Ich hab das nicht durchdacht…

Manchmal frage ich mich ernsthaft, wie Menschen ihren Job machen, ohne zu überdenken was sie den ganzen Tag so treiben. Besonders bedenklich finde ich es, wenn der Job mit der Gesundheit zu tun hat.

Aber nun konkret: in der letzten Woche habe ich drei völlig unausgegorene Rezepturen auf dem Tisch. Dreimal verordnet vom selben Hausarzt, der offenbar keinen blauen Dunst von der Dermatologie zu haben scheint. Trotzdem fühlt er sich offenbar dazu berufen, anderen Menschen Dinge zu verordnen, did entweder hoffnungslos unterdosiert oder massiv überdosiert sind, oder deren Hauptwirkstoff inzwischen seit Jahren aufgrund der zahlreichen systemischen Nebenwirkungen obsolet ist.

Und die Antwort, die ich von ihm bekomme ist immer irgendeine billige Ausrede. Entweder hat er die Dosierung „nur von der alten Tube abgeschrieben und nicht überdacht“, oder „oh, da muss wohl das Komma verrutscht sein“, oder „die MFA gibt mir jeden Tag hundert Rezepte zum unterschreiben, da kann ich nicht jedes Mal draufgucken“.

Unsere Apotheker bekommen auch jeden Tag hundert Rezepte zum draufgucken, und wenn da etwas nicht stimmt sehen sie das sofort. Wenn nicht, dann zahlt die Krankenkasse auch kein Geld, das diszipliniert uns alle ungemein. Außerdem wäre es ein Horror, würde ein Kunde wegen unserer Unachtsamkeit einen Schaden zurückbehalten. Warum scheint das diesen Arzt nicht zu jucken?

Und wenn das ständig bei Rezepturen passiert, die wir wirklich akribisch kontrollieren, was ist dann mit den Fertigarzneimitteln? Werden diese Verschreibungen auch genauso laissez-faire gehandhabt? Wer weiß was da alles im Argen liegt? Manchmal ist es echt frustrierend…

Über ptachen

PTA mit Leib und Seele.
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7 Antworten zu Ich hab das nicht durchdacht…

  1. thhname schreibt:

    „die MFA gibt mir jeden Tag hundert Rezepte zum unterschreiben, da kann ich nicht jedes Mal draufgucken“

    Es ist sicherlich Sinn der Verschreibungspflicht, Verschreibungen ungelesen zu unterschreiben.

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  2. Aponette schreibt:

    Na, daß das auch öfters bei Fertigarzneimitteln passiert, wissen wir doch nur zu gut! Ampullen statt Fertigspritzen beim Insulin sind so ein Dauerthema. Ich frage schon immer den Patienten,, ob das auch das richtige Insulin ist, wenn es kein Stammkunde ist.

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    • gedankenknick schreibt:

      *Hehe* Am besten sind immer noch „Durchstechflaschen“ statt Ampullen oder Fertifgpens – denn die Durchstechflaschen sehen auf dem ersten Blick viel billiger aus.

      Blöd nur, dass die NUR für Pumpenbesitzer interessant sind, weil ein normaler Diabetiker gar keine passende Möglichkeit hat, die Lösung aus der Durchstechflasche heraus zu bekommen.

      Andererseits – Rezepturen bekommen doch nicht mal Fachärzte für Dermatologie korrekt gebacken. Beispiel: 1 Woche habe ich täglich mit der Facharztpraxis telefoniert, um das hoffnungslos unterdosierte und dafür überteuerte Betamethason gegen Betamethasondipropionat ersetzen zu dürfen. (Ersteres wird kaum aufgenommen und hat deshalb einen Wirkfaktor von ca. 0,01 zu zweiterem). 2 Monate später bekomme ich als Folgerezept genau dieselbe Rezeptur ohne „dipropionat“. Kopf->Tischplatte

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      • km schreibt:

        Solche Rezepturen liebe ich auch. NICHT.
        Unschlagbar, wenn der Hautarzt! verschiedenste Wirkstoffe in eine Salbe/ Creme verpackt. Hauptsache irgendein Kortison dabei, dann geht es auf Kassenrezept. Dem Patienten ist ein Privatrezept für ein Antimykotikum nicht zuzumuten.
        Telefonieren mache ich bei solchen Sachen schon lange nicht mehr. Die MFA kann mir nicht helfen, den Arzt hat man nicht direkt dran.
        Ich habe eine Faxvorlage. Ist altmodisch, funktioniert aber bei allen Ärzten.
        „Ihr Rezept vom…., Problem……, Lösungsvorschlag…..“
        Ganz wichtig ist unten ein freier Kasten mit dickem Rahmen „Stellungnahme des Arztes, Datum, Unterschrift“
        Ich habe das Gefühl, Rezepturänderung etc. per Telefon werden nicht immer in die Akten übernommen. Schriftliches schon.

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  3. gedankenknick schreibt:

    Und nun raten wir alle mal, was in exakt einem Monat passieren wird, wenn es VERPFLICHTEND wird, auf JEDE VERORDNUNG eines Fertigarzneimittels eine DOSIERUNGSANWEISUNG stehen zu haben. Strafe wenn der Arzt dieses nicht durchführt -> Nullretax für die Apotheke.

    Das haben bisher nicht mal (Haut)Ärzte bei Rezepturen geschafft, und da ist es schon seit 2012 verpflichtend.

    Hat irgendwer ne Idee dazu?

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    • ptachen schreibt:

      Die Idee wäre, die eigene Standeszertretung darüber zu informieren, dass solcherlei Forderungen (jaaa, es waren die APOTHEKER SELBST die das so haben wollten) realitätsfern und kontraproduktiv sind. Mir graust es WIRKLICH vor November…

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      • gedankenknick schreibt:

        Die Standeszertretung…. wann hat die sich denn in den letzten 10 Jahren um die Belange der Apotheken gekümmert? Seit Ende August ist bekannt, dass zum 01.10.2020 ohne COVID-Debakel-Ende die Potendienstpauschale ganz gestrichen oder zumindest auf 2,50€ halbiert wird. 2 Tage vor Inkraft treten BITTET die Standeszertretung um Erhöhung auf 7€. HÄ? Sie BETTELN um eine Erhöhung, wo die Halbierung politisch schon beschlossen war?

        Lass die mal. Ich sterbe ohne deren Beileid!

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