Rahmenvertrag

Seit dem 1. Juli gilt der neue Rahmenvertrag, und der hat es echt in sich… wir dürfen zwar jetzt relativ viel selbst ändern und brauchen dafür keinen Arztstempel plus Unterschrift mehr, aber dafür gibt es andere Schwierigkeiten.

Wir müssen jetzt immer wenn wir etwas abgeben, das den „Preisanker“ übersteigt, beim Arzt anrufen und das abklären. Dieser Preisanker ist der Preis den der Arzt durch seine Vorauswahl einer Firma setzt. Nun ist es häufig so, dass die Praxen quasi „aus Versehen“ Reimporte verordnen. Die heißen nämlich oft genau so wie das Original, nur die Firma ist eine andere. Statt Pfizer oder Glaxo steht da Kohlpharma oder Eurim, das fällt den MFA nur nicht immer auf.

Bei solchen Verordnungen gibt es dann Probleme, wenn der Patient sein Insulin vom Originalhersteller haben möchte, denn dann müssen wir jedes mal zum Telefonhörer greifen. Gefühlt sind wir seit Juli doppelt so häufig am Apparat, und ernten von Kunde und MFA absolutes Unverständnis dafür.

Dazu kommen dann wenn man Pech hat noch falsche Verordnungen- trotz der versprochenen aktuellen Arztsoftware die angeblich keine Fehler mehr macht. Keine PZN, keine Dosierung bei Rezepturen, verordnete Arzneimittel die bereits als „Außer Handel“ gekennzeichnet sind und dergleichen mehr.

Diese Situation treibt unschöne Blüten, denn inzwischen gehen manche Arztpraxen nicht mehr ans Telefon wenn wir anrufen. Wenn man drei mal täglich wegen irgendwelchem bürokratischen Blödsinn angerufen hat und es dann beim vierten Mal aber tatsächlich pharmazeutisch wichtig ist wird man nicht mehr ernst genommen. So geschehen diese Woche, als nicht mehr ans Telefon gegangen wurde weil wir eine Rufnummernübermittlung haben.

Es ging um ein akut benötigtes Medikament für einen kleinen Jungen. Es ging ihm nicht gut, und das Arzneimittel war in der Dosierung unplausibel und für uns so nicht abgabefähig. Wir haben in unserer Not die Nummernübermittlung aus gemacht. Dann ging die MFA dran – um dann aufzulegen als meine Kollegin unseren Apothekennamen durchsagte. Wir mussten dann die Eltern des schwer kranken Jungen anrufen und sie bitten, in die mehrere Kilometer entfernte Praxis zu fahren um das selbst zu klären.

Diese Situation ist belastend für uns. Wir kommen schlecht damit klar, jetzt überall nur noch als die nervenden Telefonterroristen wahrgenommen zu werden. Und in solchen Situationen ist das für Patienten sogar noch gefährlich! Wir nehmen das außerdem alle innerlich mit nach Hause und grübeln viel darüber nach, was wir anders machen können. Das macht nämlich keinen Spaß mehr, und ist doch eigentlich ein toller Beruf.

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Heile, heile Segen…

…der Garten der braucht Regen. Und wo wir gerade so schön beim Gartenthema sind will ich euch eine passende Geschichte dazu erzählen.

Vor garnicht allzulanger Zeit hat unser Chef uns eine Freude machen wollen und ein Apothekenevent organisiert: einen Ausflug in den Heilpflanzengarten der DHU. Da wir alle nicht besonders homöopathieaffin sind, hielt sich die Begeisterung darüber von Beginn an in überschaubaren Grenzen. Nun ja, ich tröstete mich mit dem Gedanken daran, ein paar Felder voller seltener Heilpflanzen zu sehen. Das ein oder andere schöne Foto für meine Sammlung sollte auf diese Weise sicher noch dazukommen.

An einem Samstag fuhren wir also in nicht vollständig gelöster Stimmung Richtung Richtung „Terra Medica“. Die Führung wurde von einer netten älteren Dame durchgeführt, die ein dankbareres Publikum als uns verdient gehabt hätte. Wir haben ihn also gesehen: den kompletten Pflanzenbedarf für zwei Jahre DHU- Homöopathie für Deutschland und Frankreich. Teilweise in einer einzigen Reihe. Manchmal reichen sogar nur drei Pflanzen plus einer Reservepflanze aus um beide Länder für zwei Jahre mit ausreichend Material zu versorgen.

Schon alleine diese Tatsache zeigt einem Laien doch deutlich, wie wenig „Material“ dann tatsächlich in seinen Globuli enthalten ist. Gerade Belladonna wird ja viel in der Pädiatrie genutzt. Das Bild zeigt (ich muss es nochmal sagen) tatsächlich den ZWEIJAHRESBEDARF! der DHU. Wir witzelten, ob wir wenn wir jetzt draufniesen würden Deutschlands Belladonna-Verwender der nächsten zwei Jahre erkältungsfrei bekämen und ernteten böse Blicke der anderen Teilnehmer.

Mein persönliches Highlight war jedoch die Zaunrübe Bryonia

Diese Pflanze gedeiht besonders gut an einen Pfahl oder Zaun gelehnt, also wurde ihr extra ein Stück desselben mitten ins Feld gebaut. Als die Dame dann erklärte, dass Bryonia deshalb bei psychischen Missempfindungen eingesetzt wird bei denen der Patient das Gefühl hat jemanden zum anlehnen zu brauchen war es mit unserer Haltung ganz vorbei.

Als wir eine kleine Hängebrücke über einem Bach überquerten, hatte eine der Teilnehmerinnen ein wenig Beklemmungen. Ich riet ihr, sich vielleicht Bryonia zuzulegen um sich etwas anlehnen zu können, reichte ihr dann aber lieber meine Hand.

Schön war auch der Giftefeu, der quasi im Hochsicherheitstrakt gezüchtet wird

Es soll nicht der Eindruck entstehen, dass hier von allem nur zwei/drei mickrige Pflanzen gedeihen, manches war tatsächlich auch in größeren Mengen verfügbar. Beispielsweise Thymian (der mir in der Homöopathie aber seltsamerweise bisher noch nie untergekommen ist).

Ich kann nur sagen, dass mir der pflanzenheilkundliche Teil der Firma (Schwabe) deutlich sympathischer ist. Am Ende der Führung bekamen wir alle noch ein Ginkgobäumchen mit nach Hause (Schwabe stellt Tebonin her), der gleich in meinem Garten einen Platz gefunden hat. Er steht nun in der gegenüberliegenden Ecke seines älteren Bruders, den ich vor etwa zehn Jahren vom Vertreter der Firma Schwabe geschenkt bekam und inzwischen stolze 5 Meter hoch ist.

Was habe ich aus dem Besuch gelernt? Die Firma selbst ist sympathisch, denn es ist nicht selbstverständlich Besucher in den eigenen Produktionsstätten zu empfangen. Die Führerin war engagiert und freundlich… aber ich bin nicht überzeugt worden. Ich bin weiterhin (und jetzt um so mehr) ein Fan des Stofflichen und der Heilpflanzenkunde. Und wenn ich mich irgendwo anlehnen muss, dann nehme ich lieber einen Menschen als eine Zaunrübe!

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Tierheilpraktiker beim BTB – Teil 19

Es ist vollbracht 🙂

Meine Ausbildung zur Tierheilpraktikerin mit dem Schwerpunkt Heilpflanzenkunde beim BTB habe ich erfolgreich mit „sehr gut“ beendet. Dank der guten Vorbereitung durch den BTB habe ich sowohl die schriftliche Prüfung, als auch die Tests, meine Hausarbeit und die praktische Prüfung bestmöglich geschafft. Und das trotz Vollzeitjob und Mutterdasein in nur 75% der angedachten Zeit. Ich hätte es zu Beginn fast nicht geglaubt, aber es ist tatsächlich schaffbar obwohl es die Themen wirklich in sich haben.

Jetzt gilt es die zweite Phase einzuläuten bei der mir der BTB auch noch unter die Arme greifen wird – wie jedem der ehemaligen Schüler noch bis zwei Jahre über die Ausbildungsdauer hinaus. Wie man sein eigenes Unternehmen gründet, was steuerlich und rechtlich zu beachten ist und auch wie man betriebswirtschaftlich rechnet gehört hier mit zur „Nachsorge“. Dazu steht etwas in den Lehrbüchern, es gibt kostenlose Seminare, auf der Homepage des BTB wird an verschiedenen Stellen weitergeholfen und es gibt kompetente Ansprechpartner für einzelne Fragen an der Schule selbst.

Ich habe bereits mit den ersten Ämtern Kontakt gehabt, bastle an einer Homepage mit Bestellmöglichkeit und habe für die ersten größeren Veränderungen T-Shirts und Taschen bedrucken lassen. Während andere aus meinem Kurs sich vor allem auf Akupunktur und manuelle Therapie spezialisiert haben bin ich mit der Heilpflanzenkunde bereit zu helfen. Da wir uns gut verstehen und auch ergänzen werden wir uns auch Patienten quasi „überweisen“ damit diese vom gesamten Spektrum der Naturheilkunde profitieren können. Die Grenzen der Selbstmedikation sind mir durch die Ausbildung und die Arbeit in der Apotheke sehr bewusst.

Wir sehen uns alle absolut nicht als Tierarzt-Ersatz sondern als Ergänzung. Besonders bereits „austherapierte“ Tiere oder Chroniker die zusätzlich regelmäßig einen Tierarzt sehen profitieren von den alternativen Methoden um Leiden zu lindern. Alte Tiere mit Arthrosen, andere mit chronischen Atemwegserkrankungen oder Hautproblemen waren bisher dankbare Kznden. Die Arbeit mit ihnen ist sehr befriedigend – die Arbeit mit den Herrchen/Frauchen fühlt sich ähnlich wie mit den Kunden in der Apotheke an.

Dankbar schließe ich das Lernkapitel beim BTB hier ab und beginne mit dem unendlich langen Lernprozess auf dem Tierheilpraktiker-Sektor der hier angestoßen und erfolgreich vorangebracht wurde. Es war mir eine Freude!

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Open Petition

Ich richte nur selten eine persönliche Bitte an euch liebe Leser meines kleinen Blogs, aber die Zeit läuft dieser wirklich wichtigen Petition davon:

https://www.openpetition.de/petition/online/pta-attraktive-3-jaehrige-ausbildung-und-berufliche-weiterentwicklung

Es geht darum, die PTA-Ausbildung um ein halbes Jahr zu verlängern. Wenn sie wie andere Ausbildungsberufe auch drei Jahre statt zweieinhalb laufen würde, dann hätten die fertigen PTA viele Vorteile davon.

Zum einen würde die Lernzeit etwas entzerrt, was die Ausbildung weniger zum Horror werden lässt. Zum anderen könnten wichtige Themen vertieft werden was den Patienten später entgegen kommt. Ganz allgemein würde der PTA-Abschluss außerdem im Ganzen aufgewertet was dringend vonnöten ist.

Ein negativer Punkt dieser Ausbildung ist der, dass sie aus eigener Tasche finanziert werden muss, wenn man nicht gerade das große Glück hat an einer staatlichen Schule genommen zu werden. Viele Schüler können sich das Schulgeld kaum leisten und nagen dadurch beinahe am Hungertuch. Und das für einen Beruf der im Normalfall nicht gerade üppig bezahlt wird. Wäre die Ausbildung dreijährig, so würde der Staat die Schulkosten tragen was sicherlich zu einem Anstieg der Schülerzahlen führen würde.

Warum mir das so wichtig ist? Ich lehre selbst an einer Privatschule diese Schüler neben meiner Tätigkeit in der Apotheke. Sie liegen mir sehr am Herzen und ich würde ihnen ein wenig mehr Zeit und Geld und später mehr Anerkennung von Herzen gönnen.

Wer von Euch noch nicht unterschrieben hat – ich würde mich freuen 🙂

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Peinlich, peinlich…

Es gibt gerade im Gesundheitsbereich einige Themen, die schambehaftet sind und mit denen die Patienten nur ungern zu anderen Menschen gehen um darüber zu reden. Im Bereich der Psyche sind es vielleicht Zwangsstörungen, in der Apotheke werden wir dagegen häufiger mit körperlichen Dingen konfrontiert.

Während es dem einen Teil der Kundschaft so gar nichts ausmacht offen über ihre körperlichen Probleme zu sprechen versinken andere dagegen beinahe im Erdboden wenn sie darüber reden sollen. Themen hierfür gibt es zur Genüge: HIV, trockene Scheide, Wurmerkrankungen, Fuß- und Nagelpilz, Prostataprobleme, Erektionsstörungen – das Feld ist quasi unerschöpflich.

Wir hatten einmal eine Dame im HV stehen, die laut und unverblümt über ihre HIV-Infektion gesprochen hat, und wie sie sich diese vermutlich zugezogen hatte. Hinter ihr stand zufällig ein weiterer HIV Patient, der quasi das genaue Gegenteil gelebt hat. Wenn er bei uns sein Rezept überreicht hat, dann wussten wir genau, dass wir diskret die Medikamente im Hintergrund in einer blickdichte Papiertüte für ihn richten müssen und diese dann wortlos übergeben sollen. Als die Dame gegangen war stand dieser Kunde leicht fassungslos vor mir und schüttelte den Kopf. Er lachte kurz auf und sagte dann: „Eigentlich ist es ja bewundernswert wie sie damit umgeht. Ich könnte das nicht!“

Und genau das ist es doch: jeder ist anders. Die eine Kundin verlangt den Chef zu sprechen um mit ihm über ihre „wahnsinnig trockenen Schamlippen“ zu sprechen, die andere Kundin spricht hinter vorgehaltener Hand über eine „Schürfwunde im Intimbereich“ und meint damit schlussendlich eine Stelle an der Innenseite ihrer Oberschenkel etwas über Kniehöhe. Mit der einen Kundin muss man in den Beratungsraum gehen damit sie ihre Zehennägel zeigt wo sie einen Fußpilz vermutet, der andere Kunde zieht Schuhe und Socken aus und schwingt den Fuß vor versammelter Kundschaft auf den HV Tisch hoch damit man draufschauen kann (übrigens eine beeindruckende sportliche Leistung).

So werden es auch eher die stillen und versteckten Menschen sein, die uns vermutlich zuerst Richtung Internetapotheke entgleiten. Da werden nicht so viele vielleicht unangenehme Fragen gestellt. Da ist es anonym und sachlich. Und genau für diese stillen und verängstigten Menschen wäre es sinnvoll, sich zu öffnen. Manchmal ist die Eigendiagnose (man lässt ja niemanden an sich ran) eben auch nicht richtig. Die Dame mit dem Pilznagel hatte eine Nagelpsoriasis, da hätte sie lange dran herumlackieren können. Eine weitere mit einem vermeintlichen Vaginalpilz hatte dann doch eine Chlamydieninfektion.

Es ist wichtig die Eigendiagnose zu hinterfragen, und zwar nicht auf Feldwebelart oder in irgendeiner Form die sich wie eine Anklage anhört. Aber auch nicht mit mitleidig schräggelegtem Kopf und Leidensmiene (wie es in Apotheken leider auch oft zu beobachten ist), sondern mit klarer Stimme, freundlichem Auftreten und vor allem mit Ruhe. Bemerkt man, dass es einem Kunden unangenehm ist über sein Problem zu sprechen, so bittet man ihn nach der Frage ob er etwas Zeit mitgebracht hat am Besten in einen separaten Beratungsraum.

Besonders schambehaftet ist meistens alles rund um das Thema Inkontinenz. Gerade Männer (z.B. nach Prostata-OPs) sind wenig begeistert Probleme in diesem Bereich dort zu besprechen wo andere Kunden mithören können. In einem Beratungszimmer können sie freier reden, sich in Ruhe die Vorlagen/Einlagen/Pants betrachten und sich Proben zum testen aussuchen. Diese Kunden sind sehr dankbar, wenn sich jemand Zeit für sie nimmt und auch die Worte mit Bedacht wählt. Das Wort „Windel“ kann sich in diesem Zusammenhang beispielsweise verletzend anhören.

Diskretion ist die große Überschrift über dem Thema, aber direkt danach kommen Einfühlungsvermögen und Kompetenz. Diskretion damit die scheuen Kunden überhaupt zu uns kommen (dafür müssen sie wissen, dass es sowas wie einen Beratungsraum überhaupt gibt!). Einfühlungsvermögen weil es das ist, das uns von Computern und reinem Click&Collect unterscheidet. Kompetenz weil die Patienten sich dann gut aufgenommen und beraten fühlen. Es gibt eine „neue Generation“ von Apothekern und PTA die sich treffen um genau so etwas in ERFA Gruppen oder im Internet miteinander zu diskutieren. Wenn da nicht nur darüber gesprochen sondern auch danach gelebt wird sind wir auf einem guten Weg!

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Arzneimittel die sonnenempfindlich machen

Sobald sich die Sonne wieder so intensiv zeigt wie in den letzten Tagen ändert sich unsere Beratung ein wenig. In den Jahreszeiten Herbst, Winter und Frühling ist es meistens nicht nötig, die Kunden darauf aufmerksam zu machen sich nicht in die Sonne zu legen wenn sie gewisse Medikamente einnehmen. Im Sommer ist es dagegen wichtig das anzusprechen, denn viele Wirkstoffe haben die unangenehme Eigenschaft, die Haut sonnenempfindlich zu machen. Dass das nicht nur für Menschen gilt habe ich im letzten Jahr bei einer Fortbildung im tiermedizinischen Bereich erfahren.

Lichtempfindlichkeit oder Photosensitivität, was bedeutet das überhaupt? Bekommt man Pustel, Pickel oder Leberflecke? Einen Sonnenbrand oder gar Verbrennungen wenn man sich ungeschützt der UV- Strahlung aussetzt? Im Prinzip ist alles davon möglich, selbst Nagelverfärbungen, Einblutungen unter der Haut oder bestimmte Tumore können sich durch die arzneimittelinduzierte Photosensitivität entwickeln. Ein aktuelles Beispiel für die Entwicklung bestimmter Formen des weißen Hautkrebs ist HCT. Jene ach dem ob die Mittel topisch oder systemisch verwendet werden können sich die Auswirkungen der UV-Strahlung auf die obere oder tiefer gelegene Hautschichten erstrecken.

Aber es muss ja nicht gleich Krebs sein. Ein kräftiger Sonnenbrand samt Blasenbildung der Haut oder plötzlich vermehrtes Auftreten von Pigmentflecken die nicht wieder verschwinden sind Grund genug die Sonne zu meiden. Achtung: hier reicht es nicht aus, einfach nur leichte Kleidung zu tragen. Selbst hinter Glas kann die UV-A Strahlung dringen und stark genug sein um Schäden an der Haut zu verursachen. Bitte also bei der Einnahme von Medikamenten die photosensibel machen so gut wie möglich im Schatten bleiben und zusätzlich mit einem hohen Lichtschutzfaktor eincremen. Das Sonnenlicht ist zwischen 11 und 15 Uhr besonders intensiv und sollte genau wie ein Solarium gemieden werden.

Folgende Wirkstoffe können die Haut gegen UV- Strahlung sensibilisieren:
Acitretin, ätherische Öle, Amantadin
Amilorid, Amiodaron, Amlodipin, Amitriptylin, Azathioprin, Benzydamin
Bezafibrat, Bendroflumathiazid,
Captopril, Carbamazepin, Chlorprothixen, Chloroquin, Chinin,
Chinolone, Chlortalidon, Citalopram, Clomipramin, Corticosteroide Cotrimoxazol, Dacarbazin, Dapson, Diclofenac, Dienogest, Diltiazem Dimenhydrinat, Diphenhydramin, Doxepin, Doxylamin, Enalapril, Ethacrynsäure, Fenofibrat, Fluorouracil, Flucytosin,
Fluphenazin, Flutamid, Fosinopril, Furosemid, Glibenclamid, Glimepirid, Goldsalze, Griseofulvin, Haloperidol, Hydralazin, Hydrochlorothiazid, Hypericin, Ibuprofen, Imipramin, Indometacin, Isoniazid, Isotretinoin Itraconazol, Ketoprofen, Lamotrigin, Levomepromazin, Lisinopril, Loratadin, Maprotilin, Mefloquin, Meloxicam
Methoxalen, Metoprolol, Methotrexat,
Nabumeton, Naproxen, Nifedipin, Nitrofurantoin, Nortriptylin, Östrogene
Olanzapin, Omalizumab, Omeprazol, Paroxetin, Perazin, Perphenazin, Phenobarbital, Phenylbutazon, Phenytoin, Piroxicam, Porfimer, Promethazin Pyrazinamid, Ramipril, Simvastatin, Spironolacton, Steinkohlenteer, Sulfadiazin, Sulfasalazin, Temeporfin, Terbinafin, Terfenadin, Tetracycline, Thioridazin, Tiaprofensäure, Topiramat, Torasemid,
Tretinoin, Triamteren, Trimipramin, Valaciclovir, Valproinsäure, Verapamil, Verteporfin, Vinblastin, Voriconazol, Xipamid

Wie man sieht ist die Liste sehr lang, und viele der aufgeführten Wirkstoffe werden auch häufig verordnet. Einiges ist auch ohne Rezept zu haben, da ist eine umfassende Beratung besonders wichtig. Das kommt erfahrungsgemäß oft zu kurz, und auch ich mache mich nicht frei davon das bei Diclofenac oder Ibuprofen häufig zu vergessen. Durch diesen Artikel erinnere ich mich dann sicher öfter mal daran die betreffenden Kunden zu warnen.

Dass selbst Tiere nicht vor den unangenehmen Begleiterscheinungen nicht gefeit sind habe ich im letzten Jahr anhand eines einprägsamen Beispiels aus der Praxis einer Tierärztin erfahren. Sie war zu einem Milchbauern gerufen worden der Probleme mit dem Euter einer seiner Kühe hatte. Es war rot, heiß, geschwollen und äußerst schmerzempfindlich als sie das Tier untersuchte. Der Bauer erzählte ihr, dass die Kuh bereits seit ein paar Tagen eine leichte Entzündung mit sich herumschleppte, sich die Symptome allerdings im Laufe des (heißen und sonnigen) Tages deutlich verschlechtert hätten.

Der Tierärztin stieg auf einmal ein eigentümlicher Geruch in die Nase den sie aus ihrer Kindheit kannte. Sie roch an ihren Händen mit denen sie das Euter untersucht hatte und tatsächlich: der Bauer hatte das gleiche Heilmittel angewandt, das ihre Großmutter auch immer bei allen Arten von Entzündungen, Verletzungen und Hautreaktionen genutzt hatte: Rotöl.

Rötöl ist ein öliger Auszug aus Johanniskraut mit dem Wirkstoff Hypericin (siehe Liste). Das unterstützt zwar tatsächlich die Haut beim Heilungsprozess, macht sie aber auch photosensibel. Die Kuh hatte dadurch einen heftigen Sonnenbrand auf dem Euter erlitten.

Das Beispiel zeigt eindringlich, wie wichtig eine gute Beratung hinsichtlich der unerwünschten Arzneimittelwirkung ist. Und jeder der auf der Liste (die sicher nicht vollständig ist) einen Wirkstoff findet den er/sie gerade einnehmen, injizieren oder auftragen muss achtet bitte auf den richtigen Sonnenschutz. Nicht, dass ihr euch noch das Euter verbrennt 😉

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5 Merkmale an denen sie erkennen, dass FOCUS- online schon im Sommerloch steckt

Bei Focus-online findet sich seit drei Tagen ein Artikel, nach dessen Lektüre angeblich auch der Laie anhand von nur fünf Merkmalen erkennen kann, ob der Apotheker der ihn berät „gut“ ist oder nicht.

Der Autor des Artikels Marcel Becker macht bei „Merkmal 1“ den aktuellen Wissensstand zu saisonalen gesundheitlichen Problemen, Grippeimpfungen und Cannabis- Rezepturen fest. „Problem 1“ das ich hier sehe: woher soll denn der Laie wissen ob das was der Apotheker ihm da erzählt stimmt? Hat sich denn der selbst ernannte Apothekentester die aktuellen Leitlinien heruntergeladen? Und woher kennt er denn selbst das Einsatzspektrum von Cannabinoiden aus dem Effeff? Naja… da die eigene Apotheke des Autors Becker umfangreiche Cannabis Beratung anbietet ist es wohl nur natürlich, dass er das dann unbedingt hervorheben muss, nicht wahr?

„Merkmal 2“ ist das umfangreiche Angebot von Gesundheitsdienstleistungen. So soll eine gute Apotheke daran erkannt werden, dass sie Kompressionsstrümpfe anmisst, Podologen und Hebammen empfehlen kann und Bludruck, Blutzucker und Vitamin D3 Messungen anbietet. Den ersten Teil kann ich noch nachvollziehen, wobei das sicher von 90% der örtlichen Apotheken angeboten wird (ich kenne tatsächlich keine einzige die das nicht macht und bin seit 20 Jahren dabei). Aber Vitamin D3 Messungen? Dienen die nicht eher dem Verkauf von entsprechenden Nahrungsergänzungsprodukten als der Unterscheidung zwischen gut und schlecht? Wenn man also den Hype um Vitamin D aus vielleicht nachvollziehbaren guten Gründen nicht mitmacht gehört man zu den Schlechten? Das sehe ich anders. Und das DKFZ und Stiftung Warentest übrigens auch. Auch im LeiKa der ABDA die der Autor eigentlich umfassenden Angebotskatalog zitiert kommt diese Messung nicht vor. Ist das vielleicht dem zweiten Standbein Herrn Beckers geschuldet, der mit seiner Firma Apovid den OTC-Verkauf in Apotheken ankurbeln will?

Merkmal 3 wäre ein gutes Ergänzungsangebot an Kosmetika und Convenience-Artikeln. Nuja… ich habe schon in einer sehr kleinen Apotheke eine sehr gute Beratung erhalten die gar nicht den Platz für ein Riesensortiment nur entfernt apothekenüblicher Ware hatte und auch eher durchschnittliche Beratungen in großen Apotheken gehabt. Das ist für mich kein Pro oder Contra Kriterium. (Natürlich ist die Apotheke des Autors groß, aber nach Punkt 1 und 2 war das ja nicht schwer zu erraten, was?)

Merkmal 4 ist die Optimierung der Medikamentengabe mittels MediGuard. Doch was ist „MediGuard“? Ich gebe zu, ich musste es googeln (Oh mein Gott… ich bin eine schlechte PTA). Und siehe da, nach kurzer Suche fand ich das hier:

MediGuard ist ein Service, der Patienten dabei hilft, die Sicherheit Ihrer Medikamente zu überprüfen und eine aktivere Rolle in ihrer Behandlung einzunehmen.
Nach einer Registrierung genießen Ihre User folgende Vorteile:
* Einen automatischen Arzneimittel Sicherheits-Check, der Ihre Arzneimittelliste nach aktuellen Nebenwirkungen und Arzneimittelwechselwirkungen durchsucht.
* Klinisch geprüfte Sicherheitsalarme und Rückrufe für Ihre Medikamente.

Aha. Eine App also in die der User seine Daten selbst einträgt. Laut dem Autor hieß es doch aber:

Dieses Merkmal ist insbesondere interessant für ältere Patienten, die sich zu Haus selbst versorgen oder von Angehörigen versorgt werden

Ist das der typische App-Nutzer? Weiterhin schreibt Herr Becker:

„Der Apotheker listet hierzu gemeinsam mit dem Patienten und in Absprache mit den behandelnden Ärzten unter anderem Ernährungsgewohnheiten und Nahrungsergänzungsmittel auf und kann so die Medikamenteneinnahme optimieren und individuell auf den Patienten abstimmen.

Das Ergebnis ist eine medikamentös „maßgeschneiderte“ Pillenbox, die die Einnahme der unterschiedlichen Medikamente über eine Woche zu den verschiedenen Einnahmezeiten vorsortiert bevorratet.“

Ich glaube da hat er irgendwas verwechselt. Das Teil heißt „Medi7“ nicht „MediGuard“ und ist eine Tablettenbox und keine App. Das ist nur noch peinlich. Herr Becker… wann haben SIE eigentlich zuletzt echte Patienten beraten?

Merkmal 5 bezieht sich dann nur noch auf Online Apotheken und das Gütesiegel das sie tragen sollten wenn sie seriös arbeiten.

Mein Fazit: vor allem Werbung für die eigene Sache und ansonsten nicht so dolle recherchiert wie man es sich für einen FOCUS Bericht erhofft. Dafür dass Herr Becker bei 3 von 5 Punkten eigentlich nur für sich selbst wirbt hätte er besser dem FOCUS für diesen Artikel Geld bezahlt. Als Anzeigenkunde.

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