Krankenhaus und kalter Kaffee

Mal wieder purer Irrsinn aus dem Krankenhaus. Wir erhielten letzte Woche ein Rezept aus der Kinderklinik bei dem der Stempel gefehlt hat, und ich hatte mich noch gefreut, dass diese Abteilung gleich gesagt hat, sie schicken uns ein neues Rezept. Das Medikament haben wir damals also in gutem Glauben, dass das fehlerhafte Rezept geändert wird, vorab mitgegeben. Da die Patientin gerade mal eine Woche alt war, mussten die Eltern natürlich auch nichts dafür bezahlen. Das Folgerezept kam auch prompt, dieses mal von einem anderen Arzt unterschrieben. Der Stempel mit der Adresse war glücklich drauf, nur fehlten jetzt alle Angaben zur Krankenkasse, die auf dem ersten Rezept noch vermerkt waren – es stand dick und fett SELBSTZAHLER drüber, was bedeutet dass wir es wie ein Privatrezept behandeln, und den Eltern den vollen Preis dafür berechnen müssen. Ich faxte also die Bitte um ein weiteres geändertes Rezept durch, und bekam einen wütenden Anruf aus der Kinderklinik. Warum wir denn jetzt noch ein drittes Rezept bräuchten, der Stempel sei doch drauf. Und überhaupt. Was wir denn hier für Ansprüche stellen würden, geradezu unverschämt. Sie würden jedenfalls nichts mehr wegschicken, wir sollen selbst sehen, wie wir an unser Geld kommen. Notfalls sollen die Eltern zahlen. Ich hatte absolut keine Lust mit dieser freundlichen Dame herumzustreiten, dafür fehlten mir wirklich heute Nerven und Geduld. Wir tackern jetzt beide Rezeptformulare aneinander und heften eine kleinen Begleitbrief dran bevor wir sie zur Abrechnungsstelle geben, schaun wir mal was die Krankenkasse dazu sagt.
Heute war außerdem ein immer wiederkehrendes Phänomen zu beobachten. Es ist den ganzen Vormittag nichts los, aber sobald das Frühstück und der Kaffee auf dem Tisch stehen geben sich Kunden und Vertreter die Klinke in die Hand bis alles kalt geworden ist. Es klappt wirklich zuverlässig jedes mal, ob wir nun um 10 oder 11 Uhr unser zweites Frühstück einnehmen wollen ist völlig egal. Wie eine meiner alten Kolleginnen immer sagte:

„Kalter Kaffee macht schön – aber noch schöner ist ja nicht zum aushalten“

…und schüttet ihn weg um sich einen neuen aufzubrühen. Die Kunden riechen es durch die geschlossene Tür wenn wir Pause machen wollen. Es gibt eben Dinge, die ändern sich offenbar nie, egal in welcher Apotheke man arbeitet.

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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7 Antworten zu Krankenhaus und kalter Kaffee

  1. aponette schreibt:

    Ich glaube bald bleibt uns nichts anderes mehr übrig, als alle fehlerhaften Rezepte als Privatrezept zu behandeln. Es kann doch nicht sein, daß wir den paar Kröten hinterherlaufen müssen. Wenn man dann noch die Arbeitszeit rechnet, die dafür verbraten wird, dann legen wir nur noch drauf. Heiter wird es werden, wenn das mit den Entlassrezepten kommt…. drei Tage gültig, Änderungen nur vom Arzt – hahaha

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  2. stuttgarterapothekerin schreibt:

    Waaah, Ihr traut euch was – beider DAK? Da drück ich Euch ganz feste die Daumen…
    @aponette: Das ist eine gute Idee, ich werde das mal meiner Chefin vorschlagen…

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  3. stuttgarterapothekerin schreibt:

    ups, ich schicke eine Leerstelle hinterher – kannst Du das evtl ändern? Herzlichen Dank!

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  4. ednong schreibt:

    Nun ja,
    vielleicht hilft es, wenn ihr das Fenster zumacht vom Aufenthaltsraum ….
    Das mit den Rezepten ist ärgerlich – aber auch so typisch. Das Krankenhaus trifft es nicht (mehr), wenn dann nur den Patienten. Und auch da würde – würde er sich beim Krankenhaus beschweren – dieses wieder die Schuld auf die Apotheke schieben, die sich ja nicht klar äußern kann.

    Es gibt doch sicher so Merkzettel, wo draufsteht (und ggf. abgebildet ist) was wo auf einem Rezept drauf sein muß. Davon würde ich JEDES Mal wenn ich mit der Praxis oder dem Krankenhaus zu tun habe, ein Exemplar mitschicken. Immer. Bei jeder Korrekturanfrage. Und auch bei der zweiten Nachfrage. Also wirklich immer. Bis denen das aus den Ohren herauskommt. Ist nämlich deren Papier und Tinte/Toner., das nervt die irgendwann. Und vielleicht schaffen Sie es ja dann, die Rezepte ordnungsgemäß auszufüllen.

    In diesem besonderen Fall befürchte ich einen Retax für euch – ihr seid es (leider), die auf ein ordnugnsgemäßes Rezept achten müssen. Ich würde das Ganze um Korrektur einfach an die Klinikleitung faxen. Natürlich mit einem netten Erklärbrief und dem oben erwähnten Vordruck. Ich vermute mal, die Station/der Arzt wird sich so ein Ding nicht nochmal leisten.

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  5. Old_Surehand schreibt:

    Das mit dem Kaffee kenn ich auch!
    Wenn es mal, was selten genug ist, aber im Sommer schon mal vorkommt, ganz ruhig ist und ich die Azubi zum Brötchenholen in die Bäckerei schicke ist spätestens nach 20min die Bude rappelvoll.
    Ich verstehe übrigens nicht, warum die Apotheken sich darauf einlassen und gutgläubig Medikamente auf falsche Rezepte oder gar ohne rausgeben. Fehlerhafte Rezepte würde ich nur gegen Cash einlösen und wenn der Patient das korrekte Rezept innerhalb einer angemessenen Frist bringt, dann gibts das Geld zurück.
    Ich hab immer wieder Patienten, die ohne Versicherungskarte kommen. Die bekommen von mir mittlerweile nur noch Privatrezepte, die ich bei Vorlage eines Versicherungsnachweises dann umschreibe.

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  6. OtaconHC schreibt:

    Gibt es eigentlich rechtlich keinerlei Handhabe gegen solche Pfuscher?

    Das ist eine ernst gemeinte Frage.
    Ich bin schon lange der Meinung dass der Gesetzgeber hier mal eingreifen müsste, alleine schon was die Retaxierungen betrifft.
    Eine weitere Forderung wäre dass Ärzte verpflichtet sind, mit Strafe bei nicht folge leisten, Rezepte korrekt auszugeben. Oder noch besser, sollte ein Fehler des Arztes vorliegen, darf die Krankenkasse das Geld von ihm einbehalten anstatt von der Apotheke.

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    • OtaconHC schreibt:

      Nachtrag: Ich wäre übrigens auch dafür dass ihr in solchen Fällen die Kunden schriftlich informieren dürft über den Mist der da getrieben wurde.
      Auch bei Retaxierungen wäre ich dafür dass die Krankenkassen verpflichtet werden den Kunden über jede einzelne, mit Begründung, zu informieren.

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