Demenzkranke Versuchskaninchen?

Einen Tag nach der schlagzeilenträchtigen US Wahl wurde hier ein Gesetz durchgewunken, was man noch vor 3 Jahren abgelehnt hat. Darin wurde beschlossen, dass Arzneimitteltests an Demenzkranken auch dann gestattet sind, wenn sie den Probanden selbst nichts nutzen können. Der ein- oder andere versucht nun abzuwiegeln, dass die Versuchsdementen dafür in zurechenbarem Zustand eingewilligt haben müssen, aber ich empfinde das persönlich als ein absolut falsches Vorgehen. Ein Staat der es ablehnt, dass Menschen sich beim Selbstmord unterstützen lassen darf so etwas eigentlich nicht gutheißen. Warum? Weil es quasi die gleiche Argumentation wie bei der aktiven Sterbehilfe ist, die dagegen spricht. Es gibt zum Beispiel schwer krebskranke Schmerzpatienten, die wünschen sich, dass man ihr Leiden durch Medikamente beendet. Der Staat glaubt, dass ein Mensch – wenn er optimal palliativ  betreut würde, diesen Weg nicht wählen würde. Das bedeutet also dass der Gesetzgeber es ablehnt, dass eine Person im soweit geistig gesunden Zustand entscheidet wie mit ihrem Leben und ihrer Gesundheit verfahren wird. Bei Arzneimitteltests wird aber anders entschieden? Wer kann schon sagen ob er als dementer Mensch unbedingt noch irgendwelchem zusätzlichen Risiken oder Beschwernissen ausgesetzt sein möchte? Es gibt Risiken in die man als gesunder Mensch einwilligt, weil man vielleicht nicht überblicken kann, wie man sich als Kranker damit fühlt. Wenn Karl Lauterbach meint, dass man den Dementen quasi ihre Menschenwürde abspräche wenn man ihnen nicht erlauben würde diese Tests über sich ergehen zu lassen:

„Mit welchem Recht spreche ich den Demenzerkrankten ab, sich selbst verwirklichen und noch einen Beitrag – nach klaren Regeln – leisten zu wollen?“

Wie zynisch ist das denn bitte? Vor allem stellt sich doch auch die Frage „Qui bono?“ Deutschland liegt laut „Pharma Dialog“ weltweit ohnehin auf dem zweiten Platz was die klinische Forschung angeht. War es wirklich unbedingt nötig die Gesetzgebung in diesem Punkt derart aufzuweichen?

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Über ptachen

PTA mit Leib und Seele. Mittleres Alter, mittleres Gewicht, mittlere Optik. Meistens freundlich (bringt der Beruf so mit sich), etwas chaotisch, viel erlebt, viel gelitten. Bin jetzt mit mir im Reinen :-)
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6 Antworten zu Demenzkranke Versuchskaninchen?

  1. -thh schreibt:

    Ohne mich mit dem Gesetzentwurf näher befasst zu haben oder ihn beurteilen zu können – der im Blogbeitrag gezogene Vergleich ist schief.

    «Ein Staat der es ablehnt, dass Menschen sich beim Selbstmord unterstützen lassen darf so etwas eigentlich nicht gutheißen. Warum? Weil es quasi die gleiche Argumentation wie bei der Sterbehilfe ist, die dagegen spricht.“»

    „(Hilfe beim) Selbstmord“ und „Sterbehilfe“ sind nicht dasselbe. Es hilft möglicherweise, indirekte, passive und aktive Sterbehilfe zu unterscheiden.

    Rechtlich zulässig sind dem (mutmaßlichen) Willen entsprechende Behandlungsmaßnahmen auch dann, wenn sie lebensverkürzend wirken, bspw. eine suffiziente Schmerztherapie (indirekte Sterbehilfe). Gleichfalls rechtlich zulässig ist es, wenn dies dem (mutmaßlichen) Willen des Patienten entspricht, weitere lebenserhaltende/lebensverlängernde Maßnahmen zu beenden, bspw. eine Beatmung (passive Sterbehilfe). Unzulässig ist es hingegen (allein), den Patienten zu töten, bspw. durch Gift (aktive Sterbehilfe). – Die bloße Hilfe beim Selbstmord ist im übrigen ebenfalls straffrei, wenn auch im Zweifel rechtlich missbilligt.

    «Viele wünschen sich zum Beispiel, dass man eine „Maschine abstellt“, sollte man sich im jahrelangen Koma befinden. Das wird abgelehnt da man eben nicht wissen kann, ob man als Gesunder so entscheidet, dieses Leben aber als Kranker vielleicht doch als lebenswert empfindet. Das bedeutet also dass der Gesetzgeber es ablehnt, dass eine Person im soweit gesunden Zustand entscheidet wie mit ihrem Leben und ihrer Gesundheit verfahren wird, wenn sie es nicht mehr selbst entscheiden kann.»

    Nein, gerade nicht. Eine Patientenverfügung, gestützt durch eine Betreuung (oder entsprechende Vorsorgevollmacht), ermöglicht genau diese Art von Entscheidungen; das entspricht dem expliziten Willen des Gesetzgebers, der daher die entsprechenden Vorschriften geschaffen hat.

    Die Schwierigkeit in der Umsetzung besteht „nur“ darin, festzustellen, was der Kranke (als Gesunder) wirklich gewollt hätte, ob die Patientenverfügung also aktuell ist und auf die derzeitige Situation auch wirklich passt. Das ist nicht immer ganz einfach zu beurteilen.

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  2. BJ68 schreibt:

    […] Die bloße Hilfe beim Selbstmord ist im übrigen ebenfalls straffrei, wenn auch im Zweifel rechtlich missbilligt.[…]

    LOL….sorry….das möchte ich live sehen, was mit einem Arzt passiert, der mir eine letale Dosis Pentobarbital auf Btm-Rezept verschreibt, damit ich es im Fall des Falles selber nehmen kann.

    Bj68

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    • gedankenknick schreibt:

      Pentobarbital gibt es in D bloß als Veterinär-Produkt. Eine Verschreibung durch einen Humanmediziner ist nicht gestattet. Die Apotheke hat die Belieferung zu verweigern, es sei denn Sie heißen im realen Leben „Hasso von der Couch“ und führen als zusätzlichen Familiennamen noch „Canidae“.

      Davon abgesehen ist das Produkt nicht über den normalen Großhandel lieferbar. Soweit ich mich erinnern kann, versucht die USA seit Jahren, den Weltmarkt aufzukaufen für ein gewisses staatliches Präventionsprogramm…

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      • BJ68 schreibt:

        Okay…dann eben Luminal oder Trapanal…..ändert aber nichts an der ursprünglichen Behauptung von mir….

        Bj68

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      • gedankenknick schreibt:

        Luminal (in D):
        Ausgenommene Zubereitung gemäß BtM-Gesetz. Zur Verordnung und Abgabe ist kein BtM-Rezept notwendig. Es gelten jedoch die betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften über die Einfuhr, Ausfuhr und Durchfuhr [nach/aus/durch Deuschland]. Könnte der Arzt verordnen, bis die Druckertinte alle ist.

        Trapanal:
        Fällt bei der Abgabe nicht unter BtMVV. Kann der Arzt verordnen, bis dei Feder glüht. Darf die Apotheke aber nicht beliefern – und zwar NUR deshalb, weil es das Produkt NUR in Klinikpackungen gibt, die nicht in den Handel außerhalb der Klinik-Handelskette kommen dürfen. Andere Thiopental-Injektionslösungen gibs ganz normal via Rezept…

        Aber unabhängig davon stimme ich der Grundaussage zu, dass ein Arzt das wohl nicht machen wird aus unterschiedlichen Gründen… 😉

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