinfizierende Handgel, das sie seit Jahren zum Virenschutz in der Handtasche mit sich herumtragen gar nicht gegen Viren wirksam ist.

Diese Panik vor dem unbekannten „Killervirus“ (was Corona definitiv!!! nicht ist) trieb die Preise für die nun rare Ware auf dem freien Markt so massiv nach oben, dass quasi die Grenze nach oben offen ist. Wer vom letzten Umbau noch einen Hundertetpack Staubmasken irgendwo im Keller findet, der kann sich damit einen Maledivenaufenthalt finanzieren.

Wir in den Apotheken mussten schauen, dass nicht nur die Panikkäufer zufrieden gestellt werden, sondern vor allem noch genug übrig bleibt um unsere Kunden in der häuslichen Pflege zu versorgen. Die brauchen das Zeug nämlich dringender. Dafür ernten wir selten Verständnis. Einmal werden wir angeschrien, einmal abgekanzelt und einmal angeweint. Es ist nicht leicht…

Recht schnell wird uns klar, dass unsere Bestände ausbluten und wir nichts mehr nachbekommen. Die WHO hat glücklicherweise eine Rezeptur veröffentlicht, wie wir uns selbst ein Händedesinfektionsmittel herstellen können. Wir versuchen irgendwo Isopropanol aufzutreiben, der dafür benötigt wird. Sogar hier sind die Lager leer. Mit viel Glück und nach mindestens 10 Telefonaten finden wir einen Anbieter, der uns 10 Liter bis zur nächsten Woche besorgen kann. Wir besprechen intern, pro Person nicht mehr als 2x100ml abzugeben, wenn das Mittel fertig ist. Zumindest bis wir irgendwo weitere Bestände auftun können.

To be continued…

Über ptachen

PTA mit Leib und Seele.
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7 Antworten zu Die Corona-Chroniken Teil 1

  1. Naya schreibt:

    Wünschenswert wäre, wenn diese Panik auch dazu führt, daß die Leute endlich mal sich dieses blöde und ekelige „in die Hand husten/niesen und direkt danach irgendwas in der Öffentlichkeit wieder anfassen“ abgewöhnen (besonders gern gemacht in öffentlichen Verkehrsmitteln, an Treppen, Türen, …)
    Dann hätte es zumindest auch etwas Gutes.

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  2. Peter schreibt:

    Verrückt. Leider ist mir (und sicher vielen anderen Menschen) unklar, ob Hände desinfizieren für Personen im nicht-medizinischen Bereich nun sinnvoll ist oder nicht. Herr Drosten sagt, das ist Quatsch, Hände waschen reicht. Unsere Betriebsärztin hingegen hat insbesondere den Menschen, die per ÖPNV zur Arbeit kommen, dringlich geraten, als erstes die Hände zu desinfizieren (anstelle Händewaschen. Auf keinen Fall Hände waschen und direkt hinterher desinfizieren, oder umgekehrt, das sei ganz falsch, sagt sie) (seit Mitte letzter Woche gibt es auf allen Toiletten einen Spender).

    Bei 2-Propanol kann ich mir aber keinen echten Engpass vorstellen. Da werden sich nur die Lieferketten einrütteln müssen. Das ist tankwagenweise verfügbar.

    Übrigens, Hände waschen, wetten, dass die meisten von euch das falsch machen? Achtet mal unauffällig darauf, ob ihr den rechten Daumen dabei genügend berücksichtigt.

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  3. Thomas Hochstein schreibt:

    Gibt es denn schon eine Ausnahmegenehmigung der Bundesstelle für Chemikalien (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin) für die Herstellung von Bioziden nach Art. 55 Biozidverordnung?

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    • gedankenknick schreibt:

      Joa…. wurde am 04.03.2020 Nachmittags erlaubt. Allerdings nur für die Isopropanol-Rezeptur gemäß WHO, und nichts anderes! Bis zum 01.09.2020 – danach dürfen alle selbst hergestellten Desinfektionsmittel entsorgt werden, weil sie dann gemäß Biozid-Verordnung zum Stichtag umwirksam werden. Hinzu kommt, dass Apotheken nur Ware in Arzneibuchqualität als Ausgangsstoffe verwenden dürfen – also Produkte, die besonders hohe Reinheitsanforderungen erfüllen. Das treibt dann den Preis nach oben – unter 10€ für 100ml läuft da nichts, und das sind nur die Einkaufspreise plus die Mehrwertssteuer, da hat die Apotheke noch gar nichts für ihre Arbeit daran verdient.

      Alternativ bietet Aldi ab Montag Kampfpreis-Desinfektionsmittel für unter 2€ pro 100ml. Na, schöne Wucherpreise in der Apotheke dann….

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  4. Alex schreibt:

    Ich bin seit vielen Jahren ehrenamtlich im Katastrophenschutz tätig. Ende letzter Woche bekamen wir von unserer zuständigen Stadtverwaltung die Anweisung, vorsorglich eine Quarantäestation für ca. 30 Personen einzurichten (eine grds. sinnvolle Maßnahme, damit man bei Notwendigkeit einer Quarantäne auf etwas Fertiges zurückgreifen kann und nicht noch groß vorbereiten muß). Wir hatten unsere Einsatzfahrzeuge noch gar nicht richtig geparkt, als die ersten Anwohner kamen und in aggressivem Tonfall fragten, was mir da machen. Wir haben aufgrund der Gesamtsituation direkt die Polizei angefordert, weil die Stimmung so aggressiv war, daß sie jederzeit hätte kippen können. Und auf einen Mob mit Mistgabeln und Fackeln hatte ich echt keinen Bock.

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  5. bombjack schreibt:

    Link zum Lesen:
    https://www.republik.ch/2020/02/28/das-coronavirus-geht-um-sollten-sie-angst-haben-und-wenn-ja-was-dann

    von der Art her würde ich sagen, er fasst es gut zusammen….und das ohne Panik….

    bombjack

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  6. gedankenknick schreibt:

    Ich habe in 3 Tagen Anfragen zu Desinfektionsmittelmengen gehabt, die sonst einem 2-Jahres-Bedarf bei mir entsprechen. Sorry, hab ich nicht. Auch für Pflegehilfsmittel habe ich NICHTS mehr. Und für die 8,21€-Pauschale für Hautdesinfektionsmittel 500ml kann ich die auch nicht selbst herstellen – dieser halbe Lieter würde mich etwa 50€ Material kosten, und damit lege ich 40€ pro Halblieter drauf. Sorry, aber die Krankenkassen haben MILLIARDEN gespart, sollen die doch ihre Versicherten versorgen. Tut mir Leid, so zynisch zu sein.

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