Geflüchtete in der Apotheke

Wir haben schon recht früh als der Russland-Ukraine-Krieg begonnen hat in der Apotheke Sammelboxen aufgestellt. Wir sammeln dabei für die „Apotheker ohne Grenzen“, die versuchen dringend benötigte Medikamente in die Ukraine zu transportieren. Seit einiger Zeit ist der Krieg aber noch etwas näher gerückt, denn immer mehr Geflüchtete werden bei uns in der Vorstadt einquartiert.

Bei den meisten Menschen, die zu uns kommen und kein Deutsch sprechen konnten wir uns bislang mit Englisch, Türkisch oder ein paar Brocken Französisch oder Spanisch durchschlagen- das ist nun anders. Zum Glück gibt es die Übersetzungen und Beratungshilfen der Pharmazeutischen Zeitung

Die haben wir uns ausgedruckt und einlaminiert, so dass wir die benötigten Sätze ankreuzen können, oder unser/e Kunde/Kundin das machen können, und wir wischen das danach einfach mit Alkohol wieder aus.

Auch an die Sozialamts-Rezepte musste ich mich erst einmal gewöhnen. Wie war das noch? Ach ja: sie dürfen nur in dem zuständigen Regierungsbezirk beliefert werden, ein konkreter Kostenträger muss also vermerkt sein. Steht „Sozialamt“ oder eine Krankenkasse auf dem Rezept müssen Mehrkosten übernommen werden, steht die Bezirksregierung drauf, dann nicht. Rabattverträge greifen hier keine.

Probleme können dann auftreten, wenn kein Arznei- bzw. Hilfsmittelversorgungsvertrag für das Verordnete besteht. Das lässt wieder Raum für Retaxierungen. Hier ist es zumindest bei höheren Summen sinnvoll, sich im Vorfeld mit dem Kostenträger auseinanderzusetzen.

Die Zuzahlungen werden übernommen, wenn „gebührenfrei“ angekreuzt ist. Gebührenfrei sind Geflüchtete bis 18 Monate nach der Flucht. Dann werden sie pflichtig. Da wir in der Apotheke aber nicht nachprüfen können, wie lange der/diejenige bereits hier ist, gilt für uns nur das durch den Arzt gesetzte Kreuz. Das ist nicht prüfpflichtig.

Puuuh. Ganz schön viel Regelungen, die hier wieder zu beachten sind. Aber das kennen wir ja schon. Was bin ich froh, dass ich kein Berufsanfänger mehr bin, mir die ganzen Regelungen so nach und nach aneignen konnte und nicht alle auf einmal lernen musste!

Über ptachen

PTA mit Leib und Seele.
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2 Antworten zu Geflüchtete in der Apotheke

  1. gedankenknick schreibt:

    Darf ich eine neugierige Frage stellen? Wird bei Euch unter den neuen Bedingungen mit bürokratischen Overkill weiter POC-getestet werden, oder stellt ihr diese Dienstleistung zum 01.07.2022 ein?

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    • ptachen schreibt:

      Na klar darfst Du fragen, ich schreib auch noch was dazu…
      Wir warten noch, ob die Bürokratie zumindest teilweise direkt im Buchungssystem hinterlegt und ausgefüllt werden kann.
      Ansonsten stellen wir das regelmäßige Testen ein und bieten es nur noch unseren Stammkunden an, wenn sie einen dringenden Bedarf haben (bspw. Kunde über 80 der seine Frau im Krankenhaus besuchen will).
      Es ist nur noch unverschämt!

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