Lehrjahre – Teil 4

Nachdem ich nun sicher war dass ich gehen will suchte ich mir eine andere Apotheke und fand eine winzigkleine in der Stadt in der mein damaliger Freund und jetziger Ex-Mann studieren wollte. Nur der Chef und ich als Vollzeitkräfte und zwei Kolleginnen  (PTA und Apothekerin) mit jeweils 12 Stunden.
Zunächst war ich nicht sicher ob ich das schaffen kann, gerade erst ausgelernt, doch der Mensch wächst mit seinen Aufgaben. Ich trank einen Kaffee mit meinem neuen Chef und hatte gleich ein gutes Gefühl. Kaffee alleine! In meiner Lehrapotheke gab es nur Tee, weil der Chef nur Tee trank. Die PKA und ich hatten es einmal gewagt Cappuccino mitzubringen… „Ach, den Damen ist der Tee wohl nicht mehr gut genug, was?“ Da wir jedesmal nur böse Blicke ernteten ließen wir die Kaffeetrinkerei damals sein. Schmeckte auch nicht mehr wenn sich dauernd jemand drüber mokiert.
Nun denn, der neue Vertrag war unter Dach und Fach – nun wollte ich der Fairness halber rechtzeitig bei meinem alten Chef Bescheid geben dass ich den Arbeitsvertrag der zum Dezember auslief nicht verlängern würde denn es war schon Anfang Oktober. Ich bat um ein Gespräch nach der Arbeit und bekam einen Termin. Dann teilte ich mit, dass ich die Apotheke zum Januar hin verlassen würde. Er hörte sich das an, lächelte und meinte er habe sich sowas schon gedacht. Ich solle jetzt mal nicht überreagieren nur wegen ein paar Unstimmigkeiten. Ich solle mir merken,  Lehrjahre seien nun mal keine Herrenjahre und auch wenn ich jetzt ausgelernt habe sei ich ja quasi noch ein Küken im Beruf. Er habe es ja viiiiiel schlimmer gehabt als er damals in einem großen Chemiewerk angefangen hätte, da wäre er nicht auf so viel Wohlwollen gestoßen wie ich jetzt. Wer außerdem mit ihm nicht auskomme, der komme mit niemandem aus. Es würde sich in meinem Lebenslauf auch nicht gut machen dauernd die Apotheke zu wechseln. Ich sagte ihm dass ich es trotzdem versuchen werde, er meinte noch falls ich nichts fände könne ich gerne hier bleiben. Nun war ich der Meinung deutlich genug gewesen zu sein, als mich 14 Tage später eine Kollegin ansprach. Der Chef habe allen gesagt sie sollten jetzt in der nächsten Zeit ein wenig freundlich zu mir sein damit ich nicht wechsle.
Also bat ich wieder um ein Gespräch uns sagte ihm deutlich dass ich in keinem Falle bleiben würde und auch schon einen neuen Arbeitsvertrag unterschrieben habe. Er fragte nur „Wo?“ und ich sagte dass ich ihm das nicht erzählen möchte. Ich hatte Angst er ruft dort an und erzählt irgendeinen Mist über mich. Die freundliche Fassade fiel nun endgültig bei ihm und er erklärte mir daß ich ab morgen den Dienst in der Apotheke seiner Frau aufnehmen solle. Er könne mich nicht mehr sehen.
Dort hatte ich immer mal wieder gearbeitet wenn ihr wieder mal eine Angestellte gekündigt hatte was bei dieser Ziege häufiger vorkam. Ich bedauerte es etwas mich nicht mehr bei meinen Kolleginnen verabschieden zu können, aber die paar Wochen bis zum Ende verbrachte ich leichten Herzens, in der Gewissheit dass es nur noch besser werden kann!

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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4 Antworten zu Lehrjahre – Teil 4

  1. ednong schreibt:

    Haha,
    ja, das mit dem Wechsel und Nicht-Erzählen habe ich nun in dem vorherigen Post als Kommentar. 😉 Egal. Immerhin hast du dann ja eine recht nette Stelle gefunden, wenn du noch heute dort bist (wie mir scheint).

    Und hey – zum Glücklichsein gehört kein Studium!

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  2. Aponette schreibt:

    Ich muss sagen, toll, daß Du diesem Ekel trotzdem freundlicherweise vorher informiert hast, daß Du gehst. Nur weil er sich nicht benehmen kann, muss man nicht selber seine eigenen Standarts an Umgangsformen ignorieren. Ich persönlich fühle mich dann schlecht, also noch schlechter, und das ist die kurze Befriedigung jemandem eins reingewürgt zu habe nicht wert.

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    • ednong schreibt:

      Och, wieso reingewürgt? Wenn es laut Arbeitsvertrag nicht notwendig ist, da dieser eh endet? Ich sehe da eher den Zugzwang auf seiten der Apotheke – der Inhaber sollte da eher seine Mitarbeiterin darüber informieren, dass er den Vertrag verlängern will. Und das nicht bis zum letzten Tage hinausschieben, wie das ja teilweise sogar im öffentlichen Dienst gemacht wird.

      Das REinwürgen habe ich da gar nicht so gesehen, sondern eher ein „wenn er mich sowieso nicht haben will, weil er nix sagt, dann wechsel ich eben, bevor er etwas sagt“. Wenn des AG Meinung ist, am letzten Tag reicht, dann reicht das doch auch umgekehrt, oder?

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  3. Pingback: Donnerstagskaffee | apothekentheater

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