Ein dickes Problem

Schlank war ich vermutlich nie – naja… in manchen Lebensabschnitten schon, aber immer nur sehr kurz. Meistens war ich dann schlank, wenn es mir nicht besonders gut ging. Sobals ich mich wohl fühle, esse ich einfach zu gerne, oder knabbere abends bei einem Glas Wein auch mal mehr, als mir guttäte.

Aber ich hatte mein Gewicht bisher immerhin soweit im Griff, dass ich ab einer bestimmten Zahl auf der Waage die „Handbremse gezogen“ und wieder abgenommen habe – bis zum nächsten Mal. Gewicht zu halten war also kein Projekt für mich, sondern eher eine Lebensaufgabe.

Was mir an meinem Körper immer schon misfallen hatte waren meine Oberarme, die Beine und der Po. Alles war in meinen Augen unproportional kräftig. Ich gehe daher eigentlich nicht gerne ins Schwimmbad und trage seit vielen Jahren auch keine kurzen Hosen oder ärmellose Oberteile. Ich fühle mich darin unwohl, und starre ständig selbst auf diese Schönheitsmakel.

Vir etwa einem Jahr fing dann eine auch für meine Verhältnisse unbekannte Zunahme an, und ich habe seither gut 7kg zugenommen, ohne dass ich sagen konnte, dass ich mehr gegessen habe, oder mich weniger bewegt. Es wurde stetig mehr, und alle Diäten etc. haben nicht gefruchtet. Irgendwann habe ich mich dann einmal zum Arzt bewegt, und alles einmal abklopfen lassen: Niere, Schilddrüse, Gefäße. So viel vorweg – es ist alles gesund.

Der Lymphologe brachte es dann an den Tag, was ich bereits geahnt hatte: ich leide unter Lipödem. Das ist nun nicht lebensbedrohlich, aber war doch ein kleiner Schlag. Abnehmen werde ich in diesem Leben also vermutlich nicht mehr, muss aber gut aufpassen, dass ich nicht mehr zunehme. Der Arzt hat mich auch gleich darauf hingewiesen, dass ich ab sofort besser auf Kuchen, Schokolade und fettes Essen verzichten sollte, und mein Grundumsatz durch die Erkrankung ohnehin stark erniedrigt ist.

Er sagte, er sei eigentlich niemand, der vegane Ernährung empfiehlt, aber sie hätte bei vielen Patientinnen schon gut angeschlagen, damit sich die Erkrankung immerhin nicht rapide weiter verschlechtert. Erblich vorbelastet bin ich übrigens gar nicht. Woher das Lipödem also kommt kann er nicht sagen.

Gut, ich nehme die „Challenge“ jetzt einfach mal an – was bleibt mir auch anderes übrig – und stelle meine Ernährung entsprechend um. Dazu kommen Kompressionsstrümpfe und Lymphdrainage. Ich bin gespannt, ob es mir doch noch gelingt, ein für mich halbwegs akzeptables Körperbild zu bekommen. Die einzige Möglichkeit das Lipödem ursächlich zu bekämpfen ist nämlich eine Fettabsaugung, und die zahlt die Krankenkasse nicht. Mit meinem Gehalt ist sowas ebenfalls nicht drin (es sei denn ich fange jetzt kräftig an zu sparen).

Hat jemand meiner Leser hier andere Erfahrungen gemacht, und einen Weg gefunden, das fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten?

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8 Antworten zu Ein dickes Problem

  1. Bianca schreibt:

    Die Krankenkasse zahlt definitiv die Fettabsaugung, das erfordert Gutachten. Es gibt ein laut meiner ebenfalls betroffenen Freundin sehr guten Forum zum Austausch. Meine Freundin hatte bislang 6 oder 8 Fettabsaugungen, die Kasse hat gezahlt.
    https://www.lipoedem-forum.de/index.php

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  2. ednong schreibt:

    Da müsste noch ein Kommentar auf Moderation warten…

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  3. Dorit schreibt:

    Ich lese immer mal wieder in diesem Blog, der oft sehr informativ ist.
    Diese Nachricht aber tut mir wirklich sehr leid! 😳 Da ich selbst seit meiner Jugend immer wieder alle Diäten ausprobiert habe, kann ich Sie sehr gut verstehen. Aber bei dieser Diagnose hilft keine Diät der Welt.
    Bitte schauen Sie mal im Netz unter Pommelsbrunn+Lipödem. Der Ort liegt 40 km östlich von Nürnberg und ich weiß, dass es dort eine Klinik und in der Nähe ein Therapiezentrum speziell für diese Erkrankung gibt.
    Und ich meine, dass diese Erkrankung auch mal bei den Ernährungsdocs (NDR) mal Thema waren. Dort findet man immer gute Tipps und Rezepte. Ggf. können Sie sich auch direkt an sie wenden. Dr. Riedl hat m.W. eine Klinik in Hamburg.
    Ich wünsche Ihnen alles, alles Gute 🍀

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    • ptachen schreibt:

      Vielen Dank für den Zuspruch! Ich versuche mich mit der Erkrankung auseinanderzusetzen und hoffe immer noch, dass eine Ernährungsumstellung in Kombination mit Kompression und Lymphdrainage wenigstens den Erfolg hat, dass ich mit dem Ergebnis leben kann. Bislang sind gut 3,5kg weg, aber (ich vermesse mich 1x wöchentlich) tatsächlich nur an der Taille und minimal am Po. Oberschenkel- und Knieumfang bleiben gleich. Ich werde vermutlich ein extra Sparkonto anlegen, um die Liposuktion irgendwann anzugehen…

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  4. Nina schreibt:

    Ich leide auch unter Lipödem und (nach meinem Geschmack) zu kräftige Oberarmen und Unterschenkeln. Insgesamt bin ich aber schlank. In den letzen Jahren hatte ich leider auch ca. 4kg zugenommen und sie einfach nicht mehr losbekommen. Eigentlich hatte ich mich fast damit abgefunden und wollte nur keine Verschlechterung mehr. Durch ein belastendes familiäres Problem habe ich in den letzten 2 Monaten die 4kg abgenommen, fast ohne es zu merken. Zu Mittag hatte ich meist wenig gegessen, da es die Situation nicht erlaubte. Abends aß ich aber normal wie immer. Beine und Oberarme sind deutlich schlanker. Nicht, dass ich Ihnen eine solche Zeit wünschen würde, nein, aber ich will damit nur sagen, das ich auf das Gerede, das an Lipödem erkrankte Personen nicht mehr abnehmen können, nichts mehr gebe. Ich habe es am eigenen Körper erlebt, dass es geht (bei mir eigentlich unfreiwillig, der Situation geschuldet). Nur so für Sie als Info.

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