Die Corona-Chroniken – Teil 5

In der Apotheke läuft es wie geschildert weiter – nur etwas weniger Druck ist in den letzten Tagen zu spüren. Die Kunden fragen natürlich nach wie vor täglich mehrfach nach Desinfektionsmittel für die Hände und Flächen (das wir liefern können) und nach Mundschutzen (die wir nicht liefern können).

Toll war der Samstag, denn meine liebe Sandra hatte ihren ersten Arbeitstag mit mir zusammen nach DREI Jahren Elternzeit. Ich war so glücklich und hätte sie sooo gerne gedrückt (das hole ich auf jeden Fall nach). Sie ist also mit im „Team Chef“, was mich über alle Maßen freut!

Die Situation bringt mich tatsächlicher einigen alten Freunden wieder näher. Einer meiner liebsten Klassenkameraden aus der Abitur-Zeit lebt in der Hauptstadt. Wir hatten uns nie ganz aus den Augen verloren, ich habe ihn auch ein- zwei Mal besucht. Unser Verhältnis war aber nicht supereng in den letzten Jahren. Jetzt in der Krise schreiben wir doch deutlich mehr als früher, und er macht sich große Sorgen. Wie er mir jetzt erzählt hat, ist er seit Jahren HIV positiv, und sorgt sich darum, dass er sein überlebenswichtiges Medikament „Biktarvy“ vielleicht bald nicht mehr bekommt, weil niemand weiß wo die Wirkstoffe produziert werden.

Gab es nicht mal irgendwo eine Liste, auf der man die Produktionsorte von einigen Wirkstoffen finden konnte?

Ansonsten fühle ich mich gerade häufig gefangen. Ich habe wirklich kein bisschen Zeit mehr für mich alleine, denn sobald ich aus der Apotheke komme, empfangen mich Mann und Kind Zuhause. Einen nennenswert langen Arbeitsweg habe ich nicht, daher ist ein „runterkommen“ hier auch nicht möglich. Mein Kind ist noch so klein, dass es die ganze Situation nicht wirklich erfassen kann, und so groß, dass es deutlich merkt, wieviel Sorgen sich die Erwachsenen machen. Es reagiert mit dem Bedürfnis nach Nähe, und ich bin zuhause quasi niemals mehr als etwa einen Meter von ihm entfernt.

Da ich immer schon meinen Freiraum gebraucht habe ist das manchmal nur schwer erträglich. Ich stehe daher meist etwa eine Stunde vor meiner üblichen Zeit auf, und schreibe mir alles von der Seele, oder arbeite. Meine Schüler werden online von mir betreut und wundern sich sicher über die Rückgabezeiten ihrer bearbeiteten Aufgaben (4:50Uhr) 🙂 Dabei war ich eigentlich immer eine „Eule“ – Corona (oder das Alter *grins*) macht mich jetzt zur „Lerche“.

Soviel erst mal als Zwischenbericht von mir! Ich melde mich jetzt wieder regelmäßiger – versprochen!

Über ptachen

PTA mit Leib und Seele.
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2 Antworten zu Die Corona-Chroniken – Teil 5

  1. castagir schreibt:

    gehört nicht zum Eintrag, aber ich bewundere Euren Berufsstand. So viel Geduld zu haben den selben Text dem 151ten Kunden zu sagen, und dabei immer noch nicht mit den Augen zu rollen, das ist durchaus bemerkenswert.

    Gefällt 1 Person

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