Liebe Apotheker/innen – was sind wir eigentlich für euch?

Es begann mit einer wirklich unmöglichen Aussage eines AFD- Politikers zum Thema „Entwicklung der Apotheke“. Er sah kaum Optimierungsmöglichkeiten beim Studium und der Arbeit der Apotheker, wohl aber der (Achtung O-Ton) „Verkäuferinnen die er um sich schart.

Verkäuferin??? Ich sehe mich selbst als Beraterin, die zu Medikamenten die verordnet werden, und die im Freiwahlsortiment genau so viel zu sagen hat wie zum Thema „gesunde Ernährung“ oder Hautgesundheit. Ich sehe mich als Rezepturexpertin, die Cremes, Salben, Zäpchen, Kapseln oder Augentropfen für all diejenigen herstellt, für die es kein Fertigarzneimittel von der Stange gibt. Ich darf zudem noch kundennahe Dienstleistungen durchführen wie Kompressionsstrümpfe anmessen, Coronatests durchführen oder Medizinprodukte anpassen. Ich mache Schaufenstergestaltung, kaufe Waren ein und bearbeite Rechnungen, Gutschriften, Retouren und Angebote.

Und dann muss ich mir von diesem Mann anhören: „Die (Apotheker) haben im Gegensatz zu den PTA durch ihre akademische Ausbildung gelernt, sich Wissen anzueignen“.

Ich war platt. Der Aufschrei der PTA ließ zum Glück nicht lange auf sich warten, und auch aus einer anderen Partei kam Gegenwind. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Alexander Krauß hat sogar vorgeschlagen, PTA mit mindestens fünf Jahren Berufspraxis zu erlauben, stundenweise für einen Apotheker einzuspringen.

Der Vorschlag traf natürlich bei vielen PTA auf Gegenliebe, sieht man sich endlich einmal wertgeschätzt. Klar schmeichelt das dem gebeutelten Ego, doch ich liebäugele tatsächlich eher mit dem Vorschlag der Gewerkschaft BvPTA (der ich auch angehöre im Übrigen), einen Bachelorabschluss für PTA zu schaffen, mit dem man erst eine Vertretungsbefugnis erhält

https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/pta-live/bvpta-schlaegt-certified-person-pta-vor-bachelor-fuer-vertretungs-pta/

Weniger begeistert reagierten manche Apotheker, die natürlich sofort die Übernahme einer Apothekengründung durch den Berufsstand der PTA witterte (seltsamerweise hat nie ein Pharmaingenieur selbiges für sich beansprucht, obwohl diese ebenfalls eine Vertretungsbefugnis haben. Ich sehe dieses Szenario selbst nicht – nicht einmal weit am Horizont auftauchend. Einfach gar nicht).

Man konnte schöne Dinge lesen, die einfach mal guttaten:

…aber es kamen auch Kommentare von Apothekern, bei denen sich bei mir die Fußnägel hochrollen:

Man hat mich Pflänzchen also mit Bananen gelockt, damit ich den Kunden meine Gammelberatung anbiete, ja? Eine Steuerfachangestellte macht also meine Arbeit besser als ich, da ich nur Parapharmazie anbieten kann, weil mir während meiner Ausbildung – die sowieso jeder besteht – ja kein Wissen vermittelt wurde? Mein Chef ist mein Opfer, weil ich im HV nur singen und klatschen reproduzieren kann?

Leute ernsthaft: wer seinen PTA ein solcher Chef oder „Kollege“ ist, der darf zurecht mit dem sinkenden Schiff untergehen. Es ist traurig, so etwas zu lesen, da bin ich gerne ein „Pflänzchen“. Wen so etwas nicht verletzt, der hat keinen Funken (Berufs)ehre mehr im Leib. Klar gibt es sicher auch Ausnahmen, aber beim überwiegenden Teil der PTA die ich kenne sieht das völlig anders aus.

Wir lieben unsere Apotheke und unsere Arbeit. Und es sollte doch möglich sein, uns hier noch intensiver einzubinden, ganz abseits von finanziellen Aspekten. Dass man in der Apotheke nicht reich wird, davon können auch die angestellten Apotheker ein Lied singen. Aber es geht um die Wertschätzung, die unserer Arbeit entgegen gebracht wird.

Der Großteil der Bevölkerung kennt unseren Beruf nicht mal, wir werden nicht nur aus der Politik zu Verkäufern degradiert. Dann noch von den studierten Kollegen solche Entgleisungen lesen zu müssen…

Liebe Apotheker/innen was sind wir denn eigentlich für euch???

Über ptachen

PTA mit Leib und Seele.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Liebe Apotheker/innen – was sind wir eigentlich für euch?

  1. Naya schreibt:

    Ich weiß, daß es von denen, die euch da als Verkäuferinnen bezeichnen, anders gemeint ist, aber gut ausgebildete Fachverkäufer:innen sollten immer auch Berater:innen sein und mehr können als nur Barcodes über eine Kasse zu ziehen. Von daher finde ich den Vergleich mit dem Beruf Fachverkäufer gar nicht so verkehrt (klar, bei PTAs kommt zB noch die Rezeptur dazu)
    Das Hauptproblem sehe ich eher darin, daß viele leider zum einen nicht zwischen Ausbildungsberufen und angelernten (Aushilfs-)Jobs unterscheiden, und alles, was nicht akademisch ist, gern über einen Kamm scheren und abwerten.
    Aber es ist echt traurig, daß auch Apotheker:innen, die es doch eigentlich viel besser wissen müßten, was PTAs können, in einen solchen Chor miteinstimmen 😦 Miese Leute bei sich selber? Angst vor Konkurrenz? Oder einfach nur dumm?

    Gefällt mir

  2. Geckolina schreibt:

    Ich glaube, das Schicksal, von vielen als Fachverkäuferin angesehen zu werden, teilen sich PTAs in Teilen mit ihren Apothekerkolleginnen. Den Satz „ach, dafür muss man studieren?“ haben wohl alle Apotheker und Apothekerinnen schonmal gehört. Noch bitterer ist es natürlich, wenn der eigene Beruf in der öffentlichen Wahrnehmung gar nicht existiert.
    Ich kann mir gut vorstellen, dass dieses Standesdünkel, das in den von dir zitierten Kommentaren immer wieder durchscheint, auf Angst basiert, ersetzbar zu werden. In der öffentlichen Apotheke sind ist die Trennung zwischen den Tätigkeiten von pharmazeutischem Personal mit und ohne Approbation in der Praxis doch kaum vorhanden. Wo sie vorhanden ist, ist sie manchmal schwer zu begründen. Beispiel Einwaagenkontrolle von Wirkstoffen. In einer meiner Praktikumsapotheken musste da grundsätzlich noch ein Apotheker auf die Zahl der Waage schauen. Nichts gegen das 4-Augen-Prinzip, aber müssen es wirklich approbierte Augen sein? Ich glaube kaum, dass ich besser Zahlen lesen kann, als eine PTA.
    Das einzige, was in meinen Augen den Gehaltsunterschied zwischen Apotheker/in und PTA rechtfertigt, ist die rechtliche Verantwortung. Können PTA diese, mit der Vertretungsbefugnis, zumindest auch zeitweise übernehmen, wird auch diese Grenze aufgeweicht. (Als PTA würde ich zum PTA-Tarifgehalt die Verantwortung ehrlich gesagt nicht übernehmen wollen.) Und davor haben die zitierten Kollegen Angst.
    Der ein oder andere mag tatsächlich auch schlechte Erfahrungen mit der ein oder anderen PTA gemacht haben. Schwarze Schafe, die sich nicht weiterbilden, bei der Beratung hahnebüchene Sachen von sich geben und grundsätlich keine Ahnung haben, wenn man eine fachliche Frage hat, gibts denke ich in allen Berufsgruppen. Da kommts dann auf die individuelle Erfahrung an.
    Bei uns im Krankenhaus sind PTA die Macher, ohne die bei der alltäglichen Arbeit gar nichts läuft und auf die wir uns verlassen können (müssen).

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.