Auch Tierärzte haben es nicht leicht

Heute war der letzte Tag meines Grundlagenseminars B für Tierheilpraktiker (ich berichte darüber dann gesondert noch mal). Ich habe festgestellt, dass Tierärzte es auch nicht leichter haben mit der Politik als Apotheker. Auch hier gibt es unsinnige Gesetze, die erlassen werden weil es gerade politisch gewünscht ist, und die bar jeder Vernunft gefällt werden.

Ein Beispiel ist das neue Gesetz zur Tierärztlichen Hausapotheken Verordnung (TÄHAV). Dort gibt es einen Passus zur Verordnung von Antibiotika, der eigentlich nicht zu verstehen ist. Vor jedem Einsatz derselben muss nun nämlich ein Antibiogramm erstellt werden.

Das ist sicherlich sinnvoll vor dem Einsatz derselben bei Nutzvieh oder Massentierhaltung um Resistenzen durch sinnfreie Anwendungen derselben einzudämmen. Aber bei Heimtieren? Seit dem 1. März muss bei jeder Blasenentzündung von Katze oder Hund ein Antibiogramm erstellt werden um vor dem Einsatz des Antibiotikums sicherzustellen, dass dieses auch wirkt.

Um ein solches erstellen zu können braucht man Zystozentese- Urin. Urin also, welches durch eine Punktion der Blase gewonnen wird. Eine

– unangenehme Prozedur für das Tier (wer möchte sich schon gerne eine lange Nadel in die Blase stechen lassen),

– langwierig (der Hund leidet dann erst einmal noch ein paar Tage bis klar ist welches Antibiotikum wirkt),

– gefährlich (in der Zwischenzeit wandern die Keime vielleicht in die Niere) und

– teuer für den Halter (Punktion und Antibiogramm sind nicht wirklich billig).

Die Tierärzte erfuhren sehr kurzfristig von dieser Änderung der Hausapotheken Verordnung und hatten kaum 3 Wochen Zeit das zu verdauen und umzusetzen. Echt übel. Denen geht es auch nicht besser als den Apothekern…

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8 Antworten zu Auch Tierärzte haben es nicht leicht

  1. gedankenkarrussel schreibt:

    Ich übersetze: Das Hauptproblem (Antibiotika in der Nutztierhaltung) gehen wir lieber nicht an, weil Lobby und so… aber die „Kleinen“ kann man ja dann mal zu so einem Unsinn verpflichten.
    Richtig verstanden?

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    • ptachen schreibt:

      Nö. Testen müssen ab jetzt alle. Aber man hätte doch differenzieren können finde ich. Bevor man in einem Mast- oder Zuchtbetrieb „großflächig“ Antibiotika einsetzt muss man testen, bei Kleintier- Einzelhaltung nicht.

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      • OtaconHC schreibt:

        Da gibt es 3 mögliche Erklärungen denke ich.

        1. Man hat das schnell durch geschoben und nicht wirklich darüber nachgedacht.
        2. Man glaubt dass Mastbetriebe dann Schlupflöcher finden würden wenn man auch nur die geringste Ausnahme zulässt.
        3. Es war ihnen scheiß egal.

        Mit keiner davon bin ich zufrieden 😦

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  2. Ein Tierarzt schreibt:

    Wie wäre es mit der Variante: Hunde und Katzen schlafen zum Teil im Bett, sind 24/7 mit einem zusammen, wie viele Tierhalter waschen sich nach jedem Mal streicheln die Hände?

    Auch Tierärzte (die mit 5 1/2 Jahre langem Studium…) schlagen über die neue Regelung die Hände über dem Kopf zusammen, die Ausführung ist etwas suboptimal, der Grundgedanke dahinter allerdings nicht verkehrt. Und gerade eine Harbwegsinfektion ist eine der Indikationen wo ein Antibiogramm eine super Sache ist und sehr unkompliziert möglich, die wenigsten Tiere bemerken den kleinen pieks und stören sich dran…

    Ich lese deinen Blog total gerne, außerhalb des Tierheilpraktiker Geschwurbels…

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    • nickel schreibt:

      Aber muss es wirklich sein, dass man a) private Tierhalter so schröpft und vor allem b) das Tier bis zur Auswertung unbehandelt bleibt und Folgeinfektionen in Kauf nimmt?

      Ich bezweifle außerdem, dass das ein kleiner Pieks ist. Stiche im Bauchraum tun scheiße weh, salopp gesagt.

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      • Ein Tierarzt schreibt:

        a) wenn man sich überlegt was der durchschnittliche Tierhalter im Fressnapf/Futterhaus lässt sind die paar Euros in ein Antibiogramm sehr gut investiert
        b) bleiben die Tiere nicht unbehandelt, man darf nach Anlegen des Antibiogrammes direkt mit der Therapie beginnen und nur ggf nach Ergebnis wechseln wenn nicht wirksam.

        Für die angewendete Indikation zugelassene Antibiotika dürfen übrigens weiterhin ohne Antibiogramm eingesetzt werden.

        Das zu bezweifeln ist ihr gutes Recht, allerdings habe ich wirklich schon sehr viele solcher Punktionen selbst durchgeführt und es kommt wirklich bei den allermeisten Tieren zu kaum einer Reaktion…

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      • nickel schreibt:

        Danke für die Ausführungen.
        Ich bin davon ausgegangen, dass ein Antibiogramm anzulegen und auszuwerten eine Weile dauert, da die meisten Labore recht gut ausgelastet sind. Wie lange dauert es denn im Schnitt?

        Und besteht bei der Punktion der Blase nicht ein Infektionsrisiko?

        Ich frage aus Interesse, nicht aus Zynismus oder dergleichen, nur um das in der manchmal kommunikativ schwierigen Welt des Internets vorweg zu nehmen. 😀

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  3. Ein Tierarzt schreibt:

    Normalerweise dauert ein Antibiogramm mit Auswertung 3-5 Tage, nach der neuen TÄHAV aber durchaus auch mal länger da deutlich mehr Proben.

    Mit “Anlegen“ eines Antibiogramms meinte ich allerdings nur den reinen Akt von Tupfer nehmen und einsenden, man muss mit der Therapie nicht auf das fertige Ergebnis warten.

    Optimalerweise desinfiziert man die Einstichstelle ordentlich und benutzt steriles Material. Ein gewisses Rest Infektionsrisiko lässt sich aber nie ausschließen.

    Es gibt aber auch wie gesagt zugelassene Antibiotika für Blaseninfektionen wie AmoxiClav, da braucht man weiterhin kein Antibiogramm.
    Und bei einer Nichtwirksamkeit des ersten Antibiotikums habe ich zumindest auch vor der neuen TÄHAV sowieso ein Antibiogramm angelegt…

    Ein größeres Problem besteht in der Augenheilkunde, da gibt es sehr wenig für Tiere zugelassene Medikamente.

    Und vielen Dank für den Hinweis, ich neige schriftlich durchaus zu “auf Krawall gebürstet sein“ und gehe öfters mal eher vom schlimmsten aus 😉

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