Systemrelevante Mütter

Im Moment lese ich von vielen Autor(inn)en, die Coronakrise hätte die Frauenbewegung ins letzte Jahrhundert katapultiert. Die durchschnittliche Frau mit Kind sei nun wieder hinter den Herd verbannt, und müsse auf ihre Nachkommen aufpassen, die seit Wochen keinen Kindergarten mehr besuchen können.

Ich empfinde das anders, und wenn ich mich in meinem Bekanntenkreis umhöre und umschaue, so bin ich da nicht die Einzige.

Denn ich bin SYSTEMRELEVANT.

Da viele systemrelevante Berufe entweder im Niedriglohnsektor und/oder im sozialen Bereich angesiedelt sind, werden sie durch Frauen ausgeübt. Ob das nun gut/ schlecht oder komplett egal ist überlasse ich eurer eigenen Meinung dazu, das ist jetzt erst mal kein Thema. Doch Personen die ein niedriges Einkommen erwirtschaften, haben oft einen Partner, der das finanziell auffängt.

So kenne ich einige Krankenschwestern, PTA/PKA/MFA, Verkäuferinnen oder Pflegerinnen, deren Ehepartner einen Beruf als IT’ler, Lehrer, oder Verwaltungsbeamter ausübt, und der somit die Möglichkeit hatte im Homeoffice zu arbeiten. Das bedeutet, dass SIE raus musste in die feindliche, virenverseuchte Welt, während ER sich zuhause wochenlang um Kinder, Haushalt und Küche gekümmert hat.

Unnötig zu erwähnen, wessen Kinder jetzt wieder in den Kindergarten gehen dürfen, weil ein gewisser Jemand seinen Chef angefleht hat, ihm eine Bescheinigung auszustellen, dass er für die Arbeitswelt unverzichtbar ist, oder?

Ich nahm amüsiert zur Kenntnis, dass doch viele Männer inzwischen ein ganz anderes Bild von ihrer Familie bekommen haben, als sie es zuvor hatten. Gestandene Männer bekommen feuchte Augen, und erzählen von den letzten Wochen, als seien sie in den Krieg gezogen.

Auch die Frauen waren oft entsetzt darüber, was für ein Chaos sie empfangen hat, wenn sie nach Hause zurückkehrten. Ich denke, für viele war der Lockdown vielleicht ganz heilsam. Und ich hoffe, dass die Erkenntnis darüber, was die Partnerin so alles im Alltag leistet geht nicht so schnell runter wie der R- Wert (hoffentlich). Und ich hoffe auch, dass viele Frauen nun ein wenig stolzer auf sich sind als „vorher“. Sie sind nicht nur system- sondern auch familienrelevant. Jawohl!

Über ptachen

PTA mit Leib und Seele.
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4 Antworten zu Systemrelevante Mütter

  1. Idhie schreibt:

    Ich bin systemrelevant als Krankenschwester. Mein Mann arbeitet in Büro und macht nur gelegentlich heimarbeit. Wenn ich arbeiten muss ist der Junior im Kindergarten, wenn ich frei habe ist er zu Hause.
    Wenn Männe zu Hause arbeitet habe ich den Junior trotzdem sobald ich frei habe. Nur dann müssen wir leiser sein.
    Für mich ist das ganze anstrengender als früher, gerade weil Junior mit seinen jetzt 4 Herren versteht dass alles anders ist weil viele krank werden, und er Panik hat auch krank zu werden, und trotzdem den Kontakt zu anderen Kindern vermisse an den Tagen wo er nicht im Kindergarten ist und deswegen sehr unleidlich unterwegs ist.
    Den Haushalt mache ich alleine, da ich ja öfters daheim bin…

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  2. ptachen schreibt:

    Und zum Thema unleidlich… meiner ist jetzt die 10. Woche ohne Kindergarten und Freunde zuhause… ich denke ich muss nicht mehr sagen, oder? 😦

    Gefällt 1 Person

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