aut idem Wahnsinn

Donnerstag abend als ich gerade dabei bin die Aufträge für den nächsten Tag zu bearbeiten kommt Maria plötzlich aufgeregt zu mir nach hinten und wedelt mit einem Rezept.
„Schau du bitte auch noch mal drauf, ja? Kann das mit der Abrechnung stimmen?“
Ich gebe das Medikament in den Computer ein – „Femara“, verordnet von einer Klinik, und sehe gleich das Problem.
Femara ist ein Original für das es bereits günstigere generische Anbieter gibt. Die Krankenkassen zahlen nur noch den Betrag den die Generika kosten, den Rest muss der Patient aus eigener Tasche zahlen. Bei diesem Medikament nun liegt der Eigenanteil bei satten 500€. Dass unser Kunde bei Nennung des Betrages fast der Schlag getroffen hat dürfte klar sein…
Wir hätten jetzt gerne das Generikum „Letrozol“ von irgendeinem rabattierten Hersteller abgegeben, nur befand sich auf dem Rezept das an anderer Stelle so begehrte „aut idem – Kreuz“ was besagt dass der Arzt auf genau diesem Hersteller besteht. Anrufen im Krankenhaus zu dieser Zeit wäre unsinnig gewesen. Ich bestellte für den nächsten Tag „auf Verdacht“ das Letrozol und versprach unserem verunsicherten Patienten dass ich mich darum kümmere.
Freitag früh um 7.45Uhr war dann direkt meine erste „Amtshandlung“ dass ich in der Klinik anrief. Zum Glück war die (sehr junge) Ärztin greifbar, so dass ich sie gleich fragen konnte warum sie auf dem Kreuz beharrt, und dass das für den Patienten einfach unerschwinglich ist. Die Reaktion war basses Erstaunen:

„Wie? Was? Ich habe doch extra ein Kreuz gemacht DASS sie es austauschen können!“

Ich klärte sie auf dass genau das Gegenteil der Fall ist.

„Sie wollen sagen dass ich das jetzt IMMER falsch gemacht habe? Oh nein!“

Jedenfalls war sie so nett uns ein neues Rezept zukommen zu lassen und war für die Info durchaus dankbar.
Diese ganzen Formalitäten die man bei der Rezeptausstellung beachten muss nehmen aber auch überhand!
Dem Chef sind jetzt Reataxationen ins Haus geflattert im Wert von gut 400€. Der wird sich ja am Montag freuen… aber dazu morgen mehr!

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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8 Antworten zu aut idem Wahnsinn

  1. ednong schreibt:

    Oh? Der Artikel zweimal?

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    • ptachen schreibt:

      Das war ein billiger Versuch die 100 Artikel in Folge voll zu bekommen 😉
      Nee, war ein upload-Fehler und ich hab die Taste doppelt gedrückt. Ist erledigt, Danke!

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      • ednong schreibt:

        Äh ja,
        nur ist jetzt mein Kommentar aus dem anderen Post weg … 😦

        Könntest du den nach hier transferieren? Gelöschte Posts findest du im Papierkorb …

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  2. ptachen schreibt:

    Hier dein Kommentar lieber ednong – Sorry…

    Ich finde es auch ziemlich sche*e, dass das Kästchen derart vermurkst wird. Wenn ich des bißchen Latein richtig bin, heißt es ja genau das, was die Ärztin dachte: „oder Gleiches“ – also „darf ausgetauscht werden“.

    Ich vermute mal, dass dahinter die Kranken Kassen sitzen, hinter dieser Verkehrung. Man hätte das Kästchen umbenennen sollen, wenn man den Sinn ändern will – vielleicht in „non item“ oder so.

    Und wahrscheinlich kommt die Ärztin aus der Schweiz – oder ist wirklich gut in Latein.

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    • gedankenknick schreibt:

      Ursprünglich war es tatsächlich so gedacht, dass beim Ankreuzen des Kästchens durch den Arzt ein Austausch „erlaubt bzw. erbeten“ wurde. Nur hat kein Arzt dieses Kästchen je beachtet. Folgerichtig wurde also im Zuge der Einführung der Rabattverträge 2007 die Bedeutung des Kästchens invertiert – d.h. der Arzt wünscht (per Gesetzesregelung) ohne Kreuz nun den Austausch auf den Rabattartikel. Genau dies nun hatten sich die Kassen ja gewünscht, dass der Arzt (unwissentlich?) den Rabattartikel fordert – so konnte die Kasse dem Versicherten sagen: „Arzt wollte das ja so!“

      Da sich viele Ärzte leider von den Gesetzes- und Vertragstexten um die „ordnungsgemäße Ausstellung eines Muster-16-Rezepts“ eher peripher tangier fühlen – siehe die aktuelle Debatte um Vornamen, Telefonnummer und Betriebsstättennummer im Stempel – und für Fehler bei dieser eben nicht ordnungsgemäßen Rezeptbeschriftung aber die beliefernden Apotheken bluten dürfen (Stichwort „Stempelretax“), und die KBV auch noch festgestellt hat, dass der ausstellende Arzt seinen nachgetragenen Vornamen mit siner Unterschrift bestätigen muss, sonst sei das Rezept ungültig… sehe ich wenig Hoffnung auf baldigige Verbesserung der Situation.

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  3. Knäckebr0t schreibt:

    also bedeutet das Ankreuzen jetzt dass der Arzt ausdrücklich keine Substitution wünscht? 😀

    dann haben die uns das hier im Studium falsch beigebracht *lach*
    (1. sem Pharmazie)

    LG
    Knäcke

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