Beratung ist wichtig!

Ich führe meinen Schülern immer gerne Situationen aus der Apotheke vor Augen, die ich selbt erlebt habe, damit sie verstehen, wie wichtig eine umfassende Anwendungsberatung ist. Unsere Kunden sind keine Arzneimittelexperten, und so manches, was uns ganz selbstverständlich erscheint ist für sie erklärungsbedürftig.

Ich hatte Kunden, die sich ätherisches Öl (Pfefferminzöl) in beide (!) Augen geträufelt haben, weil sie gelesen hatten, dass ätherische Öle eine antibakterielle Wirkung haben. Ich hatte eine Kundin, die ihre Ovula geschluckt hat, was erst dann rauskam, als sie nach der dritten oder vierten Packung beiläufig beklagte, dass die „Dinger so groß sind“, und dass sie „immer Schwierigkeiten dabei hat, sie runter zu bekommen“.

Ich hatte eine Kundin, die sich nicht die Vaginaltablette mit der Einführhilfe 10cm tief eingeführt hat, sondern die Einführhilfe selbst. Sie kam dann im Krebsgang in die Apotheke um mich zu fragen, wie sie das lange Ding wieder rausbekommt. Das war in meinem ersten Jahr, und seither berate ich hier immer umfassend genau und korrekt.

Gestern war wieder so ein Fall… ein Kunde kaufte sich zum dritten Mal ein Melatonin-Einschlafspray, und ich fragte, ob er denn mit der Wirkung zufrieden ist. Er wiegte den Kopf hin und her, und meinte, er merke eigentlich nichts, wollte es aber noch einmal versuchen. In seiner Kundenkarte sah ich, dass der letzte Kauf erst eine Woche her war. Also fragte ich, wie viel er davon verwendet, und dass es eigentlich nur ein bis zwei Sprühstöße sein sollten.

Er schaute mich an: „Ja, ich weiß. Aber ich habe ein sehr großes Kopfkissen, da brauche ich immer mehr“.

Das misste erst mal ein- zwei Sekunden lang sacken, bis ich verstanden hatte was er meint. Er hat das Spray nicht unter die Zunge, sondern auf sein Kissrn gesprüht!

Dass das Melaronin so nicht wirken kann ist MIR klar, ihm aber nicht! Zeit mir an due Nase zu fassen und meine Anwendungsberatungen zu überdenken. Wie gesagt: nicht alles was uns bekannt ist dürfen wir auch bei unseren Kunden voraussetzen. Wendet er es falsch an, ist es leicht darüber zu lachen, dabei ist das in erster Linie unser „Verschulden“. Passiert mir jedenfalls nicht wieder…

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PTA mit Leib und Seele.
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2 Antworten zu Beratung ist wichtig!

  1. gedankenknick schreibt:

    Naja, das mit dem „in erster Linie unser Verschulden“ ist meines Erachtens nach relativ. Im Falle des Melatonin-Einschlafspray steht u.a. vorne auf der Packung mit Zitrone-Pfefferminz-Geschmack, was auf die korrekte Anwendung hindeutet, und bei der Dosierungsanleitung seitlich auf der Packung steht 2 Sprühstöße […] direkt in den Mund sprühen.. (Es handelt sich also auch ein wenig um einen typischen BANG-Fehler [BedinungsAnleitung Nicht Gelesen – Fehler].) Dies soll (und wird) uns sicher nicht von einer korrekten und sinnvollen Beratung abhalten. Aber meine Lebenserfahrung geht oft dahin, dass der durchschnittliche „Falschanwender“ die korrekte Anwendung vorher gar nicht erklärt haben woll(t)e.

    Ist halt ein wenig wie mit dem Asthma-Inhalator bei Dr. House („Wenden Sie ihn richtig an?“ – „Ich bin doch nicht doof!“)…

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  2. Rina schreibt:

    Herrje, die Einführhilfe hört sich schmerzhaft an.

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