Die „andere Seite“

Heute stand ich mal wieder auf der „anderen Seite“ war Hilfesuchende und nicht Beratende. Mein Kind hat in der letzten Nacht dermaßen beängstigend gehustet, dass ich es heute nicht in den Kindergarten schickte, sondern mit ihm zum Kinderarzt fuhr. Ich bin dort zugegebenermaßen nicht oft, da ich das meiste einfach mit Bettruhe und meinem eigenen Kinder- Krankheitswissen behandle, ohne den Arzt zu konsultieren. Fieber zum Beispiel ohne jegliche andere Symptome – was soll ich da beim Arzt? Was soll der schon großartig dazu sagen außer: Ibuprofen oder Paracetamol geben, viel Trinken und Bettruhe? Desgleichen bei irgendwelchen Feld/Wald/Wiesenkrankheiten. Ich bin meistens dort, wenn ich bei irgendwas unsicher bin, das war in der Vergangenheit eigentlich vor allem bei Hauterkrankungen der Fall, wo mir der Kinderarzt wirklich gut helfen könnte. Heute kam ich mir eher etwas deplaziert vor. Er wirkte leicht gestresst, wunderte sich laut darüber, dass mein Kind nun ein halbes Jahr nicht hier war, und behauptete erst einmal, wir wären zur U7a nicht da gewesen (was natürlich nicht stimmt). Er blickte mich nach dem abhören verwundert an – „alles frei“ und zog die Augenbrauen hoch. Alles nach dem Motto „was wollt ihr eigentlich hier, ist doch alles gut“. Doch er war ja die letzte Nacht nicht dabei und hat nicht diesen bellenden, röhrenden Husten gehört, hat nicht das weinende Kind gesehen, das immer nur sagte, dass ihm der Hals so weh tut. Er hat nicht bis drei Uhr Nachts gesungen und beruhigt und noch Tee gekocht. Er sieht am nächsten Morgen nur eine müde Mutter und ein Kind mit leicht geschwollenen Lymphdrüsen. Und das vorm Feiertag… so unnötig! Trotzdem erleichtert mich einfach das Wissen darum, dass die Lungen frei sind und die minutenlange Hustenattacke wohl vorerst einmalig bleibt. Er sagt noch etwas wie „schonen“, „Thymian“ und „bis nächste Woche besser vom Kindergarten zuhause bleiben“ und geht eilig aus dem Zimmer. Er hört nicht einmal das „Tschüs Herr Doktor!“ das mein Kleiner ihm nach der Untersuchung erleichtert hinterherruft, obwohl er die ganze Zeit die Zähne nicht auseinander gebracht hat vor Angst, was da wohl nun mit ihm passiert. So ist es vielleicht auch oft in der Apotheke wenn jemand Rat sucht, und uns der Grund warum jemand deshalb so besorgt ist, belanglos vorkommt. Wir sehen auch nur die Spitze des Eisbergs, und vieles was zum Gang in die Apotheke oder zum Arzt geführt hat Wissen wir nicht. Ich werde versuchen zukünftig sensibler zu sein und nicht vorschnell zu urteilen… wenigstens dafür war der Arztbesuch heute sehr sinnvoll.

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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Eine Antwort zu Die „andere Seite“

  1. ednong schreibt:

    Er wird das für die übliche Feiertagspanik gehalten haben und sicher leicht gestresst gewesen sein deswegen. Ist eben auch nur ein Mensch …

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