Rabattiert ihr noch, oder messt ihr schon?

Es gibt seit Anfang des Jahres erneut Änderungen im Abrechnungssystem für die Blutzuckerteststreifen. Kurz gesagt: es wird mal wieder komplizierter die ganzen Vorgaben und Quoten zu erfüllen, wir müssen den Kunden neue Geräte „aufschwatzen“ und uns zum x- ten mal umstellen und merken, wer jetzt gerade mit wem kooperiert. (Wer den ganzen irren Wust richtig erklärt haben möchte, der klicke bitte hier und hier). Dazu gibt es jetzt auch noch gaaanz tolle neue Geräte. Alle mit Bluetooth Funktion, koppelbar mit Computer, Handy, Iwatch und allem was der moderne Mensch so braucht, kleinerem Display, beleuchtetem Teststreifeneingang (für die optimale Bedienbarkeit in stockfinsterer Nacht unter der Bettdecke oder der Lasertag- Arena), schmal wie ein Smartphone und mit auswechselbarem Gehäuse. Die Teststreifen wie Zinnsoldaten hintereinander aufgereiht und festgesteckt. Schick. Individuell. Und für das Gros der Zielgruppe kaum mehr bedienbar. Wer trotz arthritischer, polyneuropathischer Finger diese Teststreifen einzeln rausgelöst bekommt – Respekt! Wer mit Glaukom und zuckergeschädigten Augen das kleinere Display ablesen kann – Respekt! Wem das glatte, flache Teil nicht aus der zitternden Hand fällt – Respekt! Wer mit 100 neuen Funktionen und Erweiterungstools zurechtkommt obwohl er zuhause nicht mal einen PC hat – Respekt! Ich verstehe durchaus, dass es Geräte für die jüngere Diabetikergeneration geben muss, aber bitte vergesst nicht die „Alten“. Die sind nämlich froh, wenn sie sich NICHT umstellen lassen müssen, und messen lieber mit dem Gerät das sie kennen – Rabatt hin oder her. Die Kassen sollten froh sein wenn ihre Patienten eine gute Compliance haben. Wer Angst vor dem neuen Gerät hat wird sich mit dem regelmäßigen messen erst mal schwertun. Wollt ihr das wirklich?

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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4 Antworten zu Rabattiert ihr noch, oder messt ihr schon?

  1. nickel schreibt:

    Immer wieder „schön“, wenn an der (Haupt-)Zielgruppe so derart vorbei geplant wird.

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  2. gedankenknick schreibt:

    Ich kann mich an eine Äußerung von Wolfgang Beck – seines Zeichens einer der Mitbegründre des WDR-Computerclubs – erinnern, in der er bemängelte, dass BZ-Messgeräte alle viel zu groß und klobig wären. Ich habe ihm dann als Kommentar geschrieben, dass das z.T. so gewollt ist, weil viele Diabetiker, die schon mit Folgeerscheinungen der Erkrankung leben müssen, eben winzige Displays nicht ablesen können und winzige Knöpfe nicht mehr fühlen können. Ich kann mich nicht erinnern, eine Antwort erhalten zu haben…

    Gerade kleine Displays mit hochauflösenden Pixel-Monitoren sind für Menschen mit Sehbehinderung viel schlechter abzulesen als große, einfache (und gegebenenfalls tatsächlich leuchtende) LCD-Displays – da man hier eine eingeschränkte Auswahl an Zeichen hat, die man trainieren kann.

    Ich persönlich halt es so wie auch bei der „letzten“ Einführung von Teststreifenqoten: Ich stelle KEINEN Patienten mit Gewalt um, wenn der ENDLICH sein Gerät korrekt zu bedienen gelernt hat. Dies überlasse ich den Ärzten, die dann auch für das Unverständnis der Patienten die Verantwortung tragen dürfen…

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  3. heutanonym schreibt:

    Aber klar ist a das gewollt – sozialverträgliches Ableben nennt man dat!
    Wat da die Rentenkasse spart, ey!

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  4. Sakasiru schreibt:

    Meine Tante hat inzwischen so ein Ding, wo einmal pro Woche ein Testchip in den Oberarm geschossen wird, und sie muss dann nur noch mit einem elektronischen Gerät drüberstreichen und es zeigt ihr den aktuellen Wert an. ich glaube, das Ding speichert auch den Verlauf. Vorher war das ein Krampf, nach über 40 Jahren Diabetiker waren ihre Fingerspitzen total verhornt, oft musste sie mehrmals stechen, damit genug Blut kommt. Sie ist total glücklich über diese neue Technik.

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