Alkohol ist der Retter in der Not…?

Nach dem Lesen dieses Artikels kam ich ins grübeln… ist es in Deutschland grundsätzlich zu einfach an Alkohol zu gelangen? Sind wir ein Land voll unbehandelter Trinker? Und wie gehen wir in der Apotheke mit Alkoholkranken um?

Ich muss zugeben – selbst wenn ich bemerke, dass einer unserer Kunden immer wieder alkoholisiert ist, spreche ich ihn oder sie nicht darauf an. Ich denke auch, dass es relativ sinnlos wäre und an der Situation nichts ändern würde… oder doch?

Würde sich die Vertreterin, die immer einen Pfefferminzkaugummi kauend und mit ihren geplatzten Äderchen auf den Wangen bei uns vorspricht über das Thema Gedanken machen? Einfach nur weil ihr mal jemand sagt, dass er bemerkt hat, dass bei ihr etwas nicht stimmt? Vielleicht…

Bereits auf der PTA Schule hatten wir eine trinkende Chemielehrerin, die grundsätzlich mit einer Tasse herumlief. Darin war aber weder Kaffee noch Tee, sondern Chlorhexamed Gurgellösung, damit sie immer mal zwischendurch davon nippen konnte damit niemand ihre Fahne bemerkt. Den „Asbach“ hatte sie in kleinen Fläschchen überall im Labor versteckt, damit sie immer mal davon nippen konnte. Wie mir zu Ohren gekommen ist, ist sie Jahre später dann betrunken in den offenen Reagenzienschrank gefallen – erst dann hat die Schulleitung reagiert. Hätte es geholfen wenn schon eher mal ein Schüler zu ihr gekommen wäre um das Thema anzusprechen?

Auch eine Kundin war vor Jahren einmal bei mir um Antabus Tabletten zu kaufen, die sie ihrem trinkenden Ehemann heimlich unterjubeln wollte. Mal davon abgesehen, dass diese Tabletten in Deutschland keine Zulassung haben konnten wir die Kundin glücklicherweise davon überzeugen, dass das keine gute Idee wäre. Die Nebenwirkungen wären derart stark wenn ihr Mann wieder zur Flasche greift, dass sie davon absah sich die Tabletten illegal im Internet zu besorgen. Aber reicht das? Hätten wir nicht mehr für sie tun können?

Was habt ihr denn für Erfahrungen mit alkoholkranken Kunden gemacht? Und habt ihr eine Idee ob es sinnvoll wäre sie darauf anzusprechen?

Über ptachen

PTA mit Leib und Seele.
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5 Antworten zu Alkohol ist der Retter in der Not…?

  1. Pharmama schreibt:

    Grosses Problem – über das man nicht gerne redet. Ich habe in der Apotheke schon beides gesehen, die Patienten, die immer wieder mal mehr als angetrunken oder mit Fahne kommen, und wo der Arzt das tatsächlich weiss und versucht etwas zu machen. Andere, wo anscheinend nichts derartiges passiert. Gelegentlich auch wirkliche “ Fehldiagnosen“ wo der wohl gutmeinende Arzt das angesprochen hat – und die Leberprobleme oder gar Bewusstseinstrübung nicht vom Alkohol kamen … Es ist echt schwierig in der kurzen Zeit, die man die Leute in der Apotheke sieht da richtig zu reagieren. Wobei ich das inzwischen versuche anzusprechen, vor allem, wenn das etwas Neues ist (für uns). Immerhin könnte die verwaschene Sprache und andere Zeichen nicht nur auf Alkoholkonsum sondern auf andere medizinische Probleme zurückzuführen sein …
    Aber falls es Alkoholismus ist, wird das Ansprechen darauf alleine kaum etwas bringen.

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    • ptachen schreibt:

      Danke schön! Das mit der lallenden Aussprache als Aufhänger für ein eventuell vorhandenes medizinisches Problem zu nutzen ist eine gute Idee! Dann fällt man nicht gleich mit der Tür ins Haus, aber Personen die sich mitteilen WOLLEN werden es vielleicht tun.

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  2. Shark schreibt:

    Ich weiß nicht, ob es etwas hilft, wenn sie von Fremden hören, was sie selbst doch schon längst wissen – nämlich dass sie ein Alkoholproblem haben. Ich fürchte, da muss in ihrem Leben mehr passieren, bis sie das Ruder herumreißen.
    Bei Arbeitskollegen denke ich, führt ein Ansprechen auch nur dazu, dass sie ihre Vorräte besser verstecken.
    Ansonsten hilft es wohl nur etwas, wenn das Image von Alkoholkonsum wegkommt vom Geselligkeits- und Gastfreundlichkeitsfaktor bei den Älteren und bei dem Coolnessfaktor bei den Jüngeren.

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  3. TFH schreibt:

    Seltsamer Artikel…
    Eine Einordnung der Länder nach Punkten, die die WHO vergibt…
    Ich frage mich, was für eine Aussagekraft das haben soll?
    Wenn ich mir die Länder auf den Spitzenrängen so anschaue,
    liegen die auch in der Problematik des Alkoholmissbrauchs recht weit oben.
    Punkte über „Maßnahmen gegen illegale Alkoholproduktion“ sind in Deutschland wohl einfach obsolet – wer billigen Sprit will macht den bestimmt nicht selbst, sondern kauft sich nen Klaren vom Penny, für 4,50€.
    Was die Zugänglichkeit angeht – so wird z.B. das Verkaufsverbot nach 22:00 Uhr wohl bald wieder fallen – weil es eben nix bringt.

    Also ein Ansprechen von Kunden auf ihr Trinkverhalten ist in meinen Augen ggf im Rahmen des Medikamentenerwerbs ggf ohnehin erforderlich, ansonsten würde ich es aber eher für übergriffig halten. Wie oben beschrieben ist das Ansprechen von Symptomen ggf auch zielführender.

    Letztlich aber sind die Menschen aber für sich selbst verantwortlich,
    und wer Chlorhexamed aus der Tasse trinkt, und Asbach versteckt,
    wird ziemlich genau wissen, wo er steht,
    und es liegt sicherlich nicht in der Verantwortung von Schülern,
    das anzusprechen.
    Auch wenn ich es in dem Fall für statthaft halten würde, das aus Eigeninteresse anzusprechen,
    was durchaus auch helfen kann – aber eben eine andere Ausgangslage ist.
    Für meine Interessen darf ich eintreten – für die anderer in meinen Augen nur mit deren Erlaubnis, bzw Aufforderung.

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  4. Sandra schreibt:

    Das ist wirklich ein schwieriges Thema… Ich arbeite bei einem Pizzalieferanten und wir haben auch so unsere Stammkunden. Eine ist fast jeden Morgen die erste Kundin überhaupt und bestellt sich ihren Wein. Als ich noch selbst ausgefahren bin, war ich auch oft bei ihr. Eine sehr liebe Frau, aber eben schwer krank. Zeitweise hatte sie ein Pensum von 6 (!) Flaschen Weißwein pro Tag (normal waren bei ihr so 3-4) – da hatte ich dann doch irgendwann ziemliche Gewissensbisse, ihr die zu bringen. Man macht sich ja doch irgendwie mitschuldig an der Selbstzerstörung eines anderen Menschen. Ich habe mit mir gerungen, aber schlussendlich doch weder meinen Chef noch sie angesprochen… Denn 1. kann sie ja mit Leichtigkeit woanders bestellen (das ist allerdings ein schwaches Argument, denn mit der Begründung könnte man ja auch gleich Drogen, Waffen und alles mögliche Illegale im Supermarkt verkaufen) und 2. habe ich meine Zweifel, was der Effekt von einer Interaktion durch Fremde wäre. Dass ein Problem besteht, wissen die Leute ja wohl selbst (sie spricht zum Beispiel immer im Plural, als hätte sie Besuch bzw. behauptet das oft auch). Da hilft ein Ansprechen wohl wenig. Außer vielleicht, die Person zu beschämen (das wäre zumindest vermutlich meine Reaktion in dem Fall). Und dann ist die Frage, ob daraus was Konstruktives wird (oh Gott, schon andere nehmen es wahr, ich muss mir Hilfe suchen) oder man sich noch mehr zurückzieht und alles eher schlimmer wird. Ganz ehrlich, ich glaube die erste Reaktion ist viel seltener als die zweite. Da ist wohl eher das nahe Umfeld gefragt (Freunde/Familie) – problematisch natürlich, wenn da keins ist.

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