Hierarchien

Letzte Woche hatten wir weiterhin vor allem mit aufräumen und ausmisten zu tun. Ich hatte ja eine Chemikalienliste aller Stoffe fertiggestellt, die zur Abfallentsorgung gehen sollen. Diese Liste faxte ich an einen Entsorger, der einen Kostenvoranschlag über 850€ machte, was uns allen doch ein bisschen zu heftig erschien. Unser Abfallverband bietet nun für Gewerbekunden 6 Abfuhrtermine im Jahr an, an denen man Laborchemikalien zu einem relativ moderaten Preis loswerden kann, sofern man 14 Tage vor dem Termin Bescheid gibt, wieviel organische/anorganische/saure/basische/quecksilberhaltige/Lösemittel/halogenfreie Lösemittel oder allgemein Laborchemikalien man zu vernichten hat. Also legte ich Birgit am Dienstag nachmittag meine Liste vor, samt verschiedenfarbigen Buntstiften und bat sie, mir die Säuren rot, die Basen blau etc. zu markieren, damit ich sie dann nächste Woche in die entsprechenden Kisten einsortieren kann. Ich hatte Dienstag früh gearbeitet und Birgit am Nachmittag, so dass ich sie nicht mehr gesehen habe. Also habe ich meine Bitte schriftlich formuliert, denn der letzte Abfuhrtermin in diesem Jahr ist der 17.11., und wenn wir 14 Tage vorher Bescheid geben müssen, was wir zu entsorgen haben wird das etwas knapp…
Ich schrieb also:

„Lieb(st)e Birgit!
Wenn sich  (unglaublicherweise) Zeit findet wäre es klasse, wenn du mal über die Chemikalienliste gucken könntest und mir markieren, was basisch, sauer, organisch, anorganisch etc. ist.
Dankeeeee Ptachen“

Wir sahen uns dann am Donnerstag wieder, und nachdem wir den Rowa runter- und wieder hoch gefahren hatten fragte ich sie, ob sie meinen Liebesbrief erhalten hätte. Sie guckte mich schräg an, und meinte trocken

„Na, wenn irgendwas mit „Liebste Birgit“ anfängt weiß ich ja schon, dass das in Arbeit ausartet. Aber ja, ich habe deine Arbeitsanweisung gelesen und befolgt.“

Hmmm. Sie hatte das zwar in einem lustigen Tonfall gesagt, aber so ganz sicher war ich dann doch nicht, ob sie nicht doch etwas gekränkt ist. Als PTA kann ich schließlich keiner Apothekerin sagen, was sie zu tun hat. Ich arbeitete noch einen Moment vor mich hin, wollte das dann aber nicht unausgesprochen im Raum stehen lassen. Ich ging nochmals zu ihr, und sagte

“ Du, Birgit, nur dass wir uns richtig verstehen. Ich weiß schon dass ich dir keine Anweisungen geben darf, und so war das auch auf keinen Fall gemeint. Du hattest nur letzte Woche gefragt wie du mir helfen kannst die Revision vorzubereiten, und damit hilfst du mir enorm. Du weißt doch viel besser in welche Gruppen die Stoffe alle gehören, ich müsste doch jeden zweiten nachschlagen. Das dauert dann einfach zu lange und wir verpassen vielleicht den Anmeldetermin.“

Sie beeilte sich gleich mir zu versichern, dass das ein Scherz gewesen war, und es ihr gar nichts ausmachen würde wenn ich ihr Anweisungen geben würde. Durch meine höhere Stundenzahl wüsste ich doch viel besser was zu tun sei etc. So ganz sicher bin ich nicht, ob das 100% stimmt. Ehrlich gesagt freu ich mir gerade ein Loch in den Bauch, dass Sandra morgen aus dem Urlaub zurück kommt, da wüsste ich sicher, dass sie solch einen Brief so versteht wie ich ihn meine. Es ist immer schwierig Arbeitsabsprachen schriftlich weiter zu geben, gerade wenn es hierarchisch zugeht. Nur ist es in so einer kleinen Apotheke nicht anders machbar. Vielleicht sollte ich dem Chef aber vorschlagen, dass Sandra zukünftig den QM Teil übernimmt, die hat fast so viele Stunden wie ich UND ist Apothekerin, da würden sich solche Unklarheiten im Umgang gar nicht erst ergeben… ich frag sie mal was sie davon hält.

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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4 Antworten zu Hierarchien

  1. Aponette schreibt:

    Also ich kann Die als Apotherkin, die regelmäßig Arbeitsanweisungen von unser QM-PTA erhält nur sagen, mir macht das nichts aus. Allerdings haben wir auch sonst ein gutes Arbeitsverhältnis. Es ist ja aber doch so: Wenn ich schon eine Kollegin frage, ob ich ihr in IHREM Arbeitsbereich etwas helfen kann, dann darf bzw. muß sie mir auch Anweisungen geben dürfen. Wenn ich damit ein Problem habe, dann sollte ich nicht anbieten zu helfen. Du bist für das Labor zuständig, zumindest habe ich Dich so verstanden, sie hat gefragt, wie sie helfen kann, Du hat sogar super nett ein Briefchen geschrieben und gut ist.
    Wenn Du für QM zuständig bist, dann hast Du das Recht auch „ranghöheren“ Anweisungen zu erteilen über QM Belange.

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  2. ednong schreibt:

    Ach ja,
    wenn sich die Leut auf den Schlips getreten fühlen und man sie nicht am Fallen hindern kann, weil sie es nicht zugeben wollen …

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  3. ich schreibt:

    Hi, ich hätte jetzt erwartet, dass alle mit einem Häkchen makiert sind.
    Da in deiner Anweisung nur,
    “Lieb(st)e Birgit!
    Wenn sich (unglaublicherweise) Zeit findet wäre es klasse, wenn du mal über die Chemikalienliste gucken könntest und mir markieren, was basisch, sauer, organisch, anorganisch etc. ist.
    Dankeeeee Ptachen”
    steht.
    Das wäre bei meines gleichen seehr gefährlich. Ganz im Stile von:

    Sagt die Frau zu ihrem Mann, „hole ein Brot und wenn sie Eier haben ein Dutzend“
    Mann geht einkaufen kommt mit ein dutzend Brote wieder.

    Mit freundlichen Gruß
    ich

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