Digitaler Impfnachweis – die Schattenseiten

Man hört immer wieder, dass den Apotheken diese neue Dienstleistung geneidet wird. Von vielen Seiten kommt ein: 18Euro für fünf Minuten Arbeit? Da werdet ihr ja mal wieder fürstlich belohnt!
Dass es manchmal eben nicht nur fünf Minuten sind, ist vielen nicht ganz klar, und auch, dass es zeit- und nervenraubend sein kann. Auf jeden, der im „Laden“ steht kommt mindestens ein Anruf im Vorfeld

„Machen Sie auch den äääh, Dingsbums da, den äääh digitalen ääh…“

Wir wissen schon nach dem ersten ääh, worum es geht. Ja. Klar. Machen wir. Einfach vorbeikommen, dann klappt das auch.

„Ok, und wie funktioniert das dann?“

„Sie kommen zu uns, bringen ihren Impfpass und ihren Personalausweis mit, und wir stellen Ihnen dann einen Code aus, den Sie in verschiedene Apps wie die CovPass App oder die Corona-Warnapp einlesen können.

„Geht das auch mit meiner Krankenkassenkarte?“

„Nein, wir brauchen einen Reisepass oder einen Personalausweis. Ein offizielles Dokument auf dem ein halbwegs aktuelles Foto von Ihnen zu sehen ist.“

„Aber auf meiner Krankenkassenkarte ist auch ein Bild drauf!“

„Haben Sie keinen Personalausweis?“ (Oder warum diskutieren wir hier so rum verdammt, während die Kunden vorne warten?)

„Doch, doch. Hab ich Ich wollte nur wissen, warum das nicht geht.“

„Das sind nun mal unsere Vorgaben, damit der Vorgang fälschungssicherer ist. Kommen Sie einfach zu uns, dann können wir die Probleme vor Ort besprechen, ja?“

Und natürlich landet genau der Typ dann bei mir, war ja klar.

„Wir haben vorhin telefoniert. Hier sind die Sachen, die Sie verlangt haben.“

Er legt mir seinen Personalausweis und die Kopie seines Impfausweises mit den Seiten der Coronaimpfung vor.

„Tut mit leid, das geht so nicht. Ich benötige bitte den Impfpass im Original, keine Kopie. Ich muss das Dokument prüfen, das kann ich so nicht.“

„Wieso denn das??? Ich hab doch extra die Seiten mit der Impfung kopiert!“

„Ja klar. Und wer sagt mir, dass das ihr Impfpass war?“

Das Argument zieht glücklicherweise. Der Mann geht und kommt mit dem Originaldokument wieder. Wir sind inzwischen beide etwas angefressen. Ich nehme die Dokumente an mich, schaue nach ob der Name stimmt, suche die Impfaufkleber und schaue, ob das Datum plausibel ist. Ob 2x der gleiche Arzt oder das gleiche Impfzentrum geimpft hat. Ob der Impfausweis auch noch andere Impfungen enthält, und ob das Deckblatt farbgleich wie die Seiten innen aussehen. Nicht, dass jemand nur den „Deckel“ entnommen und an ein fremdes Impfbuch getackert hat.

„Sie haben es aber wichtig. Ist das denn wirklich nötig, dass sie das so kompliziert machen? Naja… ich sags ja immer… gib dem kleinen Mann von der Straße ein bisschen Macht, und er wird gleich übermütig.“

Ich knirsche innerlich mit den Zähnen, bleibe aber ruhig. Das ist mein Job.

„So bitte. Hier sind zwei QR-Codes die sie in der entsprechenden App einlesen können.“

„Nee, nee, nee. ICH kann das sowieso nicht. Das müssen schon Sie machen.“

„Welche App haben Sie denn auf dem Handy?“

„Gar keine. Ich will mir doch nicht so eine Scheiß Tracking-App runterladen, damit die immer sehen können wo ich bin!“

„Die CovPass App hat keine Trackingfunktion.“

„Na dann laden Sie mir die mal runter.“

Sein Handy hat weder Empfang noch Guthaben wie wir im Laufe der Zeit feststellen können. Er darf sich in unser apothekeneigenes WLAN einloggen. Ich will nur noch, dass er schnell verschwindet. Im App-Store lade ich ihm die CovPass App runter und scanne die Codes ein. Zwischendurch muss er es 5-6x entsperren, da es einfach ausgeht. Ich bin froh, dass ich ihm nicht noch ein Ladekabel bringen muss. Er geht grußlos – wir bekommen schließlich 18€ für den Scheiß in den Allerwertesten geblasen, nicht wahr? Leicht verdientes Geld… wollt ihr wirklich noch tauschen?

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PTA mit Leib und Seele.
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9 Antworten zu Digitaler Impfnachweis – die Schattenseiten

  1. Naya schreibt:

    Kurz angerufen, ob meine Stammapotheke das macht, hab ich vorher aber auch – weil es leider im Netz keine einfach zu findende Übersicht gibt, welche Apotheken diese Nachweise ausstellen (d.h. falls es eine gibt, habe ich sie mit meinen Suchbegriffen nicht entdeckt, und die HP meiner Apotheke hatte dazu auch keine Infos). War auch nicht ganz verkehrt, weil sie das zwar theoretisch machen würden, aber es praktisch bei denen derzeit nicht klappt. Netterweise hatte sie aber einen Tipp für mich, wo es stattdessen ging, und das war dann sehr unkompliziert (weil ich natürlich alle notwendigen Dokumente im Original dabei hatte, und den Code selber einlesen kann – aber wenn ich die Erfahrungen mit meinen Kunden und der Nutzung digitaler Angebote mir überlege, kann ich mir sehr gut vorstellen, was da alles schieflaufen kann … )

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  2. bergfalker schreibt:

    Gestern habe ich meine 2. Impfung bekommen. Dazu zwei Blatt Papier mit QR-Code, damit ich den virtuellen Pass auf das Handy laden kann. Super ist nur, dass ich weder eine App für den Code, noch eine Corona-App auf dem Handy habe. Für jeden Quark braucht man eine App. Meine Stammapotheke hat vor ein paar Wochen Werbung für den Impfausweis gemacht, das sah wie eine Karte an einem Band aus. Mal morgen nach Feierabend vorbei gehen und fragen, ob ich da auch eine App für brauche

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    • Thomas Hochstein schreibt:

      Das Argument verstehe ich nicht. Natürlich benötigt man eine App, um den digitalen Impfpass auf dem Handy anzuzeigen – wie soll es auch sonst gehen? Will man keine App auf dem Handy, kann man die QR-Codes im Ausdruck oder in anderer Form nutzen oder seinen „analogen“ Impfpass verwenden.

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  3. Thomas Hochstein schreibt:

    Es gibt keinen Anlass, dem „Kunden“ irgendwelche Apps herunterzuladen oder zu installieren – weder gehört das zu den Aufgaben der Apotheke noch ist es erforderlich, denn die QR-Codes lassen sich auch auf Papier verwenden.

    Natürlich kann man das machen, wenn man kundenfreundlich sein möchte, aber man muss es nicht, und das wird auch nicht mit der Honorierung abgegolten (so wenig wie jeder andere überobligatorische Kundenservice) .

    (Persönlich verstehe ich oft nicht, warum man sich gerade bei so offensichtlich undankbaren und unwilligen Kunden überobligatorisch Mühe gibt. Es erscheint mir eher unwahrscheinlich, dass man das gedankt bekommt, weder durch Dank noch durch positive Mundpropaganda noch durch Kundenbindung.)

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