Was treiben die denn da so lange?

Viele Kunden fragen sich während wir die verordneten Medikamente zusammensuch haben „Was dauert denn da so lange?“ und so mancher Arzt fühlt sich auf den Schlips getreten, wenn wir ihn bezüglich seiner Medikamentenkonstellation anrufen. Die Antwort für beide Fragen liegt in unserer Software (und natürlich in unserem Wissens- und Erfahrungsschatz 🙂 ) begründet.

Immer mal wieder erreicht uns die Frage, ob unsere Apothekensoftware nicht übertreibt, wenn sie vor Wechselwirkungen oder anderen pharmakologischen Problemen warnt. Doch wer fragt da und ist pikiert wenn wir wieder einmal in der Telefonleitung hängen mit unseren Bedenken? Es sind die verschreibenden Ärzte.
Am häufigsten kommt durch die Software in meinem Arbeitsbereich – der Rezeptur – natürlich die Warnung wenn der Wirkstoff überdosiert ist, die pH Werte der Inhaltsstoffe nicht zusammenpassen oder die Grundlage nicht optimal gewählt ist. Salben- oder Cremes dürfen wir selbst austauschen wenn wir dem therapeutischen System treu bleiben, bei allen anderen Problemen MÜSSEN wir beim Arzt anrufen. Übrigens fliegen zur Zeit vielen Apotheken die Rezepturen um die Ohren, die die Hautärzte ohne Gebrauchsanweisung rausgegeben haben. Retaxiert wird auf null – das heißt der Aufwand den wir damit hatten plus der Warenwert wird uns nicht erstattet. Kann den Ärzten wiederum egal sein, denn es ist ja nicht ihr Geld – was sind wir auch so blöd solche Formfehler zu übersehen… auf gut 2/3 aller Rezepturen die uns erreichen.
Etwas anderes ist unser Wechselwirkungscheck der über die Kasse läuft. Da geht es schon um mehr als durch die falsche pH Einstellung eventuell unwirksam gewordene Cremes und Salben, da kann es schon richtig um die körperliche Unversehrtheit des Patienten gehen. Bei Stammkunden haben wir zur Sicherheit auch immer bestehende Allergien eingespeichert, das hat im vergangenen Monat zwei Kunden die Fahrt in ein Krankenhaus erspart, denn der Hausarzt hatte die entsprechenden Hinweise seiner Software dahingehend übersehen. Er war uns allerdings auch dankbar für unsere Umsicht diesbezüglich und keinesfalls genervt oder pikiert über unseren Anruf.
Sehen wir uns aber einmal so eine Warnmeldung an, die von den Ärzten gerne einmal als überzogene Vorsicht von Apothekerseite her betrachtet wird – die Wechselwirkungen zwischen Ibuprofen und Citalopram. Zunächst bekommen wir nach dem einscannen beider Artikel einen Hinweis auf unserem Display eingeblendet, dass etwas an der Kombination problematisch erscheint. Klicken wir nun auf die „Kurzfassung“ erscheint der Hinweis auf die erhöhte Gefahr gastrointestinaler und anderer Blutungen. Die Warnstufe ist 5 von 9 und nennt sich „Überwachung/Anpassung nötig“.
Spätestens dann klingeln bei uns die „pharmakologischen Glocken“. War da nicht etwas mit den Wechselwirkungen zwischen Serotonin- Reuptake- Hemmern und nichtsteroidalen Antophlogistika? Genau! Beide wirken Ulzerogen und hemmen die Thrombozytenaggregation. In ihrer Kombination verstärken sie die Gefahr einer gastrointestinale Blutung sogar um ein Vielfaches, bezogen auf jede der beiden Substanzen für sich.
Das alles läuft innerhalb weniger Sekunden in Software und Oberstübchen ab, und führt nicht direkt zum Anruf beim verschreibenden Arzt, sondern wrst einmal zu einer Frage an den Patienten (so man weder seine Vorerkrankungen noch seine Medikation kennt):
„Darf ich Sie fragen ob Sie in den letzten Wochen Magen- oder Darmprobleme hatten, oder ob eine Operation ansteht?“
Damit eruieren wir erst einmal, ob der Kunde bereits von seinem Arzt über die Risiken dieser Kombination aufgeklärt wurde. Antwortet er nämlich mit:
„Ja, ich weiß dass das auf den Magen gehen kann, mein Arzt hat mir deshalb auch Pantoprazol aufgeschrieben. Das nehme ich immer morgens, aber davon hatte ich noch genug zuhause“
dann wissen wir, dass ärztlicherseits eine Überwachung stattfindet, haben somit unserer Pflicht genüge getan, können „Problem gelöst, Patient überwacht“ in unser Programm eintragen und alles ist gut.
Antwortet der Kunde aber mit:

Ja, ich habe immer so Magenschmerzen. Kann das daher kommen? Nächste Woche habe ich auch eine Darmspiegelung, da werden sicher wieder Polypen entfernt – zählt das auch als Operation?“ dann ist definitiv der Zeitpunkt gekommen zu dem wir zum Hörer greifen und den verschreibenden Arzt kontaktieren. Vielleicht kann zumindest das Ibuprofen durch Paracetamol ersetzt werden, da in diesem Fall tatsächlich alle NSAR nicht in Frage kommen.
Wir rufen auch nicht an, weil wir irgendetwas „verlangen“, uns wichtig machen oder aufspielen wollen. Es ist nur menschlich, wenn etwas übersehen wird, das kann jedem passieren. Wir möchten nur sichergehen, dass niemandem etwas passiert, und wir uns im schlimmsten Fall vor Gericht wiedersehen. Dort wird der Arzt gefragt warum er diese Kombination trotz bestehender Symptome weiter verordnet hat, und wir warum wir nicht reagieren, selbst wenn uns unser eigener Computer eine Warnmeldung herausschickt. Wir sollten Hand in Hand arbeiten – die Ärzte mit ihrer Erfahrung in Diagnose und Therapie, die Apotheker (und PTA) mit ihrer Erfahrung in Pharmakologie und den Eigenschaften der Wirkstoffe und Grundlagen in der Rezeptur.

Über ptachen

PTA mit Leib und Seele.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.