Von allem etwas 

Bergen war heute früh ein wenig erkältet und leidend. Als sie sich entkräftet gegen meine Schulter sinken lassen wollte überprüfte sie erst einmal ob ich inzwischen einen neuen Kittel angezogen habe – hatte ich. Sie zog also den Reißverschluss runter und lehnte sich an mein schwarzes Sweatshirt. 

„Nicht dass ich Dir wieder den Kittel schmutzig mache…“

Witzbold 😉 

Witzig war auch der Anruf eines Herren, der glücklich verkündete 

„Ich wollte nur Bescheid sagen, dass ich es gefunden habe!“

Was haben Sie denn gefunden wenn ich fragen darf?“

„Na mein Medikament! Ich hatte es nämlich auf den Schrank gelegt und nicht auf den Tisch wie sonst immer. Jetzt ist es jedenfalls wieder da, danke!“

Sprachs und legte auf – wir werden wohl nie erfahren warum er uns das mitteilen musste. Das war allerdings der einzige kurze „Freaky Friday“ Alarm, alles andere hätte auch an jedem anderen Tag passieren können. Zwei Teerezepturen, zwei Nasensalben, eine Vorratsherstellung Magenpulver und eine Abfüllung von Lanolin waren in der Rezeptur zu erledigen und ein Vertreter besuchte uns am Vormittag. Bergen kümmerte sich um ihn und wurde ein klein wenig angebaggert. Als ich sie scherzhaft darauf ansprach empörte sie sich

„Du hast mich beobachtet!!! Mach dich mal nicht beliebt Ptachen!“

„UNbeliebt Bergen! Es heißt UNbeliebt!“

schaltete sich der Chef ein.

„Pöh! Ich hab das so gelernt und fertig“

schmollte unsere Wahldeutsche

„Außerdem ist es nach 10 und ich mach jetzt Frühstück“

„Bergen es ist 9. 45Uhr!“

„Aber nicht in der Türkei!“

Diese Logik ist jedenfalls unbezwingbar! Nach dem Frühstück gab es im HV noch ein Pipipfützchen unbekannter Herkunft zu beseitigen, mehrere Telefonate mit Arztpraxen zu führen und mein Wissen über feuchte Wundheilung aufzufrischen. Ein verordnetes Wundgel war nämlich nicht zu bekommen und ich wollte der Praxis gleich eine lieferbare Alternative aufzeigen statt nur mitzuteilen was NICHT geht. (Stimmt also der Satz von gestern – PTA sind multifunktional einsetzbar:  HV, Rezeptur, Wareneingang, Raumpflege – hihihi). Der Vormittag verflog schnell, und der Nachmittag war geprägt von einer Kundenfrequenz wie an einem Landbahnhof – entweder die Bude stand proppenvoll mit Kundschaft die natürlich alle mit der EC Karte zahlen wollten während unser Gerät mal wieder schmollte (Na? WER hat es vor kurzem noch beschrien?), oder es herrschte so gähnende Leere dass der berühmte Busch hätte vorbei rollen können

Aber auch diese Zeit war gut zu füllen mit Vertreteravisen bearbeiten, die fehlenden Packmittel in der Rezeptur zu ergänzen, Kaffee zu trinken und uns über die Politik und manche Standesvertreter zu ärgern. Der Nachmittag war genau so schnell verflogen wie der Vormittag, und am Abend standen wir wie gestern beim Tagesabschluss staunend vor der Kundenzahl. Der Chef meinte mit dem Zähler stimme irgendwas nicht, aber ich sage wir sind einfach gut! Tschakka!

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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4 Antworten zu Von allem etwas 

  1. ednong schreibt:

    Sie zieht dir den Reißverschluss runter? Mitten in der Apotheke? Oha, macht ihr jetzt ne Peep-Show, um Kunden anzulocken? 😉

    Gefällt mir

  2. Pingback: Zuckerbier und Wohlstandsnägel – Teil 1 | apothekentheater

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